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    BERLIN

    Umweltschutz fängt beim Papier an

    Papierherstellung aus Altpapier
    Durch den Onlinehandel fallen immer mehr Verpackungen an und die Altpapierberge werden immer größer. Foto: Oliver Berg, dpa

    Für Papier werden Bäume gefällt und wer denkt, dass im Online-Zeitalter der Verbrauch sinkt, der irrt gewaltig. Zwar wird mancher Brief durch eine Mail ersetzt, doch in vielen deutschen Büros wird weiterhin jedes Dokument ausgedruckt. Und durch den Onlinehandel fallen immer mehr Verpackungen an. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagt: „Der Verbrauch im Jahr 2018 liegt deutlich höher als vor 20 Jahren.“ In den vergangenen zehn Jahren habe es bei der Reduzierung kaum Fortschritte gegeben.

    Unter den Industrieländern ist Deutschland nach Angaben der Ministerin beim Papierverbrauch pro Kopf trauriger Spitzenreiter. Doch woher stammt der Rohstoff überhaupt? „Deutschland importiert aus keinem anderen Land so viel Zellstoff wie aus Brasilien, über eine Millionen Tonnen pro Jahr“, sagt Schulze. Also ausgerechnet aus dem Land, das zuletzt mit Fernsehbildern des brennenden Regenwalds für Entsetzen sorgte.

    Kein einziger Baum muss gefällt werden

    Dabei, so sagt die Umweltministerin, gebe es Alternativen. Für mit dem Blauen Engel ausgezeichnetes Recyclingpapier müsse kein einziger Baum gefällt werden. Dabei ist der Blaue Engel das anspruchsvollste Siegel für Recyclingpapier, denn es fordert einen Einsatz von 100 Prozent Altpapier. Darüber hinaus schone wiederaufbereitetes Altpapier auch weitere Ressourcen: Sechzig Prozent weniger Energieverbrauch, das sind immerhin auch sechzig Prozent weniger CO2-Emissionen. „Es gibt viele Gründe dafür Recyclingpapier einzusetzen und eigentlich keine Gründe dagegen: weder der Preis, noch die Archivierbarkeit, noch der Einsatz im Drucker“, so die Umweltministerin. Um den Einsatz von Altpapier zu fördern, wird seit 2008 von der Initiative Pro Recyclingpapier die Auszeichnung „Papieratlas“ an vorbildliche Städte, Landkreise und Hochschulen vergeben. In diesem Jahr wurde die Stadt Oldenburg als Gesamtsieger ausgezeichnet. Karlsruhe konnte die Quote an verwendetem Altpapier innerhalb eines Jahres um 42 Prozent erhöhen und wird dadurch Aufsteiger des Jahres.

    Aufklärungsarbeit an den Schulen

    Wer will, der kann – das hat auch der Landkreis Ahrweiler als Aufsteiger des Jahres gezeigt. Per Verwaltungsanordnung wurde bestimmt, dass nur noch wiederaufbereitetes Altpapier verwendet werden darf und so innerhalb eines Jahres von null auf hundert Prozent Recyclingpapier umgestellt. Insgesamt schnitt nur der Landkreis Höxter noch ein bisschen besser ab, der sich auch durch Aufklärungsarbeit an den Schulen hervortut.

    Die Technische Universität Kaiserslautern bekommt sogar eine Doppelauszeichnung als Aufsteiger des Jahres und Gesamtsieger. Da die Campusuniversität direkt am Pfälzer Wald liege und für ein neues Chemiegebäude eine Erweiterung um einen Hektar brauche, habe man sich besonders bemüht. Der Präsident der TU Kaiserslautern, Professor Helmut Schmidt, hat ausgerechnet, dass durch die Umstellung auf Altpapier 200 Hektar Wald verschont bleiben.

    Von Henrike Mielke

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