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    Rom

    Mussolini will ins EU-Parlament

    Manche Leute haben einen gewichtigen Namen, ganz wenige Menschen bringen es gar auf zwei. Caio Giulio Cesare Mussolini ist der Urenkel des vor 74 Jahren in Norditalien erschossenen italienischen Diktators Benito Mussolini. Seine Eltern gaben ihm den Vornamen des berühmt-berüchtigten römischen Feldherren Gaius Julius Caesar. Mit diesem Gepäck will sich der 50-Jährige nun in die gegenwärtige Politik stürzen. Mussolini Junior kündigte vor Tagen an, für die rechtsnationale Kleinpartei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) in das EU-Parlament einziehen zu wollen. Fratelli d'Italia ist eine Nachfolgepartei der italienischen Neofaschisten.

    Die Vorstellung seiner Kandidatur erregte in Italien bereits Aufsehen. Parteichefin Giorgia Meloni, eine energische Römerin und ehemalige Ministerin in der Berlusconi-Regierung, präsentierte den Kandidaten im römischen Stadtviertel EUR, das für die letztlich ausgefallene Weltausstellung 1942 errichtet werden sollte und heute ein lebendiges Denkmal faschistischer Architektur ist. Vor dem bekanntesten Bauwerk, dem Palazzo der italienischen Zivilisation, das unter dem Dachsims von einem Italien verherrlichenden Zitat des Urgroßvaters geziert wird, machte Mussolini seine Kandidatur bekannt. Meloni stellte den Neupolitiker als „Profi, Soldat und Patrioten“ vor.

    "CGC" behaupt von sich, kein Faschist zu sein

    Der in Argentinien geborene Urenkel des „Duce“ diente 15 Jahre als Offizier bei der italienischen Marine und war zuletzt in der Rüstungsbranche für den italienischen Rüstungskonzern Fincantieri in Abu Dhabi tätig. Er habe sich Kompetenzen angeeignet, die er nun in den Dienst seines Landes stellen wolle, sagt Mussolini. Wichtig sei für ihn die Rückgewinnung der „Souveränität sowie die Verteidigung der Familie“. Ende März hatte Mussolini die Parteichefin bereits zu einem umstrittenen Familienkongress in Verona begleitet. Meloni schimpfte damals auf die „Finanzspekulation“ und sagte unter stürmischem Applaus der Teilnehmer: „Wir werden Gott, das Vaterland und die Familie verteidigen.“

    In dieselbe Kerbe dürfte auch Caio Giulio Cesare Mussolini kurz „CGC“ schlagen. Freilich sei sein Nachname nicht gerade leicht zu tragen. Bei der historischen Bewertung hält sich der Urenkel an eine Diktion, wie sie in Italien immer populärer wird. Der Diktator Mussolini habe „viele positive Dinge erreicht und ein paar Fehler gemacht“, zu den Fehlern rechnen Rechtspolitiker unter anderem die Rassengesetzte von 1938 und Italiens Kriegseintritt 1940.

    Die Enkelin des Diktators repräsentiert die Berlusconi-Partei

    Erst vor Tagen drückte sich der zur Berlusconi-Partei Forza Italia gehörende Präsident des EU-Parlaments Antonio Tajani dementsprechend aus. Mussolini Junior wagte im Interview mit der britischen Times einen Vergleich: „Dass Toni Blair den Krieg im Irak unterstützt hat, war kriminell. Aber deshalb wird er heute auch nicht jeden Tag angegriffen.“ Er selbst sei jedenfalls kein Faschist.

    Sollte seine Kandidatur für die EU-Wahl am 26. Mai erfolgreich sein, könnten fortan zwei Mussolinis im EU-Parlament sitzen. Seine Cousine Alessandra, Enkelin des Diktators, repräsentierte die Berlusconi-Partei in Straßburg, trat nach Differenzen aber aus der Partei aus. Auch ihre Schwester Rachele ist in der Politik, sie ist Stadträtin in Rom für eine nach Giorgia Meloni benannte Liste. Auch Caio Giulio Cesars vor sieben Jahren verstorbener Vater Guido hatte eine politische Vergangenheit, der Sohn des erstgeborenen Mussolini-Sohns kandidierte einst für eine rechtsradikale Partei als Bürgermeister in Rom. Seinem Großvater widmete er das Buch „Mussolini. Mann des Friedens.“

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