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    BERLIN

    Der Kampf um den CDU-Vorsitz ist eröffnet

    Friedrich Merz war nicht amüsiert. Er war sogar ziemlich verärgert über das, was ihm Armin Laschet und Jens Spahn da gerade kalt lächelnd verpasst hatten: Einen symbolischen Kinnhaken, gut platziert auf ihren Herausforderer, der Merz seit Dienstag ist. Sowohl der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Laschet als auch der ehemalige Unionsfraktionsvorsitzende Merz bewerben sich für den Bundesparteitag am 25. April in Berlin offiziell um den Posten des Vorsitzenden der CDU und damit um die Nachfolge der gescheiterten Annegret Kramp-Karrenbauer.

    Gesundheitsminister Spahn tritt nicht an. Er verzichtet zugunsten von Laschet, bildet mit ihm zusammen ein Team und hofft auf einen der fünf Stellvertreterposten im Parteivorstand. Wer Kanzlerkandidat der CDU wird, ist dabei noch völlig offen. Von einem gelungenen Coup sprachen die politischen Beobachter angesichts dessen, was Laschet und Spahn vorlegten. Am Montagabend noch war lediglich bekannt, dass Merz in der Bundespressekonferenz, dem Verein der Hauptstadtjournalisten, auftreten und seine Kandidatur offiziell verkünden würde.

    Von Laschet und Spahn war da noch gar nicht die Rede, die beiden hielten auch ihre Absicht bis zuletzt geheim, als Tandem anzutreten. Erst am frühen Dienstagmorgen wurde die Einladung für ihre Pressekonferenz verschickt. Beide traten anderthalb Stunden vor Merz auf, der war damit plötzlich in der Defensive.

    Eine Rolle, die dem ehrgeizigen Ex-Aufsichtsrat des Finanzmaklers Blackrock offenbar nicht behagte. „Im richtigen Leben würde man vielleicht von einer Kartellbildung zur Schwächung des Wettbewerbs sprechen“, kommentierte er angesäuert die Nachricht vom Team Laschet-Spahn und wirkte überhaupt in Sprache und Körperhaltung um einiges aggressiver als die beiden.

    Die Mitglieder der CDU hätten ab sofort die Wahl „zwischen Kontinuität oder Aufbruch und Erneuerung. Ich stehe für Aufbruch und Erneuerung“, versuchte Merz (64) etwa, seinen Herausforderern Laschet (59) und Spahn (39) das Etikett der rückwärtsgewandten Polit-Opas aufzukleben. In den Stunden zuvor war der Versuch einer Teamlösung mit allen drei Politikern aus dem CDU-Landesverband Nordrhein-Westfalen gescheitert.

    Laschet hatte versucht, Merz ins Boot zu holen. Der hätte wohl auch mitgemacht und auf die Kandidatur für den Vorsitz verzichtet, wenn er stattdessen Vize hätte werden können, verlautete aus Parteikreisen. Dafür wiederum hatte Spahn aber schon den Finger gehoben. Merz seien Posten als Finanz- und Wirtschaftsminister in einem künftigen Kabinett angeboten worden, hieß es aus Kreisen auch.

    Der schon einmal gescheiterte Kandidat habe am Ende aber nicht auf Luftbuchungen vertrauen wollen. „Ich bedauere, dass nicht alle Kandidaten sich diesem Teamgedanken anschließen konnten“, sagte Laschet, der deutlich machte, dass es Streit um den künftigen Kurs der Partei gab. Merz und er hätten „unterschiedliche Argumente“ gehabt, erklärte der Ministerpräsident. Merz‘ Ziel sei die Halbierung der AfD, das sei auch ein wünschenswertes Ziel. In seinem Bundesland sei es der CDU aber ohnehin gelungen, die AfD flach zu halten. Außerdem finde der Wettbewerb um Wählerstimmen „auch in die Mitte hinein statt".

    Merz ließ kaum Zweifel daran, dass er sich bis zum Parteitag Ende April im Angriffsmodus befindet. „Ich spiele hier auf Sieg und nicht auf Platz“, wischte er Fragen nach seiner politischen Zukunft beiseite, sollte er wie schon beim Hamburger Parteitag im Dezember 2018 erneut die Abstimmung verlieren. Merz deutete an, dass er sich Laschet nicht unterwerfen wollte.

    Ein Team sei gut, es müsse aber geführt werden, betonte er. Einig waren sich die Kontrahenten in der Bewertung der Rolle von Kanzlerin Angela Merkel. An deren Stuhl soll nicht gesägt werden, eine vorzeitige Kabinettsumbildung streben beide Kandidaten nicht an. Laschet betonte, er wolle sein Amt als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen behalten, wo im Frühjahr 2022 die nächsten Landtagswahlen anstehen.

    Beide ließen auch offen, ob sie zur nächsten Bundestagswahl als Kanzlerkandidaten antreten. Nachfragen zum Zeitplan beantworteten sie nicht, machten nur deutlich, dass die K-Frage vom neuen CDU-Vorsitzenden im Einvernehmen mit dem Vorsitzenden der CSU zu klären ist. Wobei mindestens Laschet wegen seiner Kandidatur für den Vorsitz am Vorabend bereits mit Markus Söder gesprochen hatte – und nicht mit Merkel, wie er einräumte.

    Die Kandidaten werden nun die nächsten acht Wochen bis zum Parteitag nutzen, um möglichst viele Stimmen der 1001 Delegierten hinter sich zu versammeln. Es bleibt abzuwarten, wie ihre Argumente verfangen – und welche Rolle der vierte offizielle Kandidat spielen wird: Norbert Röttgen, den Laschet und Merz bei der Bekanntgabe ihrer Kandidatur geflissentlich ignorierten.

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