• aktualisiert:

    Standpunkt: Nur kein Generalverdacht!

    Viele Politiker tun sich schwer damit, über den Zusammenhang von Migration und Kriminalität zu sprechen. Sie fürchten einen Rückgang des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der Akzeptanz der Aufnahme von Flüchtlingen. Über das heikle Thema zu schweigen, ist aber genau der falsche Weg. So können rechte Populisten ohne größeren Widerstand die Deutungshoheit für sich reklamieren. So, wie es jetzt nach den beiden schrecklichen Vorfällen auf Bahnsteigen, bei denen eine Mutter und ein achtjähriges Kind starben, wieder auf schäbige Weise geschieht.

    Wenn Bayerns Innenminister Joachim Herrmann vor diesem Hintergrund auf ein erhöhtes Gewaltrisiko bei Migranten hinweist, geht er auf Fragen ein, die sich viele Menschen stellen. Das ist gut und auch seine Aufgabe. Schlecht ist aber, dass sich Herrmann hart am Rande eines Generalverdachts gegen alle Flüchtlinge bewegt. Er unterstellt, dass Menschen aus Ländern, in denen Gewalt an der Tagesordnung ist, selbst stärker zur Gewalt neigen. Viele aber sind ja gerade vor der Gewalt in ihren Herkunftsregionen geflohen und sehnen sich nach nichts mehr als nach Frieden und Sicherheit.

    Pauschalisierungen verbieten sich. „Die Migranten“ als einheitliche Gruppe gibt es nicht. Zum Großteil sind die Zuwanderer der vergangenen Jahre junge Männer, dieser Teil der Bevölkerung neigt auch bei den Einheimischen besonders stark zu Straftaten. Hinzu kommt, dass bei vielen Flüchtlingen viele kriminalitätsfördernde Faktoren zusammenkommen. Sie haben besonders oft traumatische Erfahrungen gemacht, leben in problematischen Unterbringungsverhältnissen, verfügen über niedrige Bildung und schlechten Zugang zum Arbeitsmarkt, leiden unter Entwurzelung und dem Verlust familiärer Bindungen. Ja, und auch kulturelle Prägungen, etwa ein problematischer Ehrbegriff oder eine niedrigere Hemmschwelle, Konflikte mit Gewalt auszutragen, können eine Rolle spielen. Hier muss der Staat sehr genau hinsehen und konsequent gegensteuern. Verallgemeinerungen bringen nichts. Wohl aber Integrationsmaßnahmen und, wenn nötig, die ganze Härte des Gesetzes.

    Weitere Artikel

    Kommentare (3)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!