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    Kommentar: Dieser Papst hat es nicht eilig

    Papst Franziskus gilt als Mann der Überraschungen. Dieser Fama hat der Oberhirte der katholischen Kirche nun wieder alle Ehre gemacht. Der katholische Kosmos erwartete sich von seinem Schreiben zu Amazonien je nach Position die Lösung aller Probleme oder den drohenden Untergang der Kirche, jedenfalls aber die Öffnung des Priesteramts für verheiratete Männer und die Zulassung von Frauen für den ständigen Diakonat.

    Der Papst hat sie alle auf dem falschen Fuß erwischt. In seinem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben „Querida Amazonia“ (Geliebtes Amazonien) ist weder von einer Lockerung des Pflichtzölibats noch vom Frauendiakonat die Rede. Der Papst entzog sich der Debatte.

    Nimmt man das Ergebnis der Beratungen der Bischöfe bei der Amazonien-Synode zum Maßstab, ist das Papst-Schreiben gewiss ein Rückschritt. Angesichts des Priestermangels in dem weitläufigen Gebiet in Südamerika hatten die Bischöfe damals die Weihe sogenannter viri probati, also bewährter, verheirateter Familienväter vorgeschlagen und ganz konkret Weiheämter für Frauen gefordert.

    Amazonien hätte zum Präzedenzfall werden können

    Die Entwicklung war extrem umstritten, da Gegner der Reformen befürchteten, Amazonien könne als Präzedenzfall für andere Regionen benutzt werden und den Anfang vom Ende des Pflichtzölibats bedeuten. Franziskus hat diesen Bedenken nun Rechnung getragen, weil er offenbar die Zeit für derartige Veränderungen in der katholischen Tektonik doch noch nicht gekommen sah. Nicht nur die gesamte erzkonservative Riege in der katholischen Kirche, auch sein orthodoxer Vorgänger Benedikt XVI. hatte sich in einem umstrittenen Buchbeitrag für die kompromisslose Beibehaltung des Pflichtzölibats ausgesprochen. Gewiss hat Franziskus sein Urteil nicht an der Meinung des emeritierten Papstes orientiert. Aber die konzertierte Kampagne gegen die Reformbemühungen in Amazonien machte deutlich, welches Konfliktpotenzial in den vom Papst zu treffenden Entscheidungen schlummerte. Sogar von der Gefahr einer Kirchenspaltung war die Rede.

    Franziskus setzt Maßstäbe, aber manchmal zaudert er auch

    Im Hinblick auf die Empfehlungen der Bischöfe vom Oktober stellte Franziskus fest, der Text (mit den Vorschlägen zur Lockerung des Pflichtzölibats) besitze weiterhin Gültigkeit. Damit stehen nun zwei Dokumente nebeneinander, aber welches gilt? Der Papst-Text oder die Vorschläge der Bischöfe?

    Dieses Vorgehen hat bei Franziskus Methode. Der Papst schiebt an, lockt hervor, setzt selbst oft Maßstäbe, aber manchmal zaudert er eben auch. Die auf Zölibat und Diakonat zugespitzte Diskussion ist nun entschleunigt, aber längst nicht beendet. Die Reformer in Deutschland um den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, haben es nun dennoch schwer.

    Zwar fordert Franziskus in seinem Schreiben etwa die Entwicklung einer neuen Laien-Kultur, aber das ist zu wenig für die Verfechter des Synodalen Weges. Kardinal Marx und die Seinen kommen sich nun vor wie Neu-Schwimmer, denen der Schwimmlehrer gesagt hat: „Kommt, lasst uns weit ins Meer hinaus schwimmen!“ Dann drehte der Lehrer auf halbem Weg um.

    Dennoch ist die Nicht-Entscheidung des Papstes aus innerkirchlicher Sicht das Richtige. Franziskus, der trotz dieses Rückziehers ein Reformer bleibt, hat immer gesagt, es gehe darum, Prozesse einzuleiten und nicht Entscheidungen mit aller Gewalt durchzusetzen. Der Prozess geht weiter. Die katholische Kirche, die weit mehr als die Teilkirche in Deutschland umfasst, ist in seinen Augen immer noch nicht reif für große Veränderungen.

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