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    TEHERAN

    Katastrophe von Teheran und der Kampf um die Wahrheit

    Nach dem Flugzeugabsturz im Iran - Kanada
    Justin Trudeau, Premierminister von Kanada, nimmt an einer Mahnwache für die Opfer des abgestürzten ukrainischen Flugzeugs teil. Foto: Adrian Wyld, dpa

    Die Angehörigen im Iran, in Kanada und in der Ukraine stehen unter Schock. In Kiew, Ottawa und Toronto trauerten hunderte Menschen gemeinsam und zündeten Kerzen für die 176 Opfer an. Teherans Verantwortliche dagegen mauern. Sie wiesen sofort alle Schuld an der Katastrophe von sich, sprachen von einer westlichen Verschwörung und von „psychologischer Kriegsführung des Pentagon“. Es sei definitiv ausgeschlossen, erklärte der Chef der iranischen Luftfahrtbehörde, Ali Abedzadeh, dass die Boeing 737-800 der „Ukraine International Airlines“ kurz nach dem Start in Teheran abgeschossen wurde.

    Westliche Militärs und Geheimdienste dagegen gehen nach der Auswertung von Satellitenaufnahmen und abgehörtem Funkverkehr „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ davon aus, dass zwei Raketen die Maschine trafen. Auf einem Handyvideo, was das 2016 gebaute Flugzeug mit der Kennung PS 752 zeigen soll, ist Sekunden vor dem Absturz ein kurzer Feuerschein am Nachthimmel zu sehen. In den Sozialen Medien kursieren Fotos vom Unglücksort mit Resten einer russischen SA-15-Rakete, wie sie der Iran seit 2006 besitzt und regelmäßig bei seinen Militärparaden vorführt.

    Internationales Misstrauen

    Auch wenn das tödliche Fiasko am Imam-Khomeini-Flughafen wahrscheinlich nicht mit Absicht passiert ist, für den Iran könnte sich daraus die nächste heikle außenpolitische Konfrontation entwickeln. Alles wird davon abhängen, ob die iranische Führung eine transparente internationale Untersuchung des Absturzes zulässt oder ob sie versucht, die Abläufe zu manipulieren. Flugschreiber und Stimmenrekorder seien geborgen worden, aber beschädigt, hieß es in Teheran. Man werde zunächst alleine die aufgezeichneten Daten und Cockpitgespräche extrahieren und auswerten, was ein bis zwei Monate dauern könne, kündigte die nationale Luftverkehrsbehörde an.

    Entsprechend groß ist das internationale Misstrauen. Nichts dürfe unter den Teppich gekehrt werden, schrieb der deutsche Außenminister Heiko Maas auf Twitter. Die Europäische Union verlangte von Teheran eine „unabhängige und glaubwürdig“ Untersuchung nach den Regeln der „Internationalen Zivilluftfahrt Organisation“ (ICAO).

    Ausländische Ermittler beteiligen

    Doch dabei steckt der Teufel im Detail. Im Prinzip ist der Iran federführend, weil das Unglück auf seinem Staatsgebiet passierte. Er muss Ermittler aus der Ukraine beteiligen, wo Flugzeug und Fluggesellschaft registriert sind. Und er muss Experten aus USA und Frankreich zulassen, weil dort die verunglückte Boeing sowie die Triebwerke gebaut wurden. Kanadische Emissäre haben ebenfalls das Recht, die Unfallstelle zu besuchen und in beschränktem Maße Einblick in die Akten zu nehmen, weil 63 der getöteten Passagiere Kanadier mit iranischer Abstammung waren. Wie kooperativ sich jedoch die iranische Seite im Laufe der Untersuchung verhalten wird, ist bis jetzt unklar.

    Aus Kiew und Ottawa trafen am Freitag erste Fachleute ein. Auch ein Vertreter der amerikanischen „Nationalen Behörde für Transportsicherheit“ (NTSB) soll eine Einreiseerlaubnis bekommen, ebenso wie Unfallspezialisten der renommierten französischen „Untersuchungsbehörde für Flugunfälle“ (BEA).

    Aus den Flugplänen gestrichen

    Der US-Botschafter in Kiew übergab unterdessen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj „wichtige Daten“. Die Raketenversion sei nicht ausgeschlossen, aber auch nicht bestätigt, schrieb der ukrainische Staatschef auf Facebook. „Unser Ziel ist, die eindeutige Wahrheit herauszufinden. Der Wert des menschlichen Lebens steht über allen politischen Motiven.“ Die ukrainische Seite hält nach wie vor auch den Zusammenstoß mit einer Drohne, einen Terroranschlag oder eine Triebwerksexplosion als Unfallursache für denkbar.

    Eine Reihe ausländischer Fluggesellschaften strich Teheran nach dem Unglück vorerst aus ihren Flugplänen. Sie wiesen ihre Piloten an, den Luftraum über Irak, Iran und der Golfregion zu meiden. Ein Airbus 320 der Austrian Airlines auf dem Weg nach Teheran erhielt am Freitag über Sofia die Anweisung, umzukehren und nach Wien zurückzukehren.

    In der Unglücksnacht hatten Revolutionäre Garden der Islamischen Republik als Vergeltung für die gezielte Tötung des Top-Generals Qassem Soleimani zwei Militärbasen im Irak, auf denen amerikanische Soldaten stationiert sind, mit ballistischen Raketen beschossen.

    Kritik von den Iranern selbst

    Aus Furcht vor einem amerikanischen Gegenschlag waren in Teheran alle Flugabwehrbatterien in höchster Alarmbereitschaft. Viele Iraner kritisierten in den Sozialen Medien, dass während dieser dramatischen Stunden der zivile Flugbetrieb auf dem Internationalen Imam Khomeini Flughafen ganz normal weiterging.

    ChristianMölling

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