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    BODRUM

    Vom Urlaubsparadies zur Betonwüste

    Beautiful Bodrum, Turkey
    Umweltschützer haben nicht viel Hoffnung: Die Küste auf der türkischen Halbinsel Bodrum sehen sie ruiniert. Foto: Igor Zhuravlov, stock.adobe.com

    Brücken, Tunnel, Staudämme, Flughäfen, Einkaufszentren: Die Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist bekannt für ihre Begeisterung für Beton. Fast zweieinhalb Milliarden Quadratmeter von dem Baustoff habe die AKP schon über die Türkei gegossen, rechnete die Oppositionspartei CHP kürzlich vor und sprach von einem „Beton-Regime“. Dem Bausektor als Wirtschaftsmotor wurden jahrelang keine Schranken gesetzt, die großen Baukonzerne hatten freie Hand.

    Dass sie den Bogen inzwischen überspannt haben könnten, deutete sich an, als Erdogan neulich am Himmel über der Ägäis auftauchte und seinen Hubschrauber um eine umstrittene Baustelle auf der Bodrum-Halbinsel kreisen ließ. Sein Umweltminister ließ den Bau tatsächlich stoppen, doch viel zu retten gibt es nicht mehr: Die einst traumhaft schöne Küste ist fast vollständig zubetoniert.

    Über 7000 Schwarzbauten

    Mehr als 7000 Schwarzbauten säumten die Küste, sagte Bauminister Murat Kurum an Bord eines Küstenwachschiffes, mit dem er jetzt die ruinierte Bodrum-Halbinsel besichtigte; davon mehr als 3200 alleine in der Provinz Mugla, zu der Bodrum gehört. Acht Bauprojekte für 600 Ferienhäuser und vier Hotels ließ Kurum bei seiner Rundfahrt stoppen, darunter das besonders umstrittene „Bo Viera“: ein Betonkoloss für 330 Ferienwohnungen und ein Hilton-Hotel, der als Rohbau bereits eine der letzten grünen Landzungen im Norden der Halbinsel verschandelt. Auf ein Ultimatum des Ministeriums hin begannen Arbeiter dort in dieser Woche mit dem Abriss ungenehmigter Bauteile. Dass die Halbinsel zu ihrer Naturschönheit zurückfinden kann, ist aber nicht zu erwarten – zu mächtig sind im Land die Wirtschaftsinteressen, die sie ausbeuten.

    Anwohner und Umweltschützer in Bodrum kämpfen seit Jahren gegen das „Bo Viera“ und setzten zeitweise sogar einen gerichtlichen Baustopp durch, der aber im Juni von einem anderen Gericht wieder aufgehoben wurde. Auch das Ministerium beanstandete jetzt nur bestimmte Bauteile, die im Bauplan nicht vorgesehen waren, etwa einen Betonschacht für einen Aufzug zum Strand. Die Anlage selbst steht nicht infrage, denn sie hat eine Baugenehmigung, ausgestellt von der Stadt Bodrum – und die wird von der CHP regiert.

    Die Küste aufgeschüttet

    Bauherr des „Bo Viera“ ist der Baulöwe Salih Bezci aus Ankara, der lange Vizechef der Handelskammer Ankara war. Genehmigt wurde sein Projekt vom damaligen Bodrumer Bürgermeister Mehmet Kocadon, ein ehemaliger Chef der Handelskammer Bodrum.

    Bezci werde seinen Profit realisieren können, sagte der Kolumnist Oray Egin im Nachrichtenportal Habertürk voraus, auch wenn die öffentliche Empörung jetzt groß sei. „In der Türkei kommt es nur darauf an, einen Bau durchzuziehen – nachträglich wird er stets legalisiert“, schrieb Egin mit Blick auf die Amnestien, mit denen Schwarzbauten vor Wahlen regelmäßig reingewaschen werden. Seit Jahren habe der Baulöwe ungehindert die Küste aufgeschüttet und Bäume gefällt, nun sei die Bettenburg fast fertig und die Landschaft schon ruiniert. Die öffentliche Empörung werde bald nachlassen und dann ganz verstummen, prophezeite Egin: „Ist das bisher nicht immer so gewesen?“

    Alle Erfahrungen geben Egin recht, wie auch ein Blick auf Luftbilder von Bodrum deutlich macht: Von einem grünen Paradies ist die Halbinsel in den vergangenen Jahren zur Betonwüste mutiert. „Vor zehn Jahren konnte man auf der Bodrum-Halbinsel noch überall im Meer schwimmen, doch jetzt gibt es keinen Strand mehr, der nicht besetzt ist“, klagt ein Anwohner. „Wo es Profit zu machen gibt, da wächst kein Gras mehr.“

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