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    WASHINGTON

    Ukraine-Affäre: Zweiter Whistleblower will auspacken

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    Donald Trump Foto: afp

    Erst sollte die Sache völlig harmlos gewesen sein. Dann war es ihm angeblich um die fehlende Unterstützung der Europäischen Union für die Ukraine gegangen. Kurz darauf räumte Donald Trump ein, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj um Ermittlungen gegen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden gebeten zu haben. Nun behauptet er, es sei bei seinem fragwürdigen Telefonat gar nicht um Politik gegangen: „Die ganze Sache dreht sich um Korruption“, betonte der US-Präsident.

    Trump könnte recht haben – aber anders, als er denkt. Nach Recherchen der Nachrichtenagentur AP war in diesem Frühjahr nämlich nicht nur Trumps Anwalt Rudy Giuliani in der Ukraine unterwegs, um die Kampagne gegen Biden voranzutreiben.

    Lukrative Verträge mit Gas-Riesen

    Zur gleichen Zeit sollen mehrere amerikanische Geschäftsleute und Geldgeber der Republikaner mit teils persönlichen Beziehungen zum Präsidenten versucht haben, ein neues Management beim staatlichen Gas-Riesen Naftogaz zu installieren. Ihr Ziel: lukrative Verträge zwischen Naftogaz und Unternehmen von Trump-Verbündeten. Zwar ist unklar, ob die Aktivitäten mit Giuliani direkt koordiniert waren. Aber die Geschäftsleute verfügten laut AP über Insider-Kenntnisse der amerikanischen Politik. So kündigten sie schon drei Monate vor dem Ereignis an, dass Trump die bisherige US-Botschafterin Marie Yovanovitch ablösen würde. Als die Investoren mit ihrem Anliegen in Kiew auf Widerstand stießen, soll sich US-Energieminister Rick Perry eingeschaltet haben und Präsident Selenskyj gedrängt haben, den Aufsichtsrat von Naftogaz zu feuern. Auf der von Perry vorgelegten Liste mit den gewünschten Neubesetzungen fand sich offenbar der Name eines Texaners, der ihm Geld gespendet hatte.

    Wenn die Enthüllung stimmt, liegt der Verdacht einer Verquickung von Trumps Ukraine-Politik mit Geschäftsinteressen nahe. Bemerkenswerterweise hatte der US-Präsident nach einem Bericht der Nachrichtenseite Axios vor republikanischen Abgeordneten behauptet, er habe Selenskyj gar nicht anrufen wollen.

    Damit versuchte Trump, den Verdacht zu entkräften, dass er den ukrainischen Präsidenten mit finanziellem Druck zu Ermittlungen gegen Biden erpressen wollte. Tatsächlich, so der Präsident, habe Perry auf diesen Anruf gedrängt. Es sei darum gegangen, „etwas in Zusammenhang mit einer Flüssiggas-Fabrik zu besprechen“. Trumps Aussage wurde zunächst als Versuch gewertet, Perry den Schwarzen Peter zuzuschieben. Tatsächlich könnte sie ungewollt die von AP aufgedeckte neue Facette der Affäre bestätigen.

    „Kenntnis aus erster Hand“

    Möglicherweise werden bald weitere Details bekannt. Inzwischen gibt es nämlich einen zweiten Whistleblower. Anders als der erste Informant, der von Trumps fragwürdigem Telefonat nur aufgrund der Berichte Dritter wusste, soll der neue Whistleblower „Kenntnis aus erster Hand“ haben. Nach Auskunft seines Anwalts untermauern seine Aussagen die Vorwürfe, dass Trump sein Amt missbrauche, um ausländische Staaten zur Einmischung in die US-Wahlen 2020 zu drängen. Die Existenz eines zweiten Zeugen ist politisch bedeutsam. Der Präsident hatte nämlich versucht, die Glaubwürdigkeit des ersten Whistleblowers zu untergraben, obwohl dessen Schilderungen mit dem später veröffentlichten Protokoll des Telefongesprächs exakt übereinstimmten.

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