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    Berlin

    "Sehnsucht nach klaren Positionen und anderen Köpfen"

    Der CDU-Abgeordnete Axel E. Fischer erhofft sich vom Bundesparteitag in Leipzig und der Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer ein Signal des Aufbruchs.
    Axel E. Fischer, CDU-Bundestagsabgeordneter, will in seiner Partei Spitzenpersonal sehen, an dem man sich reiben kann. Foto: Michael Kappeler, dpa

    Er ist seit 1998 Bundestagsabgeordneter und damit einer der erfahrensten Parlamentarier der CDU. Der Karlsruher Axel E. Fischer hat die guten Zeiten für seine Partei erlebt. Aktuell macht er die eher schlechten Zeiten mit und stellt einen Mangel an Themen und an Führungskraft fest. Am Freitag und Samstag findet in Leipzig der 32. Parteitag der CDU Deutschlands statt. Vorstandswahlen stehen erst wieder in einem Jahr an. Fischer erhofft sich gleichwohl eine Richtungsänderung. Warum, erklärt er hier im Interview:

    Frage: Herr Fischer, Sie hätten wie viele andere in Ihrer Partei auch gerne Friedrich Merz als CDU-Parteivorsitzenden gehabt. Der musste sich vor einem Jahr beim Parteitag in Hamburg knapp Annegret Kramp-Karrenbauer geschlagen geben. Der nächste Parteitag naht, AKK ist seit einem Jahr im Amt. Wie schlägt sie sich?

    Axel Fischer: So schlecht, wie sie gerade von den Medien gemacht wird, ist sie nicht. Sie macht einige Sachen ganz gut. Auch ihr Aufritt bei uns in der letzten Fraktionssitzung war so kämpferisch, wie wir das eigentlich erwarten. Ich finde es auch gut, dass sie die Gelöbnisse bei der Bundeswehr wieder in die Öffentlichkeit gerückt hat.

    Dann können wir uns also auf einen kuscheligen Parteitag mit einer unangefochtenen Vorsitzenden einstellen?

    Fischer: Nein, kuschelig wäre der falsche Ausdruck. Die CDU steht vor einer Grundsatzentscheidung. Wir müssen uns entscheiden, ob wir an der Spitze breit aufgestellt sein wollen und damit ein breites Wählerpotenzial ansprechen - oder ob wir uns weiter auf einen kleinen Bereich verengen wollen, wie es bei der CDU in den letzten Jahren Stück für Stück passiert ist.

    Heißt was genau?

    Fischer: In der Ära von Helmut Kohl hatten wir verschiedene markante Köpfe. Ich erinnere nur mal an Heiner Geißler, Norbert Blüm, Kurt Biedenkopf oder Manfred Kanther. Die haben ein breites Feld abgedeckt, die Partei war thematisch umfassend aufgestellt.

    Jetzt haben Sie immerhin Angela Merkel.

    Fischer: Richtig. Wir haben Angela Merkel. Und dann kommt erst mal relativ lange nichts.

    Wirklich so schlimm?

    Fischer: Angela Merkel ist eine starke Persönlichkeit und verfolgt ihre Ziele konsequent. Annegret Kramp-Karrenbauer wirkt daneben manchmal wie Merkels Generalsekretärin, die sie ja auch mal war. Die Bundes-CDU hinterlässt eine gefühlte Inhaltslosigkeit, das haben wir gerade mit der Thüringen-Wahl besonders deutlich gespürt. Können Sie mir irgendein Thema nennen, bei dem die Parteiführung deutlich sagt: Ja, das wollen wir als CDU umsetzen?

    "In der Ära von Helmut Kohl hatten wir verschiedene markante Köpfe."
    Axel E. Fischer

    Ich sitze ja hier, damit Sie mir Fragen beantworten und nicht umgekehrt. Aber im Ernst: Übertreiben Sie nicht gerade ein bisschen? So schlecht läuft es in ihrer Partei doch nun auch wieder nicht.

    Fischer: Welche Stimmung in der CDU herrscht, erkennt man daran, dass jemand wie Friedrich Merz, sobald er sich politisch äußert, bei der Basis sofort groß ankommt. Es gibt eine Sehnsucht nach klaren Positionen und anderen Köpfen. Und diese Entscheidungen müssen jetzt in der CDU getroffen werden. Der Parteitag ist dafür richtungsweisend. Ich erhoffe mir von Leipzig, dass wir ein paar klare Positionen definieren wo es um uns, und nicht um den Koalitionspartner SPD geht. Wir müssen uns wieder breiter aufstellen und wieder mehr Wählerschichten ansprechen. Da wiederum geht es mir vor allem um die jungen Wähler. Von den Älteren werden wir noch gut gewählt, aber die Jungen gehen relativ stark Richtung AfD und Grünen. Das ist nicht akzeptabel.

    Klingt abstrakt. Haben Sie mal ein Beispiel?

    Fischer: Die Grundrente. Wir stellen hier ungedeckte Schecks aus, die zu Lasten der kommenden Generationen gehen. Irgendwo muss das Geld ja herkommen. Deshalb habe ich volles Verständnis für die Junge Union, die dieses Projekt massiv kritisiert hat.

    Und wer könnten die anderen Führungsköpfe der Zukunft sein? Außer Friedrich Merz?

    Fischer: Jens Spahn zum Beispiel. Man muss nicht alles gut finden, was er macht. Aber er macht, er hat Positionen, an ihm kann man sich reiben. Solche Leute brauchen wir, dann kommen wir auch wieder über 40 Prozent.

    Die Junge Union will die nächste Kanzlerkandidatin oder den nächsten Kanzlerkandidaten per Urwahl bestimmen lassen. Eine gute Idee?

    Fischer: Die Forderung steht doch nur deshalb im Raum, weil die Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation so groß ist. Rein praktisch kann es eine Urwahl ja nur geben, wenn mehrere Kandidaten zur Verfügung stünden. Ob das vernünftig ist, weiß ich nicht. Ich habe da Zweifel. Auf dem Parteitag wird der Antrag keine Chance haben, da bin ich mir ziemlich sicher.

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