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    PARIS / MARSEILLE

    Rendez-vous am Mittelmeer

    Emmanuel Macron begrüßt Bundeskanzlerin Angela Merkel im Pharo-Palast in Marseille. Foto: Claude Paris, dpa

    Symbolträchtige Orte wählt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gerne aus für Treffen mit anderen Staats- und Regierungschefs. Bundeskanzlerin Angela Merkel empfing er am Freitag nicht wie meist üblich in Paris zu einer Arbeitssitzung, sondern in der kosmopolitischen Hafenmetropole Marseille, die als Tor zum Mittelmeer gilt.

    In wohl kaum einer anderen französischen Stadt ist die Einwanderung vor allem aus den früheren Kolonien Frankreichs stärker sicht- und spürbar. Das Thema Migration im europäischen Kontext war auch eines der wichtigsten, das Kanzlerin und Präsident im Pharo-Palast besprachen, der über einer Bucht thront. So bereiteten sie bereits den EU-Gipfel zur Flüchtlingsthematik vor, der am 20. September in Salzburg stattfindet. Wie üblich vor großen EU-Treffen suchten sie im Vorfeld eine Angleichung ihrer Positionen, um möglichst mit einer gemeinsamen Stimme sprechen zu können.

    „Deutschland und Frankreich arbeiten weiter zusammen, um die Zukunft vorzubereiten“, sagte Macron zum Auftakt der Begegnung. Diese diene dazu, die „gemeinsame Agenda“, die bei einem Treffen im Juni in Meseberg geschaffen wurde, weiter zu verfolgen und die „großen Herausforderungen unserer Zeit“ anzugehen. In der Tat befinde sich das Mittelmeer „im Herzen unserer europäischen Politik“ - und daraus wolle man „eine Chance, keine Angst machen“.

    Für geschlossene Sammelzentren

    Von der französischen Position ist bekannt, dass diese für geschlossene Sammelzentren für Flüchtlinge in Europa eintritt sowie für konsequente Zusammenarbeit mit Ländern Afrikas, um die Zahl der in Europa ankommenden Migranten zu verringern.

    Als weitere wichtige Themen nannte Macron den Fahrplan für den nahenden Brexit, eine gemeinsame Verteidigungs-, Außen- und Sicherheitspolitik sowie die Vertiefung der Eurozone, um die Währungsunion krisenfester zu machen.

    Kurzer Auftritt vor der Presse

    Merkel, die Macron bei ihrem kurzen Auftritt vor der Presse duzte, bestätigte, bei Fragen der Migration verfolgten Deutschland und Frankreich „dieselbe Art des Vorangehens“ und müsse sich Europa in dieser Frage beweisen. Ihr Hinweis, dass Europa auch davon abgesehen „eigenständig Probleme lösen können“, müsse, schloss an Macrons jüngst geäußerte Forderung an, in Sachen Verteidigung unabhängiger vom starken Nato-Partner USA zu werden und sich selbst mehr zu engagieren.

    Frankreichs Präsident bereitet sich bereits aktiv für die Europawahlen im Mai 2019 vor. Auf der Suche nach Allianzen traf er in den vergangenen Wochen die Regierungschefs von Spanien und Portugal, sowie in den letzten Tagen von Dänemark, Finnland, Luxemburg, Belgien und den Niederlanden.

    Nicht nur sucht er noch nach Verbündeten für seine Partei „La République en marche“ (LREM) die bislang noch keiner europäischen Parteienfamilie angehört. Auch stilisiert sich der französische Präsident zum Gegenspieler des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán sowie des italienischen Innenministers und Lega-Chefs Matteo Salvini: Er selbst, so Macron, stehe für eine „Achse der Fortschrittlichen“ gegenüber jenen der Populisten und Hardliner in Migrationsfragen.

    Klare Haltung der EVP gefordert

    Indirekt hatte er am Donnerstag auch auf eine Frage nach seiner Meinung zur Kandidatur des CSU-Politikers Manfred Weber für den Posten des EU-Kommissionspräsidenten geantwortet. Er forderte eine klare Haltung der EVP-Fraktion, der die CDU/CSU wie auch die Partei Orbáns angehört: „Man kann nicht gleichzeitig die Kanzlerin und den Orbán unterstützen“, so Macron. Merkel jedenfalls sei „völlig auf der Seite der Fortschrittlichen“. Also der seinen.

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