• aktualisiert:

    Berlin

    Risiko-Lebensmittel in Kliniken und Heimen

    Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) stellt Schwerpunkte der Lebensmittel- und Bedarfsge... Foto: Daniel Karmann, dpa

    Ein paar Scheiben Brot, dazu Mettwurst und Räucherlachs. Zum Abschluss ein Stück Limburger. Diese Lebensmittel haben Lebensmittelkontrolleure bei ihren Besuchen in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Kindertagesstätten im vergangenen Jahr in ganz Deutschland entdeckt.

    Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sieht darin ein „unnötiges gesundheitliches Risiko“. Denn rohe Wurst, Räucherfisch, Salate, manche Weichkäse und Tiefkühlbeeren sind besonders oft mit krankmachenden Keimen belastet. Bei empfindlichen Personen wie Kindern, Schwangeren oder Senioren können sie schwere Infektionskrankheiten auslösen.
    „Es ist erschreckend, dass in so vielen Einrichtungen, in denen man gesund werden soll, das Risiko besteht, am Essen zu erkranken“, fasst es BVL-Präsident Helmut Tschiersky bei der Vorstellung des Jahresberichts zur Lebensmittelsicherheit am Donnerstag zusammen.

    Oft Listerien entdeckt

    393 Mal haben die Kontrolleure Rohwürste eingesammelt, darunter Tee- und Mettwurst sowie Braunschweiger Wurst. Jede achte Probe war mit einem „messbaren Gehalt“ von Listerien betroffen. „Bei Gesunden wäre das nicht sehr problematisch, bei Menschen mit Vorerkrankungen oder immunempfindlichen Personen kann eine Infektion mit Listerien aber einen dramatischen Verlauf nehmen“, erklärt Tschiersky.

    Eigentlich hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung schon 2011 eine Empfehlung herausgegeben: „Sofern es nicht vorgesehen ist, diese Lebensmittel direkt vor der Ausgabe ausreichend zu erhitzen, (…) wird geraten, auf deren Abgabe an besonders empfindliche Personengruppen zu verzichten.“
    Mit anderen Worten: In Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Pflegeheimen sollten Harzer Käse, Carpaccio oder selbstgemachtes Eis nicht auf den Teller kommen. „Es ist sehr wichtig, dass Menschen, die empfindlich gegenüber Krankheitskeimen sind, nicht ohne Not mit diesen Lebensmitteln in Kontakt kommen“, sagt Tschiersky.

    Informationsdefizit bei den Einrichtungen

    Das Problem: Nur etwa die Hälfte der 1880 Einrichtungen, die im vergangenen Jahr kontrolliert wurden, kannten diese Empfehlungen. Und nur zehn Prozent verzichteten komplett auf die risikohaften Produkte. „Die Empfehlung kann man sich ohne Weiteres im Internet herunterladen“, sagt Tschiersky. Außerdem werde sie jedes Jahr aktualisiert.

    Warum die gefährlichen Speisen dennoch angeboten werden, darüber kann der BVL-Präsident nur spekulieren: „Wir haben hier vielleicht tatsächlich ein Informationsdefizit.“ Die Gründe müssten im Einzelfall geprüft werden. „Womöglich ist auch das Risikobewusstsein einfach nicht da.“

    Smoothies schneiden meistens gut ab

    Auch Smoothies, Mischgetränke aus Obst- und Gemüsesaft, hat die Behörde im vergangenen Jahr verstärkt unter die Lupe genommen. „Die Zutaten dafür wachsen oft sehr bodennah, deshalb haben sie das Risiko einer erhöhten Keimbelastung“, sagt Georg Schreiber, stellvertretender Leiter der Abteilung Lebensmittelsicherheit im BVL.

    Die Ergebnisse findet Schreiber „äußerst erfreulich“: Von 158 untersuchten Proben waren nur zwei Smoothies belastet, einer mit Listerien und einer mit Kolibakterien. Salmonellen konnten die Lebensmittelüberwacher nicht nachweisen.

    Zu viel Nitrat?

    Zusätzlich wollte das Bundesamt herausfinden, ob grüne Smoothies, die viel Gemüse enthalten, mit Nitrat belastet sind. „Diese enthalten größere Mengen an Blattsalat, Spinat und Mangold. Wir wissen, dass in solchen Salaten höhere Nitratgehalte enthalten sein können“, sagt Schreiber.

    Im Labor lagen jedoch fast alle der 153 grünen Smoothies unter dem Grenzwert. „Die täglich duldbare Dosis, die man aufnehmen kann, wurde bei Erwachsenen in keinem Fall und bei Kindern nur in einigen wenigen Fällen überschritten“, so Schreiber. Eine Gesundheitsgefahr gehe davon jedoch nicht aus, solange Kinder nicht mehr als eine Flasche mit 250 Millilitern am Tag trinken.

    „Unsere Message an die Unternehmen ist, dass sie so weiterarbeiten sollen“, sagt Schreiber. Den Verbrauchern empfiehlt er, die Obstsäfte bei sieben Grad im Kühlschrank zu lagern und möglichst bald zu trinken.

    Christoph Donauer

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)


    Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de?
    Dann jetzt gleich hier registrieren.