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    Berlin

    Höcke und sein Flügel werden in der AfD immer mächtiger

     Björn Höcke (AfD), Landesvorsitzender Thüringen Foto: Jörg Carstensen, dpa

    Immer stärker drückt der rechtsnationale „Flügel“ der AfD ihren Stempel auf. Wie mächtig die vom Verfassungsschutz wegen extremistischer Tendenzen beobachtete völkische Plattform um den Thüringer Björn Höcke geworden ist, zeigte sich am Wochenende. Beim Auftakt der AfD-Kampagne für die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg Anfang September blieben die Landeschefs Jörg Urban und Andreas Kalbitz nur Randfiguren. Umjubelter Star war Höcke. In dessen Heimat Thüringen erst zwei Monate später gewählt wird. Selbst seine Kritiker in der rechtspopulistischen Partei müssen einräumen, dass die Hoffnung auf einen AfD-Erfolg bei den drei Landtagswahlen vor allem auf Höcke ruhen. So dürften auch die jüngsten Angriffe an ihm abprallen.

    Gerade bei der AfD im Westen war der Zorn auf Höcke zuletzt auf neue Höhen geklettert. Beim „Kyffhäusertreffen“ des Flügels in der Vorwoche hatte dieser von seinen Deutschlandfahnen schwingenden Anhängern zu pathetischer Musik feiern lassen. Um dann ein Kriegserklärung an die Spitze der Bundespartei zu richten. Nach den drei Landtagswahlen im Osten werde er dafür sorgen, „dass der Bundesvorstand in dieser Zusammensetzung nicht wiedergewählt wird, kündigte er an. Gut hundert Funktionäre kritisierten anschließend in einer gemeinsamen Erklärung die Inszenierung um Höcke und riefen dazu auf, rechtsextreme Kräfte einzubremsen.

    Machtfrage gestellt

    Der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen dem Flügel und denjenigen in der AfD, die sich als Bürgerliche, flammte heftig wieder auf. Doch wie sich nun zeigt, bleibt es für Höcke offenbar folgenlos, dass er die Machtfrage gestellt und offen jene herausgefordert hat, die seinen Rauswurf einst verhindert haben. Vor den Landtagswahlen im Osten scheint sich Höcke so stark zu fühlen, dass er keinen innerparteilichen Gegner mehr fürchten muss. Dem Anti-Höcke-Appell fehlt es an wirklich prominenten Unterzeichnern und noch dazu an inhaltlicher Kraft.

    Höcke wird hauptsächlich für innerparteiliche Störmanöver kritisiert, nicht etwa für sein rechtsradikalen Ausfälle. Und kaum war der „Aufruf der 100“ veröffentlicht, distanzierten sich schon die ersten Unterzeichner. Von den Partei-Oberen droht dem Rechtsaußen ohnehin keine Gefahr mehr. Fraktionschefin Alice Weidel scheint sich mit dem Mann, den sie einst aus der Partei werfen lassen wollte, längst arrangiert zu haben. Parteichef Ulrich Meuthen kritisierte zwar den „Personenkult“ um Höcke, tritt aber mit ihm im Wahlkampf auf und mahnt die Partei zur Geschlossenheit. Co-Vorsitzender Alexander Gauland kann nicht einmal mehr den Anschein erwecken, er habe den Thüringer im Griff.

    Die Mahnung des Bundesvorsitzenden an den Flügel, offen zur Schau gestellter Rechtsextremismus könne die AfD bürgerliche Stimmen kosten, stieß beim „Kyffhäusertreffen“ des Flügels, auf taube Ohren. Damit führte Höcke den Mann, der seine Entgleisungen so oft verteidigt hatte, regelrecht vor. Während in den westlichen Landesverbänden der Kampf zwischen Rechtsauslegern und Bürgerlichen offen tobt, ist er im Osten längst entschieden.

    Populistische Stimme

    Höcke zementiert seine Rolle als populistische Stimme der neuen Länder. Der Mann, der das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnete, stößt die Partei immer weiter nach rechts. Schon prüft der Verfassungsschutz nach Medienberichten, neben dem Flügel selbst auch Landesverbände zu beobachten, in denen die Höcke-Plattform eine dominierende Rolle spielt. Den gemäßigteren Kräften fehlt Willen und Kraft, sich gegen den zunehmenden Einfluss Höckes zu wehren. Erst recht, wenn die AfD bei den Urnengängen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen so stark abschneidet, wie es die Umfragen erwarten lassen.

    So nimmt der Höcke-Gehalt der AfD immer weiter zu. Für die bürgerlicheren Kräfte in der Partei, enttäuschte Unionswähler, Euroskeptiker und Wertkonservative, rächt sich jetzt bitter, dass sie die vermeintliche Minderheit an ihrem rechten Rand zu lange gewähren ließ. Jetzt droht ihnen, dass die Rechtsextremen die AfD bald nicht mehr nur im Osten dominieren.

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