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    Berlin

    Diese deutschen Reiseziele finden Netzwerker auf Instagram

    Selfie-Hotspot Brandenburger Tor
    Selfie-Hotspot in Berlin: Auf dem Pariser Platz lichten sich jeden Tag unzählige Touristen vor dem Brandenburger Tor ab. Foto: Robert Günther

    Die Zeiten von Postkarte aus Papier scheinen vorbei zu sein. Stattdessen werden Bilder von der Reise gleich in Echtzeit in sozialen Netzwerken geteilt. Die Botschaft: Schaut, wo ich gerade bin und wie toll es mir geht!

    Vor allem Instagram ist eine beliebte Plattform für die visuelle Inszenierung von Urlaubsglück. Reiseziele, Städte, Strände und Hotels werden zunehmend nach ihrer „Instagramability” ausgesucht werden, wie Julia Sonnemann von der Messe Berlin vor der Reisemesse ITB (6. bis 10. März) erklärt.

    Manche Orte werden besonders häufig für Instagram fotografiert, in Deutschland zum Beispiel das Brandenburger Tor oder das Schloss Neuschwanstein. Dort steht man sich aber ziemlich sicher mit anderen knipsenden Urlaubern auf den Füßen und produziert Fotos, die austauschbarer nicht sein könnten. Warum also nicht die Perspektive wechseln? Eine Übersicht viel fotografierter Orte und sehenswerter Geheimtipps als Alternative - auch für Instagram:

    - Kölner Dom: Unter #kölnerdom finden sich mehr als 320.000 Fotos auf Instagram. Beliebte Ausschnitte: Am rechten Rheinufer vor Hohenzollernbrücke und Dom posen, oder das mächtige Bauwerk mit den beiden mehr als 157 Meter hohen Türmen frontal von der Domplatte aus fotografieren. Tatsächlich lohnt ein Gang in die Kirche.

    Ein Blickfang, der allerdings nur bei Sonnenlicht seine volle Wirkung entfaltet, ist das mit bunten Quadraten gesäumte Fenster , das der Künstler Gerhard Richter entworfen hat. Es befindet sich im südlichen Querhaus des Doms, besteht aus mehr als 11.000 Quadraten und verteilt sich auf 106 Quadratmeter Fläche.

    Und wer am Haupteingang genau hinschaut, findet die Figur von Papst Franziskus. Der kleine Pontifex schaut seit Herbst 2018 auf die Besucher herab und hebt sich durch seine vergleichsweise weiße Farbe gut sichtbar von den anderen Statuen ab.

    - Reeperbahn: Von der Hamburger Vergnügungsmeile gibt es viele Aufnahmen auf Instagram, unter #reeperbahn knapp 250.000. Häufig gezeigt werden Partylocations und leicht bekleidete Menschen. Wer es weniger obszön und dafür hipper mag, zieht zum Feiern ins Schanzenviertel, ein guter Kilometer Fußmarsch nördlich. Am meisten los ist auf dem Schulterblatt, wo auch das bekannte autonome Zentrum Rote Flora liegt. Fotomotive bieten sich in der Schanze reichlich.

    - Sanssouci: Majestätisch erhebt sich das Schloss Sanssouci in Potsdam über malerischen Weinbergterrassen. Klar, dass genau dieses Motiv unter #sanssouci am häufigsten zu finden ist. Dabei bietet die Parkanlage noch viel mehr fotogene Orte. Rund um das Orangerieschloss zum Beispiel herrscht mit den Sizilianischen Garten und romantischen Wegen, Treppen und Brüstungen südländisches Flair, wie Elvira Kühn von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten erläutert.

    - Nürburgring: Die grüne Hölle ist legendär. So nannte Rennfahrer Jackie Stewart einst die knapp 21 Kilometer lange Nordschleife des Nürburgrings in der Eifel. Die Rennstrecke bietet viele Orte, um das rasante Treiben zu beobachten. Auf dem Hatzenbach, vom Parkplatz D10 erreichbar, blicken Besucher von einem Hügel auf eine Streckenpassage mit zwei aufeinander folgenden S-Kurven, wie Pressesprecher Alexander Gerland erklärt. Gut ins Bild bekommt man die Fahrzeuge im Abschnitt Wehrseifen, dem langsamsten Teil der Rennstrecke. Der ist über eine Treppe an der Brücke, welche in Breidscheid über die Hauptstraße führt, erreichbar. Unter #nürburgring gibt es 538.000 Beiträge.

    Und wer selbst einmal über die Nordschleife brettern will? Die ist ab Ende März fast täglich geöffnet für Touristenfahrten. Informationen gibt es unter www.greenhelldriving.nuerburgring.de. Ambitioniertere Fahrer können spezielle Trainings unter Anleitung absolvieren.

