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    Rot am See

    Schütze von Rot am See spricht bei der Polizei über Motive

    Nach den tödlichen Schüssen in Rot am See am Freitag gehen die Ermittlungen weiter. Zeugen berichten, wie sie in der Nähe der Gaststätte einen Schulbus warnen konnten.
    Nach Schüssen in Rot am See im Nordosten Baden-Württembergs am Freitag kommt die Polizei mit der Spurensicherung voran. 
    Nach Schüssen in Rot am See im Nordosten Baden-Württembergs am Freitag kommt die Polizei mit der Spurensicherung voran.  Foto: Marijan Murat, dpa

    Nach den tödlichen Schüssen auf sechs Menschen in Rot am See (Lkr. Schwäbisch-Hall) am vergangenen Freitag schwebt ein angeschossener Mann nicht mehr in Lebensgefahr. Der kritische Zustand des 68-Jährigen habe sich verbessert, teilte die Polizei am Montag in Aalen mit.

    Der Tatverdächtige, der in Untersuchungshaft sitzt, habe sich inzwischen zu den Vorwürfen des sechsfachen Mordes und des zweifachen versuchten Mordes geäußert, bestätigte das Polizeipräsidium. Unter anderem habe der 26-Jährige erklärt, warum er die Waffe gezückt habe. "Aufgrund der laufenden Ermittlungen können hierzu jedoch keine weiteren Angaben gemacht werden", so ein Polizeisprecher.

    Schüsse gehört, Schulbus gewarnt 

    Indessen helfen immer mehr Zeugen, das Mosaik des Geschehens in dem Gasthaus zusammen zu setzen. Alfred Fetzer, Feuerwehrkommandant und Chef eines benachbarten Planungsbüros, sagte der "Südwestpresse online": Er und seine Mitarbeiter hätten die Schüsse zwar gehört, aber "gedacht, es wird etwas abgeladen". Wenig später habe eine schwer verletzte Frau an der Türe geklingelt und gesagt, dass gegenüber geschossen worden sei. Seine Mitarbeiter hätten Erste Hilfe geleistet, bis Polizei und Rettungskräfte eintrafen.

    Ein Kollege, der einen Schulbus in Richtung des Tatorts fahren sah, habe geistesgegenwärtig reagiert und den Fahrer gewarnt, schilderte der Feuerwehrkommandant der Südwestpresse: "Der Busfahrer hat sofort reagiert und die Türen verriegelt." Auch Zugreisende, die gerade in der Nähe ausgestiegen waren, habe man gewarnt: "Es war wichtig, dass sich niemand in Gefahr bringt."

    Er und seine Mitarbeiter hätten verfolgt, wie der 26-Jährige nach der Schießerei aus dem Fenster stieg. Er habe sich mit erhobenen Händen auf dem Gehweg niedergekniet und auf das Eintreffen der Beamten gewartet, so Fetzer.

    Schützbund befürchtet erneute Debatte um Verschärfung der Waffengesetze

    Der Deutsche Schützenbund (DSB) in Wiesbaden fürchtet nun indes eine erneute Debatte um ein schärferes Waffenrecht. "Wenn mit einer legalen Waffe so etwas passiert, ist immer die Diskussion da, wie man die Schraube noch weiter anziehen kann", sagte Vizepräsident Walter Wolpert. Dabei habe Deutschland schon eines der strengsten Waffengesetze der Welt, das zudem gerade erst verschärft worden sei.

    Der 26-jährige Tatverdächtige hatte laut den Ermittlern eine Waffenbesitzkarte und soll eine halbautomatische Waffe benutzt haben."Solche Taten kann man mit Waffengesetzen nicht verhindern", so Wolpert. Es gebe genug Kontrollen für Sportschützen: Sie müssten mindestens ein Jahr Vereinsmitglied sein und würden von den Vereinsvorsitzenden überprüft, bevor sie eine Waffenbesitzkarte beantragen dürften. Ob diese erteilt werde, entscheide das Ordnungsamt nach einer Zuverlässigkeitsprüfung. Dabei werde auch das polizeiliche Führungszeugnis und das Register der Staatsanwaltschaft berücksichtigt. Wer unter 25 Jahre sei und eine Großkaliberwaffe haben wolle, werde zudem psychologisch begutachtet.

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