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    Washington

    US-Wahlkampf: Hunter Biden meldet sich zu Wort

    Hunter Biden, Sohn von Joe Biden, dem ehemaligen US-Vizepräsidenten und derzeitigen Konkurrenten von US-Präsident Donald Trump. Foto: Pablo Martinez Monsivais, dpa

    Hunter Biden ist das Problemkind von Joe Biden. Während Obamas Ex-Stellvertreter im Rennen um das Weiße Haus mit Anstand und Integrität punkten will, hat sein Sprössling mit Drogenexzessen und einem bewegten Liebesleben öfter für Schlagzeilen gesorgt. Seit ein paar Wochen nun steht der 49-Jährige im Zentrum von Donald Trumps Schmutzkampagne gegen seinen potentiellen Herausforderer. „Wo ist Hunter?“ fragt der US-Präsident bei seinen Kundgebungen. „Sperr ihn ein!“, skandiert die Meute.

    „Hier bin ich“, meldete sich Hunter Biden am Dienstagmorgen aus einer Wohnküche in Los Angeles zu Wort. Dort gab er dem Fernsehsender ABC ein Interview. „Ich verstecke mich auf offener Bühne“, fügte er sarkastisch hinzu. Es seien „eine Menge Falschinformationen“ im Umlauf, die er korrigieren wolle. Tatsächlich versucht Trump seit Wochen mit immer wilderen Attacken, von seinem durch ein Telefon-Protokoll und Zeugenaussagen dokumentierten Erpressungsversuch gegenüber dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj abzulenken. Trump hatte Militärhilfen von 400 Millionen Dollar für dessen Land gestoppt und Ermittlungen gegen die Biden-Familie verlangt.

    Nicht dieses Telefonat sei ein Skandal, behauptet der US-Präsident, sondern die Tatsache, dass Hunter Biden von 2014 bis zu diesem Frühjahr im Verwaltungsrat des größten ukrainischen Gasproduzenten Burisma saß. Ob er den Job wohl ohne seinen Nachnamen bekommen hätte, fragte ihn nun die Interviewerin: „Wahrscheinlich nicht“, antwortete er offen. Aber „in keiner Weise“ habe er etwas Unrechtes getan: Weder habe er mit seinem Vater über Geschäftsangelegenheiten gesprochen noch gegen Gesetze verstoßen. Allerdings sei „mit Blick auf das große Ganze“ seine Tätigkeit ein Fehler gewesen: „Ich habe ein paar sehr skrupellosen Leuten einen Anlass gegeben, auf illegale Weise zu versuchen, meinen Vater zu beschädigen.“

    Die Unterstellungen des Präsidenten nannte Hunter Biden „lächerliche Verschwörungstheorien“. Die Hände vor den Kopf schlug sich der Geschäftsmann, als ihn die Reporterin mit Trumps Vorwurf konfrontierte, er habe sich mit Hilfe seines Vaters in China um 1,5 Milliarden Dollar bereichert. Für diese Zahl gibt es nach Recherchen von US-Medien keinerlei Belege. Tatsache ist, dass Hunter Biden mit Partnern 2013 die chinesische Investmentfirma BHR gründete. Nach Firmenangaben hat der Fonds 4,2 Millionen Dollar für Auslandsinvestitionen eingesammelt. „Keinen einzigen Cent“ habe er jedoch persönlich erhalten, versicherte der Biden-Sohn nun: „Wenn ich 1,5 Milliarden Dollar kassiert hätte, würde ich nicht dieses Interview geben.“

    Inzwischen hat Hunter Biden seinen BHR-Job geräumt und sich verpflichtet, während einer möglichen Präsidentschaft seines Vaters, der zu den aussichtsreichsten demokratischen Bewerbern gehört, keine Auslandsengagements einzugehen. Der Amtsinhaber Trump hingegen besitzt weiter ein weltweites Firmenimperium. Seine Kinder führen die Geschäfte und gehen im Amtssitz ein und aus. Trumps Anwalt Rudy Giuliani, der die Schmutzkampagne gegen die Bidens maßgeblich vorantreibt, hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters 500.000 Dollar von einem inzwischen verhafteten ukrainischen Geschäftsmann erhalten. Zu einem direkten Angriff auf Trump wollte sich Hunter Biden trotzdem nicht verleiten lassen: „Ich bin erzogen worden, dieses Amt zu respektieren.“

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