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    BERLIN

    Brücke ohne Wiederkehr?

    Regionalkonferenz der CDU in Bremen
    Armin Laschet könnte Friedrich Merz (links) und Annegret Kramp-Karrenbauer (rechts), einst Rivalen um den CDU-Vorsitz, in der Debatte um die Kanzlerkandidatur den Rang ablaufen. Foto: ArchivCarmen Jaspersen, dpa

    Friedrich Merz bringt die Lage auf den Punkt. Es sei nicht alles durcheinander, aber „trotzdem dürfen wir uns nicht täuschen: Wir sind in einer schwierigen Phase“, sagt der CDU-Politiker am Rande der Deutsch-Amerikanischen Konferenz in Berlin. Merz meint zwar gar nicht den Zustand seiner Partei – als Vorsitzender der Atlantik-Brücke spricht er zum deutsch-amerikanischen Verhältnis. Er hätte für das Chaos bei den Christdemokraten und in der Großen Koalition aber kaum bessere Worte finden können.

    Es kommt irgendwie alles zusammen in diesen hektischen Tagen im politischen Berlin, und am Mittwoch trifft es die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, die Gastrednerin bei der Deutsch-Amerikanischen-Konferenz ist und dort ihrem Herausforderer Friedrich Merz begegnet. Wobei es „ehemaliger Herausforderer“ vielleicht besser beschreibt. Merz jedenfalls reagiert bei einem Pressetermin auf bohrende Nachfragen eines Journalisten völlig cool und gibt keine Bewertung zu AKK. zur K-Frage in der Union und zu allen anderen Themen ab, die in der Berliner Blase gerade hektisch ventiliert werden. Stattdessen begrüßt Merz die „liebe Annegret“ und überlässt ihr ohne Schnickschnack die Bühne.

    Armin Laschet ist der Taktgeber

    Es ist an WDR-Intendant Tom Buhrow, den innenpolitischen Zusammenhang herzustellen. Es fühle sich „etwas komisch an“, meint Buhrow bei seiner Einführung in den Vortrag von AKK: Er komme heute aus dem Land von Armin Laschet, die Eröffnungsrede habe Friedrich Merz gehalten, und nun treffe er auf Kramp-Karrenbauer. Komisch im Sinne von witzig war das nicht, allerdings brachte Buhrow mit Armin Laschet geschickt den Mann ins Spiel, der Friedrich Merz als Taktgeber innerhalb der CDU gerade abgelöst hat.

    Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Vize Laschet hat sich an die Spitze derer gesetzt, denen allein schon bei der Erwähnung des Konrad-Adenauer-Hauses vor Zorn förmlich Dampf aus der Nase entweicht – von der Erwähnung des Spitzenpersonals in der CDU-Zentrale mal ganz zu schweigen. Laschet feiert in diesem Jahr Rubinhochzeit mit der deutschen Politik: Er ist seit 1979 CDU-Mitglied, und er kennt den Politikbetrieb wie nicht mehr viele christdemokratische Spitzenfunktionäre. Laschet ist freundlich und zuvorkommend, nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Düsseldorfer Staatskanzlei schwärmen von ihrem Chef. Der 58-Jährige macht sich gerade aber auch ziemliche Sorgen um seine Partei, und da kann er dann unerbittlich werden.

    Im Moment bekommt Kramp-Karrenbauer den Druck ab. Ein Beispiel: „Vor der nächsten Bundestagswahl werden sich CDU und CSU auf einen Kanzlerkandidaten einigen“, sagte Laschet der Funke Mediengruppe. Kramp-Karrenbauer habe vorgeschlagen, dass die CDU sich dieser Frage auf einem Parteitag Ende 2020 widmen solle. „Wir sollten also die Fragen klären, wenn sie anstehen, und nicht vorher“, erklärte Laschet, der sich gleichzeitig aber nicht explizit für AKK als nächste Kanzlerkandidatin aussprach, wie es zuvor unter anderem Unionsfraktionsvize Ralph Brinkhaus (CDU) getan hatte. Er werbe dafür, die Personaldebatte zu beenden, sagte Laschet, wohl wissend, dass er an dieser Debatte nicht ganz unschuldig ist. Schließlich war es der Alemannia-Aachen-Fan Laschet, der mit Äußerungen über ein vorzeitiges Ende der Großen Koalition in Berlin seiner Parteivorsitzenden erst kürzlich in die Parade grätschte.

    Merkel steht AKK nicht bei

    Kramp-Karrenbauer wirkt da wie eine Getriebene. Die Kritiker lassen ihr kaum Luft zum Atmen. Ständig wird sie mit der Personalie Merz konfrontiert, sie soll das Konrad-Adenauer-Haus umbauen, nebenbei noch ein neues CDU-Grundsatzprogramm schreiben, einen neuen Bundesgeschäftsführer bestellen, eine Medienstrategie entwerfen und vor allem soll sie die Große Koalition retten, wobei das zu großen Teilen ein Job von Kanzlerin Angela Merkel wäre. Die ehemalige Parteivorsitzende steht aber weder in der Kritik, noch steht sie ihrer Nachfolgerin wirksam bei.

    Kramp-Karrenbauer versucht, das Beste aus der Situation zu machen, wirkt dabei aber der ewigen internen Debatten ein wenig überdrüssig. Bei der Deutsch-Amerikanischen Konferenz arbeitet sie sich am transatlantischen Verhältnis und an Donald Trump ab, wirkt dabei aber sehr routiniert. Ihre Rede vor Transatlantikern aus Deutschland und den USA ist nicht schlecht, lässt Höhepunkte aber vermissen und bekommt kaum mehr als höflichen Beifall. Im Saal werden sofort Vergleiche zu Angela Merkel gezogen, was wiederum unfair ist, schließlich kann die Kanzlerin aus einem ganz anderen politischen Reservoir schöpfen.

    Kurz nach ihrem Auftritt setzt sich Kramp-Karrenbauer in ihren Dienstwagen und fährt davon. Die Limousine hat ein Saarbrücker Kennzeichen. Es wirkt so ein bisschen, als ob die CDU-Vorsitzende wieder nach Hause fährt.

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