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    Haldensleben

    Rätsel um zwei tote Paketdienst-Mitarbeiter an einem Tag

    Zwei tote Paketdienst-Mitarbeiter in Haldensleben
    Feuerwehrleute sind in Schutzanzügen im Einsatz. Foto: Matthias Strauß/dpa

    Zwei Mitarbeiter eines Paketzentrums in Haldensleben in Sachsen-Anhalt sind binnen 24 Stunden im Dienst gestorben - nun schloss die Polizei endgültig giftige Stoffe als Ursache aus.

    „Die Tatortarbeit ist sehr umfangreich und akribisch gelaufen. Es gab keinerlei Hinweise auf gesundheitsgefährdende Stoffe”, sagte Polizeisprecher Frank Küssner in Magdeburg. Die Leichen der beiden Männer sollten noch am Mittwoch obduziert werden. Mit den Ergebnissen sei frühestens am Donnerstag zu rechnen. Nach den bisherigen Ermittlungen haben sich demnach die Hinweise darauf verdichtet, dass die Männer eines natürlichen Todes starben.

    Auf dem Gelände des Versandzentrums, in dem mehr als 3000 Menschen arbeiten, war in der Nacht zum Dienstag zunächst ein Toter entdeckt worden. Der 58-Jährige soll zusammengebrochen und vor Ort gestorben sein. Laut Hermes handelt es sich um einen Mitarbeiter aus der Betriebstechnik, der keinen Kontakt zu Paketen hatte. Am Nachmittag wurde dann in Haldensleben in einem Transportfahrzeug von Hermes ein weiterer Mitarbeiter tot gefunden. Der 45-Jährige saß leblos auf dem Fahrersitz. Die Polizei ermittelt, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen den Todesfällen.

    Die Arbeit im Logistikzentrum, wo nach Unternehmensangaben täglich rund 300 000 Sendungen bearbeitet werden, stand seit Dienstagabend still. Laut Polizei sollte der Betrieb am Abend wieder aufgenommen werden. Ein Unternehmenssprecher sagte, die Nachtschicht sei ab 22.00 Uhr mit 60 bis 70 Mitarbeitern besetzt. Von Donnerstag an werde dann der Stau bei den Paketsendungen aufgelöst.

    Hermes-Geschäftsführer Andreas Stumpf sagte, es herrsche große Betroffenheit in der Belegschaft des Logistikzentrums. „Unsere Aufgabe wird es jetzt sein, die Mitarbeiter aufzuklären, zu informieren, was letztendlich hier tatsächlich vorgefallen ist, so dass sie wieder an den Arbeitsplatz gehen können.”

    Zunächst war dazu von einem weiteren schwer verletzten Mitarbeiter die Rede gewesen. Dazu sagte Stumpf: „Der ist überhaupt nicht schwer verletzt. Der hatte einen epileptischen Anfall. Der Kollege hat eine Vorgeschichte. Das war nicht das erste Mal, dass er sowas hatte.” Dem Mitarbeiter gehe es wieder gut.

    Die ungewöhnliche Häufung der Unglücksfälle am Dienstag führte bis in den frühen Mittwochmorgen hinein zu einem Großeinsatz der Feuerwehr. 120 Kräfte waren im Einsatz. Zwischenzeitlich sorgte am Mittwoch der Fund geringster Mengen eines Stoffes an einem Paket für Aufregung. Laut Polizei könnte er in großen Mengen gefährlich sein. Die Feuerwehr öffnete deshalb alle Pakete in dem Transporter, in dem ein Mitarbeiter vor seinem Tod am Dienstag Pakete ausgeliefert hatte. Kurze Zeit später gab es Entwarnung. „Das sind ganz normale Zustellpakete gewesen mit handelsüblichem Inhalt”, betonte der Polizeisprecher. Über die Menge des gefundenen Stoffes sagte er: „Die Dosis, die man braucht, um zu sterben, wurde nicht erreicht.”

    Experten für chemische und toxische Stoffe aus Berlin suchten im Anschluss gemeinsam mit der Tatortgruppe des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt nach Hinweisen gesucht, wie die beiden Mitarbeiter ums Leben gekommen sein könnten. Sie sollten auch Gefahren für medizinisches Personal und weitere Mitarbeiter ausschließen.

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