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    BERLIN

    SPD lässt Mitgliedern die Wahl

    SPD Vorstandssitzung
    Die kommissarische SPD-Dreierspitze: Malu Dreyer, Manuela Schwesig, Thorsten Schäfer-Gümbel (von links) Foto: dpa

    Am vielleicht heißesten Tag des Jahres liefern sich Vorstand und Präsidium der krisengeschüttelten SPD über Stunden hitzige Diskussionen. Schließlich geht es im Berliner Willy-Brandt-Haus darum, auf welchem Weg nach dem Rücktritt von Andrea Nahles die künftige Spitze der Partei bestimmt wird.

    Die kommissarischen Parteichefs Manuela Schwesig, Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel berichten schließlich am Montag vor der Presse, der Vorstand habe sich darauf geeinigt, dass der neue Parteivorsitz nach einer Mitgliederbefragung auf einem Parteitag im Dezember gewählt wird. Ausdrücklich seien sowohl Zweierteams, denen zwingend mindestens eine Frau angehören muss, wie auch Einzelkandidaten erwünscht. Das Modell der Doppelspitze, von den Grünen seit Jahren praktiziert, sei kein Allheilmittel, sagt Dreyer: „Aber die SPD braucht Kraft.“

    Am 1. September ist Bewerbungsschluss

    Bis zum 1. September könnten sich die Bewerber melden. In den Wochen darauf, fügt Thorsten Schäfer-Gümbel an, werde es bis zu 30 Regionalkonferenzen geben, bei denen sich die Kandidaten den Genossen in der ganzen Republik präsentieren können. Denn die 440 000 Parteimitglieder sollen anschließend die Wahl haben, sagt Manuela Schwesig. Sollte es im ersten Durchgang des Mitgliederentscheids keinen Sieger geben, komme es zur Stichwahl. Das Team oder der Einzelkandidat, das den Mitgliederentscheid gewinnt, werde dann vom Vorstand beim für den 6. bis 8. Dezember angesetzten Parteitag als Vorschlag zur Wahl empfohlen.

    Nachdem die Fragen nach dem „Wie“ und „Wann“ gelöst sind, fokussiert sich die Diskussion auf das „Wer“. Die drei Übergangsvorsitzenden – Dreyer, Schäfer-Gümbel und Schwesig – stehen nicht zur Verfügung. Abgewunken haben auch Arbeitsminister Hubertus Heil und Finanzminister Olaf Scholz. Franziska Giffey hat ihre Bereitschaft signalisiert, doch die beliebte Familienministerin steht im Zentrum einer schwebenden Plagiatsaffäre um ihre Doktorarbeit. Außenminister Heiko Maas ist im Gespräch und Noch-Justizministerin Katarina Barley, die aber als Spitzenkandidatin für die Europawahl auch Hauptverantwortliche für das schlechte SPD-Ergebnis ist.

    Ambitionen nachgesagt werden Generalsekretär Lars Klingbeil. Durch die Möglichkeit einer Doppelspitze sind nun auch Genossen im Gespräch, die als alleinige Vorsitzende kaum mehrheitsfähig wären. Allen voran Kevin Kühnert. Der Juso-Chef hält sich eine Kandidatur offen. Allerdings sind die Vorbehalte gegen den 29-Jährigen im konservativeren SPD-Lager extrem. Konsensfähiger wäre wohl Matthias Miersch, der Sprecher der „Parlamentarischen Linken“ in der SPD-Bundestagsfraktion. Er gilt noch dazu als profilierter Umweltpolitiker.

    Viele in der SPD fordern, die Suche nicht auf Figuren aus dem Berliner Politikbetrieb zu beschränken. Landes- und Kommunalpolitiker werden gehandelt.

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