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    München

    Spaenle will breites Bündnis gegen Judenfeindlichkeit

    Nur eine "Kultur des Hinsehens" könne die wachsende Judenfeindlichkeit stoppen, glaubt Ludwig Spaenle. Viele Verbände hat der Antisemitismus-Beauftragte bereits als Unterstützer gewonnen. Foto: Christophe Gateau, dpa

    Der bayerische Antisemitismus-Beauftragte Ludwig Spaenle (CSU) setzt im Kampf gegen die wachsende Judenfeindlichkeit auf die Unterstützung von Organisationen und Verbänden aus allen gesellschaftlichen Bereichen: Fast 60 Institutionen in Bayern hätten auf seine Initiative hin inzwischen ihre Unterstützung für die international anerkannte Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) zugesagt, erklärte Spaenle.

    Unterstützung vom Beamtenbund bis zu den Jägern

    Darunter befinden sich etwa der Beamtenbund, der Landesschülerrat, der BUND Naturschutz, der DGB oder die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Auch die Bürgerallianz Bayern, in der 24 Verbände von den Sportschützen über Trachtler bis hin zu Jägern, Skisportlern und Imkern mit rund 2,2 Millionen Mitgliedern zusammengeschlossen sind, gehöre diesem Bündnis an.

    Es gehe ihm darum, unabhängig von aktuellen antisemitischen Angriffen wie etwa kürzlich in München mit möglichst vielen Menschen und Organisationen über jüdisches Leben, jüdische Kultur aber auch über das Existenzrecht Israels ins Gespräch zu kommen, erklärte Spaenle: "Wir wollen die Aufmerksamkeit wecken."

    Er sei dabei auf großes Interesse gestoßen, aber auch auf die Frage: Was hat das mit uns zu tun? Die offene Diskussion über diesen Einwand habe zu Gesprächen geführt "die bisher so nicht stattgefunden haben", berichtete der frühere Schulminister. Dies reiche von einer Auseinandersetzung der Verbände mit ihrer eigenen Nazi-Geschichte bis zu Diskussionen über den konsequenten Umgang mit eigenen Mitgliedern, die antisemitische Ansichten äußern.

    "Wir brauchen eine Kultur des Hinsehens."
    Bayerns Antisemitismus-Beauftragter Ludwig Spaenle (CSU)

    Spaenle räumte ein, dass eine Unterstützung der Antisemitismus-Definition keine verbindlichen Folgen hat. Der Freistaat Bayern hatte im Mai als erste Region in Europa den Text offiziell übernommen. Der Landtag werde wohl im Herbst folgen, hofft Spaenle. Die von 31 Staaten unterstützte Definition lautet: "Der Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort und Tat gegen jüdische oder nicht-jüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein."

    Spaenle: AfD ein Grund für Klimaveränderung gegen Juden

    "Wir brauchen eine Kultur des Hinsehens", forderte Spaenle. So sei jeder Bürger gefordert, im Alltag antisemitischen Sprüchen von Arbeitskollegen, im Sportverein oder am Stammtisch entschieden entgegenzutreten: "Die Menschen müssen Zivilcourage zeigen", so Spaenle.

    Muslimische Verbände habe er bislang noch nicht um Unterstützung gebeten. Bei einigen muslimischen Institutionen sei er aber für Gespräche offen. Auf die bayerische AfD werde er hingegen nicht von sich aus zugehen, denn dort sei längst eine "braune Machtübernahme" im Gange: "Die AfD geht ganz bewusst diesen Weg", kritisierte der CSU-Politiker. Sie sei damit ein Grund für die Klimaveränderung auch gegen Juden in der Gesellschaft.

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