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    Frostiges Weihnachten im Vatikan

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    Kardinal Oscar Maradiaga Foto: afp

    Der Haussegen hängt schief im Vatikan, so viel steht kurz vor Weihnachten fest. Grund ist die neuerliche Gardinenpredigt, die Papst Franziskus den Kardinälen, Bischöfen und Prälaten der römischen Kurie drei Tage vor dem hohen Fest im Apostolischen Palast am Donnerstag gehalten hat.

    Ganz einig sind sich die Betroffenen gleichwohl nicht bei der Interpretation, an wen sich der Papst exakt wendete, als er von „Verschwörungen“, „kleinen Zirkeln“, „Ambitionen und Eitelkeiten“ sprach und Teile des Kurienlebens als „Krebsgeschwür“ brandmarkte. Beobachter stellten fest, dass der anschließende Handschlag des Papstes mit dem im Juli als Präfekt der Glaubenskongregation entlassenen deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller in der prächtigen Sala Clementina besonders unterkühlt ausfiel. Der ehemalige Bischof von Regensburg hatte nach seiner Entfernung aus dem Amt kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um den Regierungsstil von Franziskus zu kritisieren.

    Andere hingegen waren sich sicher, Franziskus habe eher auf die Miseren im vatikanischen Finanzsektor angespielt. Dort war im Juni der Rechnungsprüfer Libero Milone, der eine Schlüsselposition bei den Finanzreformen im Vatikan innehatte, unter mysteriösen Umständen aus dem Amt geschieden, es folgten schwere gegenseitige Vorwürfe.

    Unangenehm für Franziskus sind auch die Vorwürfe gegen einen seiner engsten Mitarbeiter, Kardinal Oscar Maradiaga, den Koordinator des neunköpfigen Kardinalsrats. Die italienische Zeitschrift „L'Espresso“ berichtete, einer Vatikan-Untersuchung zufolge habe der Erzbischof von Tegucigalpa von einer katholischen Universität in Honduras ein Monatsgehalt von 35 000 Euro bekommen und 1,2 Millionen Dollar in der Londoner City investiert. Teile des Investments seien verloren gegangen.

    Maradiaga wird schweres Missmanagement vorgeworfen. Sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre Maradiagas Ruf als Vorkämpfer einer „armen Kirche für die Armen“ schwer beschädigt. Franziskus ist laut L'Espresso über den Vorgang informiert und sei „traurig“.

    Ob die Weihnachtstage im Vatikan für ein wenig Erholung genutzt werden können, steht deshalb dahin. Jorge Bergoglio geht normalerweise früh zu Bett im Vatikan-Gästehaus Santa Marta. An Heiligabend hält er jedoch ab 21.30 Uhr die Christmette im Petersdom. Als Erzbischof von Buenos Aires lud Bergoglio zu diesem Anlass gerne Freunde aus der jüdischen Gemeinde ein, mit denen er anschließend auch speiste.

    Wie das Menü in Santa Marta ausfällt, ist nicht bekannt. Es ist jedenfalls davon auszugehen, dass der Süßspeisenliebhaber Franziskus zum Nachtisch Panettone und Nugatschokolade, den sogenannten Torrone, schnabulieren wird.

    Am Weihnachtstag wird der Papst den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ spenden und dabei auf den Christbaum sowie die Krippe auf dem Petersplatz blicken. Seismographen des vatikanischen Innenlebens ist nicht entgangen, dass die Krippenfiguren aus der Abtei Montevergine in der Nähe von Neapel stammen. Die dortige Madonna wird von homosexuellen und transsexuellen Gläubigen besonders verehrt.

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