• aktualisiert:

    Saarbrücken

    AKK als Politikerin von Welt

    Weg vom Rednerpult: Annegret Kramp-Karrenbauer, Verteidigungsministerin, spricht beim Deutschlandtag der Jungen Union.  Foto: Harald Tittel, dpa

    Annegret Kramp-Karrenbauer weiß, was auf Parteitagen der Jungen Union abgeht. „Der Sonntagmorgen ist das Härteste, was man so erleben kann“, sagt die CDU-Vorsitzende, als sie die Bühne des Deutschlandtages in Saarbrücken betritt. Es ist aber nicht nur ein harter Sonntagmorgen für die rund 1000 JU-Anhänger vor ihr im Saal, die schon zwei Tage, vor allem aber auch zwei Nächte in den Knochen haben. Es ist auch ein harter Morgen für die amtierende Verteidigungsministerin. Denn nachdem überraschend ihr Konkurrent Friedrich Merz als Gastredner geladen worden war und bereits am Freitagabend für Furore sorgte, war ihr Auftritt auch als Duell der potenziellen CDU-Kanzlerkandidaten gewertet worden.

    Als AKK am Sonntagmorgen vor dem Congress Centrum Saar eintrifft, sitzt ihr eine Rede von Friedrich Merz im Nacken, die vom politischen CDU-Nachwuchs mit tosendem Applaus und Gesängen gefeiert wurde. Die Frage eines Reporters, ob sie nervös sei, beantwortet die Saarländerin vor der Halle zwar mit „Nö“, doch eine gewisse Anspannung ist ihr anzumerken.

    Auf der Bühne macht Kramp-Karrenbauer dann aber vieles richtig. Sie greift sich ein Handmikrofon und ist damit der erste Gast dieser Veranstaltung, der sich nicht am Rednerpult festhält. So was kommt bei den jungen Männern und Frauen im Saal gut an, in den Sozialen Netzwerken ploppen sofort erste positive Reaktionen auf.

    Die Verteidigungsministerin war zwar die letzten Tage im Ausland unterwegs, sie weiß aber natürlich, dass ihr Herausforderer Friedrich Merz im Kampf um die Nachfolge von Angela Merkel hier am Freitagabend ordentlich abgeräumt hat. AKK versucht, die Lage mit Humor zu entschärfen. Angesichts der Berichterstattung in den Medien müsse man den Eindruck haben, „dass es hier mehr um das Format Germanys Next Topmodel geht als sonstwas“, sagt sie, erntet für diese flache Pointe aber kaum Lacher. Bei Witzen geht es AKK wie ihrer Vorgängerin Angela Merkel: Beide haben dafür nicht so richtig viel Talent.

    Kramp-Karrenbauers Glück ist, dass auch Friedrich Merz nicht wirklich zu den Humoristen auf der politischen Bühne gehört. Der ehemalige Unions-Fraktionschef Merz hat rund 38 Stunden vorher allerdings durchaus die Konfrontation mit AKK gesucht. Er bedankt sich zunächst „für die Unterstützung, die ich im letzten Jahr von vielen in der Jungen Union bekommen habe“, um dann ein paar Krokodilstränen zu vergießen. Es sei doch jedem klar gewesen, dass die neue Parteivorsitzende Kramp-Karrenbauer „Fehler macht“, sagt Merz. Auch er hätte Fehler gemacht, wenn er zum Parteivorsitzenden gewählt worden wäre, schiebt der CDU-Politiker nach und ist über das laute „Nein“, das ihm als Antwort darauf aus dem Saal entgegenschallt, nicht wirklich böse.

    Kramp-Karrenbauer allerdings kann mit einem Pfund wuchern, das Merz nicht hat. Sie lenkt den Blick ziemlich schnell geschickt auf ihre Arbeit als Verteidigungsministerin und betont ihre Erfahrung in der Außenpolitik. Diese Erfahrung ist zwar noch relativ frisch und begrenzt. Aber wer Kramp-Karrenbauer über die Lage in Niger, Mali oder dem Baltikum reden hört, bekommt schnell den Eindruck einer mit allen Wassern gewaschenen Ministerin. Kramp-Karrenbauer beleuchtet die Lage in Syrien und kritisiert die Türkei, sie greift die russische Regierung für die Besetzung der Halbinsel Krim an. „Unrecht bleibt Unrecht und muss als solches auch von uns benannt werden“, sagt sie.

    Vom Publikum wird das honoriert. Der Applaus steigert sich, wird lauter. Die Kramp-Karrenbauer von heute muss sich nicht am innenpolitischen Kleinklein abarbeiten, sie kann als Politikerin von Welt auftreten. Auf der Bühne wirkt sie tatsächlich phasenweise schon wie die, der sie einst gerne ins Kanzleramt nachfolgen möchte. Wie Angela Merkel also.

    Zum Schluss ihrer Rede blickt Krampf-Karrenbauer doch noch mal kurz auf die interne Debatte. Sie hat gerade schlechte Umfragewerte und nicht nur in der Jungen Union fragen sich viele, ob sie Kanzlerin kann oder ob es doch jemand anders machen sollte, Friedrich Merz zum Bespiel. „Der politische Gegner sitzt immer außerhalb unserer Reihen, nie innerhalb“, ruft AKK den Delegierten zu.

    Nachdem AKK das Handmikro wieder aufs Pult gelegt hat, gibt es lauten Beifall. Zwar stimmt niemand im Saal das Lied „Oh, wie ist das schön“ an, wie es nach der Merz-Rede passierte. Der Applaus für die Vorsitzende ist aber eindeutig mehr als nur höflich.

    Die anschließende Aussprache zeigt aber, dass die Sache noch nicht entschieden ist. Von lautem Beifall begleitet kritisieren einige Delegierte die Vorsitzende dafür, dass sie entgegen anderslautender Versprechen doch noch einen Kabinettsposten übernommen hat. Außerdem hat sich die JU mit 170 von 277 gültigen Stimmen für eine Urwahl zur nächsten Kanzlerkandidatur ausgesprochen und damit gegen den Rat von AKK votiert.

    Die Verteidigungsministerin hat ihrem derzeit ärgsten Konkurrenten um die Spitzenkandidatur einen empfindlichen Treffer versetzt. Versenkt hat sie Friedrich Merz noch nicht.

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!