    - Brandenburger Tor: Das Brandenburger Tor ist ein ausgesprochen ästhetisches Bauwerk - und damit ein beliebtes Fotomotiv. Mehr als 450.000 Beiträge gibt es unter #brandenburgertor. Die meisten sehen ähnlich aus. Fotografiert wird es meist vom Pariser Platz in Richtung Westen. Wer etwas näher herantritt, kann sich auf kaiserliche Spuren begeben. „Der mittlere Durchgang war bis 1918 nur für die Ein- und Ausfahrt der königlichen und später kaiserlichen Familie offen und für das Volk tabu”, erklärt Stadtführer Markus Müller-Tenckhoff .

    Das Brandenburger Tor erfüllte lange Zeit eine ganz praktische Funktion: Es ist das letzte noch erhaltene der ehemals 18 Stadttore Berlins und war Teil der früheren Stadtmauer. Den Spuren dieser alten Befestigungsanlage kann man mit einem Spaziergang zum Potsdamer Platz und weiter zum Anhalter Bahnhof folgen. „Nicht weit von der Ruine des alten Bahnhofs dort ist auf dem Mittelstreifen der Stresemannstraße ein Stück alte Stadtmauer rekonstruiert.”

    - Autostadt : Unter dem gleichnamigen Hashtag finden sich 81.000 Beiträge auf Instagram. Da es sich vor allem um ein Auslieferungszentrum handelt, sind auf den Fotos viele VW-Neuwagen, die Käufer dort abholen, zu sehen oder die futuristischen Glastürme, in denen mehrere hundert Fahrzeuge stehen.

    Dabei sollte man die interessante Geschichte der Stadt nicht vergessen: Wolfsburg wurde 1938 als Sitz der Volkswagenwerke gegründet. Am Reißbrett wurde eine Stadt für bis 90.000 Arbeiter geplant. Die Historie lässt sich zum Beispiel im Wohnquartier Die Höfe im Stadtzentrum nachvollziehen. Die Keimzellen der Gründung seien dort in hervorragender Qualität abzulesen und zu erleben, wie es in einem Papier der Stadt heißt. Vor dem Hauptbahnhof erinnert eine Bronze-Plastik an die italienischen Einwanderer, welche die Stadt seit den 1960er Jahren geprägt haben.

    - Kö: Einer der bekanntesten Einkaufsstraßen der Republik ist die Königsallee in Düsseldorf. Die Kö ist ein beliebtes Fotomotiv, unter #kö (mehr als 81.000 Treffer) finden sich auf Instagram schicke Menschen und teure Sportwagen. Doch die Prachtstraße ist mehr als nur Luxusladen an Luxusladen. Am nördlichen Ende der Kö befindet sich mit dem Hofgarten ein Ruhepol im Shopping-Trubel. Neben Enten im Weiher gibt es dort einen überdimensionalen Nagel zu sehen. Das meterhohe Kunstwerk steht vor dem Kö-Bogen nahe dem Hofgarten.

    - Neuschwanstein: Bauherr König Ludwig II. erlebte die Einweihung seines Prachtschlosses im Allgäu nicht mehr. Er starb sieben Wochen zuvor im Jahr 1886. Heute wird Neuschwanstein jedes Jahr von mehr als einer Million Menschen besucht. Instagram-Touristen erwartet aber ein Dämpfer: Im Schloss besteht größtenteils Fotoverbot. Doch am beliebtesten ist ohnehin die Außenansicht: Der am meisten besuchte Selfie-Punkt sei die Marienbrücke, die im Winter unter Umständen aber gesperrt sein kann.

    Vor zu viel Wagemut auf der Suche nach dem perfekten Motiv rät Ines Holzmüller von der Bayerischen Schlösserverwaltung eindringlich ab. „Das weitere Umfeld des Schlosses ist hochalpin.” Auf dem Balkon des Schlosses bietet sich eine Panorama-Aufnahme mit Alpsee und Schloss Hohenschwangau im Hintergrund an. Mehr als 300.000 Beiträge gibt es auf Instagram unter #neuschwanstein.

    - Zwinger: Neben Semperoper und Frauenkirche gehört der Zwinger zu Dresdens berühmtesten Wahrzeichen - auf Instagram unter #zwinger ist er mehr als 65.000 Mal zu finden. Weil dort generell sehr viel gebaut werde, seien die Motive oft eingeschränkt, erklärt Ulrike Peter vom Schlösserland Sachsen. Beliebt als Motiv sei etwa das Kronentor mit der zwiebelförmigen Kuppel. Wer den Zwinger für sein Instagram-Profil etwas anders in Szene setzen möchte, kann zum Beispiel eine der zahlreichen Fassadenverzierungen im Detail ablichten.

