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    Woelki ist der jüngste Kardinal im Ältestenrat

    Die neuen deutschen Kardinäle: Rainer Maria Woelki (oben) und Karl Josef Becker (unten).
    Die neuen deutschen Kardinäle: Rainer Maria Woelki (oben) und Karl Josef Becker (unten). Foto: dpa

    Der päpstliche Anspruch an die Neuen ist hoch. „Den neuen Kardinälen ist der Dienst der Liebe aufgetragen: Liebe zu Gott, Liebe zu seiner Kirche, Liebe zu den Brüdern und Schwestern mit einer absoluten bedingungslosen Hingabe, nötigenfalls bis zum Blutvergießen“. So drückt es die Formel zu Überreichung des Biretts aus. So zeigt es die rote Farbe der Talare, die die Kardinäle tragen, an.

    Papst Benedikt XVI. setzte während des feierlichen Konsistoriums Samstag auch Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Berlin, das Birett, den roten Kardinalshut, auf. Damit erhob er den 55 Jahre alten Rheinländer zum jüngsten Kardinal der katholischen Weltkirche.

    Der Papst kürte neben Woelki noch den Deutschen Jesuiten Karl Josef Becker und 20 weitere Geistliche zu Kardinälen und nahm sie so in den „Senat“, den nun 213 Köpfe zählenden Ältestenrat der katholischen Kirche, auf.

    „Herausragende Diener der Kirche“ sollen die wichtigsten Berater des Papstes sein. Auch das sagte Benedikt XVI. Und deshalb bekam Woelki, kurz bevor er im Petersdom an der Reihe war, „feuchte Hände“, wie er hinterher auf dem Empfang der Deutschen Bischofskonferenz im Pontificio Collegio Teutonico noch etwas rotwangig erzählte.

    Schlaksig und hoch gewachsen ist er, der Benjamin unter den Purpurträgern. Herausragend ist auch seine Kirchenlaufbahn. Noch vor einem Jahr war er Weihbischof in Köln. Im vergangenen Sommer wurde der bis dahin eher unbekannte Ziehsohn des Kölner Kardinals Joachim Meisner dann überraschend Erzbischof von Berlin. Noch ein halbes Jahr später gehört er nun zu den neun deutschen Kardinälen und auch zu jenen, die den nächsten Papst wählen werden. Als Woelki nach Berlin kam, wo er auf Kardinal Georg Sterzinsky folgte, galt er wegen seiner Nähe zum konservativen Meisner, weil er an der päpstlichen Opus-Dei-Universität vom Heiligen Kreuz in Rom promoviert hatte und weil er eben bis dahin ein Unbekannter war, nicht unbedingt als beste Besetzung für Berlin.

    Aber Woelki, der in eine Dachwohnung in den Wedding zog, sich als erster Bischof dort mit Berliner Homosexuellen-Vertretern besprach, dabei den richtigen Ton traf und der seine Erhebung zum Kardinal auch mit Armen und Obdachlosen seines Kiezes feiern will, kam schnell in der Hauptstadt an. Deren homosexueller Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit kam selbstverständlich mit nach Rom, freute sich für Woelki und scherzte auf dem Empfang der Bischofskonferenz, dass „Berlin wieder rot geworden“ sei. Auch sein Förderer Joachim Kardinal Meisner habe sich für ihn gefreut, erzählte Woelki, und habe ihm im Petersdom gesagt: „Herzlich willkommen in diesem Club.“

    Den Anschein des Elitären will Woelki allerdings vermeiden. Am Wochenende sagte er immer wieder, er wolle in Zukunft vor allem bleiben, was er ist: „Erzbischof von Berlin – für die Berlinerinnen und Berliner.“ Wenn der Berliner Erzbischof jetzt Kardinal sei, dann sei das vor allem auch eine Auszeichnung für die Berlinerinnen und Berliner.

    Auch wegen seines arglosen, saloppen rheinischen Singsangs, mit dem er spricht, nimmt man Woelki solche Sätze ab. Zugleich ist er nicht ohne Ambitionen. Denn allein altersbedingt, so Woelki, stehe die katholische Kirche in Deutschland in den nächsten Jahren vor einem Umbruch.

    Neben dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, sieht er zwei demnächst besonders in der Verantwortung: „Der Münchner Kardinal Reinhard Marx und ich müssen versuchen, mit unserer Persönlichkeit der Bischofskonferenz und der Kirche in Deutschland ein Gesicht zu geben.“

    Papst Benedikt XVI. hat auch die Heiligsprechung von sieben Seligen angekündigt. Dazu gehören die Deutsch-Amerikanerin Maria Anna Cope und die bayerische Mystikerin Anna Schäffer aus dem Landkreis Eichstätt. Der Papst will sie am 21. Oktober in ihren neuen Stand erheben. Die deutsch-amerikanische Ordensfrau Cope (1838-1918) hatte ihr Leben den Leprakranken gewidmet und war von Benedikt im Jahr 2005 seliggesprochen worden. Die tief gläubige, 1999 seliggesprochene Schäffer (1882-1925) ertrug jahrzehntelang seelische und körperliche Leiden und soll Trägerin von Stigmata (Wundmale) gewesen sein.

    Mit Material von dpa

    Kardinäle

    In der katholischen Kirche sind nach dem Papst die Kardinäle die höchsten Würdenträger. Seit Jahrhunderten wählen sie die Päpste. Ihr purpurroter Mantel ist Zeichen dafür, dass sie zum Märtyrertod bereit sind. Auch die rote Schärpe, das rote Birett und die roten Strümpfe gehören zur „Dienstkleidung“.

    Seit dem 12. Jahrhundert besitzen die Kardinäle das alleinige Privileg, die Päpste zu wählen. Ihr Wahlrecht endet aber mit dem 80. Lebensjahr. Nur der Papst kann Kardinäle ernennen. Papst Benedikt XVI. hat in seiner Amtszeit bisher 62 Kardinäle ernannt. Insgesamt gibt es derzeit 213 Kardinäle, 125 sind unter 80 Jahre alt, könnten also einen neuen Papst mitwählen.

    Aus Deutschland kommen neun Kardinäle. Von ihnen sind sechs unter 80 Jahre alt:

    Joachim Meisner (78), Erzbischof von Köln und Metropolit der Kölner Kirchenprovinz.

    Reinhard Marx (58), Erzbischof von München und Freising.

    Karl Lehmann (75), Bischof von Mainz und bis 2008 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

    Rainer Maria Woelki (55), seit dem vergangenen Jahr Berliner Erzbischof. Walter Kasper (78) war Präsident des für die Ökumene zuständigen Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.

    Paul Josef Cordes (77) war Präsident des Päpstlichen Rates „Cor Unum“ für humanitäre Hilfsaktionen des Vatikans.

    Diese drei Kardinäle sind nicht mehr wahlberechtigt: Walter Brandmüller (83) war ranghöchster Kirchenhistoriker des Vatikans. Friedrich Wetter (83), emeritierter Erzbischof von München und Freising. Karl Josef Becker (83) war Berater der Glaubenskongregation des Vatikans. TEXT: dpa

    Von unserem Korrespondenten Stefan Küpper

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