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    PARIS

    Alle blicken auf den Front National

    Marine Le Pen: Die Chefin des rechtsextremen Front National bei der Stimmabgabe in der ersten Runde der Departementswahl in Frankreich. Foto: Denis Charlet, AFP

    Mit einem breiten Lächeln ließ Marine Le Pen ihren Stimmzettel in die Wahlurne in Hénin-Beaumont gleiten. In diesem nordfranzösischen Städtchen, einem früheren Bergbaurevier mit hoher Arbeitslosigkeit, das seit einem Jahr von einem rechtsextremen Bürgermeister regiert wird, standen die Chancen für ihren Front National besonders gut, bei der gestrigen ersten Runde der Departementswahlen als stärkste Partei abzuschneiden. „Ziel ist es zu zeigen, dass wir stark lokal verankert sind und nicht nur Millionen Franzosen in einer nationalen Wahl hinter uns vereinen können“, erklärte die Parteichefin. „Ich bin ganz zuversichtlich.“

    Sie stand zwar gar nicht persönlich zur Wahl. Trotzdem geht sie als deren Siegerin hervor: Marine Le Pen triumphierte gestern nach der ersten Runde der Departementswahlen in Frankreich, nachdem ihr rechtsextremer Front National mit rund 25 Prozent der Stimmen sein von ihr vorgegebenes Ziel erreicht hat. Auch wenn das Ergebnis unter den Vorhersagen der Meinungsforscher liegt. „Wenn wir in einer lokalen Wahl die 20-Prozent-Hürde überschreiten, was für uns absolut historisch wäre, ist das ein Erfolg. Wenn wir wie bei den Europawahlen 25 Prozent schaffen, ist es ein Triumph.“ Den kostet sie nun aus – mit dem Blick nach vorne gerichtet.

    Seit die 46-Jährige vor vier Jahren den Vorsitz des Front National von ihrem Vater, Parteigründer Jean-Marie Le Pen, übernommen hat, reiht sie Erfolge aneinander. Bei den Präsidentschaftswahlen 2012 erreichte sie 17,9 Prozent, bei den Europawahlen 2014 wurde sie mit ihrer Ankündigung, sie wolle die EU „dekonstruieren“, sogar stärkste politische Kraft. Längst visiert Le Pen die nächsten Präsidentschaftswahlen 2017 an, bei denen sie die Endrunde erreichen will – mindestens. In jedem Fall wird sie wohl Frankreichs Politik der nächsten Jahrzehnte mitbestimmen.

    Anders als Jean-Marie Le Pen, der bewusst provozierte und für seine Gehässigkeiten über 20 Mal verurteilt wurde, hat seine jüngste Tochter echte Regierungs-Ambitionen. Um sich von ihm abzuheben, will sie die Partei mittelfristig in „Marine-blauer Zusammenschluss“ umbenennen. Denn der 86-jährige Le Pen stört als Ehrenpräsident der Partei mit seinen rassistischen und antisemitischen Ausfällen ihre Strategie einer „Entdämonisierung“.

    Mit ihr verfolgt Marine Le Pen das Ziel, den Front National wählbar für alle zu machen, zu verjüngen und mehr Frauen anzusprechen. Das gelingt auch durch das robuste, aber nicht unsympathische Auftreten der Chefin. Die zweifach geschiedene Mutter dreier Kinder, die mit dem Partei-Vize Louis Aliot liiert ist, weiß sich zu verkaufen. Inzwischen wird sie sogar von Frauenmagazinen porträtiert – vorbei die Zeiten, als die Medien die Le Pens schnitten.

    Dabei behält sie eine harte Haltung gegen Einwanderer und den Islam bei, sie tritt für eine Abschottung Frankreichs, den Ausstieg aus dem Euro und die Wiedereinführung der Todesstrafe ein. Gewandelt hat sich weniger der Inhalt des Programms als die Präsentation: Die Träger von Nazi-Symbolen verbannt sie ebenso aus der Partei wie Mitglieder, die sich offen rassistisch oder homophob äußern. Der Präsident des jüdischen Dachverbandes Crif, Roger Cukierman, bescheinigte ihr sogar, „untadelig“ zu sein.

    Vor allem profitiert Le Pen vom allgemeinen Verdruss der Franzosen über ihre Politiker der etablierten Parteien. Erfolgreich wettert sie über „die Elite da oben“ und stilisiert sich als einzige wahre Vertreterin des Volkes.

    Dass ein Parteikader wegen Korruption im Visier der Justiz steht und in Brüssel wegen Betrugsverdachts gegen 22 Abgeordnete des Front National ermittelt wird, scheint ihre Anhänger nicht zu stören.

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