    - Schloss Heidelberg: Über der Stadt thront das Schloss Heidelberg. Auf vielen der fast 50.000 unter #heidelbergcastle angezeigten Bilder liegt das Schloss im Hintergrund, oder jemand posiert an der Brüstung des Bauwerks, unter der sich Neckar und Altstadt erstrecken. Nur für ein Panoramabild sollte man die Ruine nicht besuchen. Dafür gibt es zu viel zu entdecken, zum Beispiel die Figur des liegenden Vater Rhein auf der Hauptterrasse im Schlossgarten.

    Oder den Maltesergraben, wo ein Rundweg hindurch führt und zwei geologische Schichten aufeinandertreffen - 340 Millionen Jahre altes Granit aus dem Erdaltertum und 290 Millionen Jahre alte Schuttströme aus der Permzeit. Das sei sehr selten, erklärt Frank Thomas Lang von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg. „Kaum einer weiß, dass Schloss Heidelberg nicht nur ein berühmtes Bauwerk ist, sondern auch auf einer absoluten geologischen Rarität steht.”

    Kö-Bogen in Düsseldorf
    Vor dem Kö-Bogen in Düsseldorf ragt ein riesiger Nagel aus dem Boden. Das Kunstwerk ist auch ein spannendes Fotomotiv. Foto: Düsseldorf Tourismus GmbH
    Wolfsburgs älteste Gebäude
    Die Höfe in Wolfsburg sind ein Quartier, die in den Anfangsjahren der 1938 gegründeten Stadt gebaut wurden. Sie gehören zu den ältesten Wohnanlagen Wolfsburgs. Foto: WMG Wolfsburg
    Der Maltesergraben in Heidelberg
    Der Maltesergraben im Schloss Heidelberg birgt eine geologische Rarität. Hunderte Millionen Jahre alte Gesteinsschichten treffen hier aufeinander.  Foto: Petra Schaffrodt
    Italienische Gastarbeiter in Wolfsburg
    Italienische Einwanderer haben Wolfsburg geprägt. Diese Bronze-Plastik namens L'Emigrante am Hauptbahnhof erinnert daran. Foto: WMG Wolfsburg
    Im sizilianischen Garten von Sanssouci
    Alternative zum bekannten Schlossblick in Sanssouci: Im Sizilianischen Garten herrscht südländisches Flair. Foto: Hans Bach/Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
    Weltberühmt: Schloss Neuschwanstein
    Die beliebteste Aussicht auf eines der meistfotografierten Bauwerke der Republik: Von der Marienbrücke aus lässt sich das Schloss Neuschwanstein besonders gut fotografieren. Sie kann im Winter aber gesperrt sein. Foto: Bayerische Schlösserverwaltung
    Am Ende der Düsseldorfer Königsallee
    Am nördlichen Ende der Düsseldorfer Königsallee verspricht der Hofgarten eine Ruhepause vom Shopping-Trubel. Foto: Düsseldorf Tourismus GmbH
    Konterfei des Papst am Kölner Dom
    Da hängt doch der Papst? Wer am Haupteingang des Kölner Doms genau hinschaut, erkennt das Konterfei des Pontifex. Foto: Oliver Berg
    Das Schanzenviertel in Hamburg
    Das Schanzenviertel ist Hamburgs hippe Alternative zur Partymeile Reeperbahn. Foto: Christian Charisius
    Anhalter Bahnhof zu Berlin
    Verstecktes Relikt: In der Nähe des Anhalter Bahnhofs in Berlin findet sich dieser rekonstruierte Teil der früheren Stadtmauer auf dem Mittelstreifen einer Straße. Foto: Robert Günther
    Vater Rhein in Heidelberg
    Hängt gemütlich ab im Schloss Heidelberg und ist dank seiner strahlend weißen Farbe gut zu erkennen: Vater Rhein. Foto: Petra Schaffrodt
    Grand-Prix-Strecke am Nürburgring
    Neben der Nordschleife gibt es am Nürburgring auch die gut fünf Kilometer lange Grand-Prix-Strecke, auf der bis 2013 Formel-1-Rennen stiegen. Auf Rundgängen können Besucher unter anderem die Boxenanlagen sehen und vom Dach auf die Strecke blicken. Foto: Nürburgring
    Marcus Müller-Tenckhoff
    Markus Müller-Tenckhoff arbeitet als Stadtführer in Berlin. Foto: Robert Günther
    Die „grüne Hölle” Nürburgring
    Nicht von ungefähr heißt die Nordschleife des Nürburgrings „grüne Hölle”. Die Rennstrecke schlängelt sich auf mehr als 20 Kilometer Länge durch die Wälder der Eifel. Foto: Robert Kah/Nürburgring
    Das Kronentor in Dresden
    Das Kronentor ist ein beliebtes Fotomotiv im Dresdner Zwinger. Doch es lohnt sich auch, eine der zahlreichen, filigranen Fassadenverzierungen zu fotografieren. Foto: Claudia Hübschmann

    Von Tom Nebe, dpa

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