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    Kommentar Die SPD sucht ihr Glück

    Wohlmeinende würden die derzeitige Lage bei der SPD mit dem Wort unübersichtlich beschreiben. Weniger Wohlmeinende könnten vom Chaos sprechen. Bei der Landtagswahl in Brandenburg hat die Volkspartei Federn lassen müssen, in Sachsen ist sie gar böse abgestürzt.

    In der Bundespolitik läuft es zwar eigentlich gar nicht so schlecht, die SPD ist aber nicht in der Lage, das ans Wahlvolk weiterzugeben. Es fehlen die starken Botschaften. Und sie fehlen vor allem, weil es der Partei an Führung fehlt. Dieser Missstand soll in den nächsten Wochen und Monaten behoben werden: Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands sucht einen neuen Vorsitzenden und eine neue Vorsitzende. Die Suche beginnt am heutigen Mittwoch um 18 Uhr in Saarbrücken und kann per Livestream verfolgt werden. Ob es am Ende dann aber besser läuft für die SPD ist mehr als fraglich.

    Mit der Doppelspitze tut die SPD es anderen Parteien nach

    Da ist zuerst die Frage, was eine Doppelspitze anders machen kann als ein einzelner Vorsitzender oder eine einzelne Vorsitzende. Die SPD will es offenbar Grünen, Linken oder auch der AfD gleichtun, die ebenfalls der Meinung sind, dass doppelt besser hält. Ein Gewinn ist bei diesen Parteien allerdings nicht erkennbar. Bleibt der Punkt, dass die von der SPD angestrebte Doppelspitze aus Mann und Frau ein Stück Gleichberechtigung symbolisiert. Das ist nachvollziehbar. Noch stärker wäre natürlich die erklärte Absicht, wieder und nur eine Frau an die Spitze zu wählen.

    Ganz viele Fragezeichen stehen hinter dem Auswahlverfahren. Acht Kandidatenpaare sind nach Parteiangaben vom Wahlvorstand zugelassen. Hinzu kommt Karl–Heinz Brunner von der SPD in Bayern, der solo antritt. Sie strapazieren in den nächsten sechs Wochen ihre Gesundheit und vor allem die Geduld der Parteimitglieder auf sage und schreibe 23 Regionalkonferenzen quer durch die Republik. Zum Vergleich: Als sich die CDU zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn und Friedrich Merz entscheiden musste, gingen dem Wahlparteitag acht Regionalkonferenzen voraus.

    Und wenn der Regionalkonferenzmarathon endlich vorbei ist, steht die neue SPD-Spitze immer noch nicht fest. Denn getreu dem Motto, warum einfach, wenn es auch kompliziert geht, stimmen die rund 440 000 SPD-Mitglieder in einem sogenannten Basisentscheid über ihren beziehungsweise ihre Favoriten ab. Das Ergebnis soll am 26. Oktober feststehen. Damit, man ahnt es schon, ist die Sache noch nicht erledigt.

    Durch den Kandidaten-Marathon wird die Lage kaum übersichtlicher

    Denn vom 19. bis 29. November wird nach SPD-Angaben über Platz eins und Platz zwei abgestimmt. Mit diesem Votum gehen die Sozialdemokraten in ihren Parteitag vom 6. bis 8. Dezember. Aus rechtlichen Gründen muss ein Parteitag über die neue Doppelspitze abstimmen, das kann nicht der Basis überlassen werden. Es wird zwar erwartet, dass sich die Delegierten an das Mitgliedervotum halten. Aber vom Grundsatz her sind sie völlig frei in ihrer Entscheidung.

    Der Parteitag hat dann das Zeug dazu, die Sache wirklich auf die Spitze zu treiben. Er soll nämlich auch darüber entscheiden, ob die SPD in der Großen Koalition bleibt oder die Regierung platzen lässt. Es kann damit zu der aberwitzigen Situation kommen, dass der Parteitag für den Verbleib in der Großen Koalition votiert und gleichzeitig neue Vorsitzende wählt, die dagegen sind. Oder umgekehrt. Aber wie auch immer: Der SPD fehlt nicht nur eine Führung. Es fehlt im Moment auch der Glaube, dass die Lage nach diesem Kandidaten-Marathon übersichtlicher ist. Das Chaos, so scheint es, wird weitergehen.

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