• aktualisiert:

    AGRIGENT

    Unterfränkischer CSU-Mann kritisiert Sea-Watch-Kapitänin

    «Sea-Watch 3» - Kapitänin Carola Rackete
    Carola Rackete, die deutsche Kapitänin der „Sea-Watch 3“, wird auf Sizilien von der Polizei abgeführt. Foto: Pasquale Claudio Montana Lampo, Ansa/dpa

    Das Wasser spielt weiter eine entscheidende Rolle im Leben von Carola Rackete. Am Montagnachmittag war die Kapitänin der „Sea-Watch 3“ wieder auf dem Mittelmeer unterwegs, diesmal auf einem Patrouillenboot der italienischen Guardia di Finanza, der Finanzpolizei, die auch Aufgaben der Küstenwache übernimmt. Die Beamten brachten Rackete von Lampedusa nach Agrigent auf Sizilien.

    Der Ermittlungsrichter dort entscheidet darüber,  ob der Hausarrest gegen die 31-jährige Deutsche aufrecht erhalten wird . Rackete sollte vor dem Richter auch erstmals ausführlich vor der italienischen Justiz Stellung beziehen zu den Vorfällen in der Nacht von Freitag auf Samstag. Die „Sea-Watch 3“ wurde beschlagnahmt.

    Alexander Hoffmann sieht ein „fatales Signal“

    Die Kapitänin des Rettungsschiffes der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch hatte das Verbot ignoriert, mit 42 Flüchtlingen in den Hafen von Lampedusa einzulaufen. Rackete rammte bei dem Anlegeversuch auch ein Boot der Finanzpolizei.

    Alexander Hoffmann Foto: Meike Rost

    Kritik an Rackete kommt aus der CSU: Anstatt einen unter internationaler Aufsicht stehenden Hafen in Libyen anzulaufen, „wurde Kurs auf Europa genommen“, sagt der Bundestagsabgeordnete Alexander Hoffmann aus Retzbach (Lkr. Main-Spessart). „Das ist ein fatales Signal in die Krisenregionen überall in Afrika.“ Schließlich seien „geschätzt über eine Million Menschen beim Versuch, die Sahara zu durchqueren – in der Hoffnung von Nordafrika nach Europa zu gelangen – bereits ums Leben gekommen“.

    Zwei Wochen lang waren die 22-köpfige Besatzung der „Sea-Watch 3“ und die am 12. Juni vor Libyen in Seenot aufgenommenen Migranten auf dem Mittelmeer unterwegs. Weder Italien noch Malta gestatteten die Landung. Nun muss sie sich in Italien wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung, aber auch wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt verantworten, ihr drohen mehrere Jahre Haft. Die Finanzpolizei hatte vergeblich versucht, die Landung der „Sea-Watch 3“ zu unterbinden.

    Millionenspende für „Sea-Watch“

    Der italienische Innenminister Matteo Salvini von der rechtsnationalen Lega versucht mit seiner Blockadepolitik einerseits die Landung von Flüchtlingen in Italien einzudämmen. Andererseits zielt er auch auf die Regierungen der anderen EU-Länder und versucht mit seinem Landeverbot, die Länder zur Aufnahme der Flüchtlinge zu zwingen. Im Fall der „Sea-Watch 3“ haben sich Frankreich, Deutschland, Portugal, Finnland und Luxemburg zur Aufnahme der Migranten bereit erklärt.

    Salvini bekommt bislang breite Unterstützung für dieses Vorgehen in der italienischen Bevölkerung. Bei der Landung der „Sea-Watch 3“ in Lampedusa beschimpften Schaulustige die Kapitänin, als sie von den Polizeibeamten von Bord geführt wurde. In den italienischen Medien wurde schon zuvor Rackete als Gegenspielerin von Innenminister Salvini inszeniert, der die Helfer als „Piraten“ und Handlanger von Schleppern bezeichnet. Salvini trägt bei seinen Anhängern den Beinamen „Capitano“, fortan hieß es also Kapitänin gegen Capitano. Salvini und Rackete warfen sich gegenseitig vor, politische Spielchen zu Lasten der Migranten auszutragen.

    Das Rettungsschiff „Sea-Watch 3”
    Das Rettungsschiff „Sea-Watch 3” in Lampedusa. Foto: Annalisa Camilli/AP

    In Deutschland hat sich inzwischen ein breites Bündnis an Unterstützern für Rackete formiert. Die Spenden für die Hilfsorganisation schossen in die Höhe. Mehr als eine Million Euro wurden bis Montagnachmittag gesammelt. Das Geld soll für Gerichtskosten und eventuell ein neues Schiff verwendet werden.

    Weitere Artikel

    Kommentare (61)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!