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    Kommentar: Poggenburg kann der AfD gefährlich werden

    Nun also auch André Poggenburg. Der Scharfmacher vom äußersten rechten Rand der AfD, der 2016 die Rechtspopulisten in Sachsen-Anhalt mit dem Rekordergebnis von 24,3 Prozent in den Magdeburger Landtag geführt hat, verlässt nach heftigen Auseinandersetzungen über den Kurs und die weitere Ausrichtung die AfD und kündigt eine Neugründung an.

    Damit ist der Höcke-Vertraute in bester Gesellschaft, er ist weder der Erste, noch wird er der Letzte sein, der in diesem „gärigen Haufen“, wie Partei- und Fraktionschef Alexander Gauland die eigene Truppe bezeichnet, aus welchen Gründen auch immer scheitert, sich beleidigt vom Acker macht und mit einer Neugründung von den alten Kameraden absetzt. So hat es schon Parteigründer Bernd Lucke gemacht, dessen „Liberal-Konservative Reformer“ (LKR) allerdings unter der Wahrnehmungsschwelle dahindümpeln, ebenso seine Nachfolgerin Frauke Petry, die mit ihrem Mann, dem ebenfalls aus der AfD ausgetretenen Marcus Pretzell, die „Blaue Partei“ gegründet hat, im politischen Diskurs aber trotz Doppelmandats im Bundestag und im sächsischen Landtag keine Rolle mehr spielt. Nun spaltet sich das rechte Lager mit Poggenburgs „Aufbruch deutscher Patrioten“ (AdP) weiter auf.

    Einen entscheidenden Unterschied gibt es allerdings: Lucke wie Petry wurden von der eigenen Partei abgeschossen, weil sie den Scharfmachern zu moderat, zu angepasst ans politische System und zu liberal waren, Poggenburg geht, weil ihm die AfD aus Angst, vom Verfassungsschutz überwacht zu werden, zu moderat, zu angepasst und zu liberal ist. Er sagt Gauland, Meuthen und Co. mit einer Partei, die noch rechter und noch radikaler als das Original sein will, den Kampf an. Vor einer Nähe zu nationalsozialistischen Gedankengut in der Wortwahl wie in den Gesten scheut Poggenburg dabei nicht zurück, wie das Symbol seiner Gruppierung, die blaue Kornblume, beweist – sie war das Erkennungszeichen österreichischer Nationalsozialsten in den 30er Jahren.

    Damit aber könnte Poggenburg mit seinen Mitstreitern der AfD gefährlich werden. Denn gerade in den ostdeutschen Ländern könnte der Vorwurf, die AfD passe sich ans politische System an, habe die originären Ziele aufgegeben und verrate die nationale Sache, auf einen fruchtbaren Boden fallen. In Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern war einst in die NPD stark, in Brandenburg und Sachsen-Anhalt die DVU. Das Potenzial für eine Rechtsaußen-Partei ist vorhanden, Poggenburg hat diese Klientel schon immer mit seinen markigen Worten erreicht. Alle Augen richten sich damit auf Björn Höcke, den starken Mann des rechten Flügels. Was macht er? Bleibt er – oder schließt er sich Poggenburg an? Dann hätten Gauland und Meuthen ein echtes Problem. Und die Karten würden neun Monate vor den Wahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg völlig neu gemischt.

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