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    WASHINGTON

    Warum Trumps radikalster Haudrauf gehen musste

    John Bolton
    Donald Trump und John Bolton, als dieser noch Nationaler Sicherheitsberater war. Foto: ArchivSusan Walsh, dpa

    Am Ende waren sich der Präsident und sein wichtigster Berater nicht einmal mehr über die Umstände von dessen Ausscheiden einig. „Ich habe John Bolton gestern Abend informiert, dass seine Dienste im Weißen Haus nicht länger gebraucht werden“, twitterte Donald Trump. „Ich habe gestern Abend meinen Rücktritt angeboten“, erwiderte der Mann mit dem Walross-Schnauzer: „Die Darstellung des Weißen Hauses ist schlicht falsch.“

    Widerspruch mag Trump nicht. Und Scharfmacher Bolton, der politische Gegner in der Vergangenheit massiv einschüchterte, dürfte kaum klein beigeben. Insofern steht Washington eine neue Schlammschlacht auf höchster Ebene bevor. Unstrittig aber ist das Zerwürfnis zwischen dem Präsidenten und dem früheren Fox-Kommentator, dessen Einschaltquoten und markige Sprüche ihn einst so beeindruckten, dass er ihn im April 2018 zum Nationalen Sicherheitsberater machte. Was genau den Ausschlag für die abrupte Trennung gab, liegt im Dunkeln. Immerhin verkündete Trump den Rausschmiss seines dritten Sicherheitsberaters weniger als zwei Stunden vor einem geplanten Auftritt Boltons, der dann unterblieb. Dass Trump und sein selbstbewusster Ratgeber in der Iran-, der Nordkorea-, der Afghanistan- und der Russland-Politik nicht einer Meinung waren, hatte sich schon länger gezeigt. „Ich war mit vielen seiner Vorschläge nicht einverstanden“, erklärte der Präsident.

    Gefallen an markiger Rhetorik

    Das war nicht immer so. Bolton hat seine Positionen während der knapp anderthalb Jahre im Weißen Haus nicht geändert. Er galt immer als der radikalste Haudrauf unter Washingtons Falken. Den Irak-Krieg bejubelte er. Den Iran will er seit Jahren bombardieren. Das von Trump gekündigte Atom-Abkommen mit Teheran hängte er wie eine Trophäe an die Wand seines Büros. „Wenn es nach John ginge, befänden wir uns jetzt in vier Kriegen“, soll der Präsident im Frühjahr selbst gesagt haben. Doch Trump gefiel die markige Rhetorik.

    Doch die Distanzierung des Hardliners störte zunehmend das Bild des selbst ernannten „größten Dealmakers aller Zeiten“: Bolton machte deutlich, dass er den Abzug der US-Truppen aus Syrien für überstürzt hielt. Er wies darauf hin, dass der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un trotz schmeichelnder Briefe an Trump weiter Raketen testet. Anders als der Präsident wollte er Russland nicht wieder in den Kreis der G7-Staaten aufnehmen und er stand einem Treffen des US-Präsidenten mit seinem iranischen Kollegen Hassan Rohani ablehnend gegenüber.

    Es entbehrt nicht der Ironie, dass Bolton mit seinem letzten Vorstoß in Sachen Afghanistan erfolgreich war: Nach Medienberichten hatte er entschieden gegen ein geplantes Geheimtreffen Trumps mit Taliban-Vertretern auf dem Landsitz Camp David protestiert. Dass die Leser der „New York Times“ in den Tagen nach dem abgesagten Treffen viele Details über das geplante Friedensabkommen lesen konnten, soll Trump auch Bolton anlasten. Inzwischen erklärte Trump, der nach Bekanntwerden seines offenbar dilettantisch vorbereiteten Projekts einen Ansehensverlust fürchtet, die Gespräche mit den Taliban kategorisch für „tot“.

    Der Iran hofft nun auf Entspannung. „Mit dem Rausschmiss Boltons als dem wichtigsten Unterstützer von Krieg und wirtschaftlichem Terrorismus (Anm. d. Red.: gemeint sind die Sanktionen) gegen den Iran gibt es nun weniger Hindernisse für das Weiße Haus, die Realitäten in Teheran zu verstehen“, so Regierungssprecher Ali Rabiei. Von den Iran-Gegnern würde „einer nach dem anderen“ die politische Szene verlassen. (Mit dpa)

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