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    Frankenheim

    Ein Mittelgebirge will mehr

    Die Rhön
    Wanderer im Schwarzen Moor: Die Rhön wurde 1991 von der UNESCO als Biosphärenreservat ausgezeichnet. Foto: Wolfgang Fallier/Rhön GmbH

    Am „Eisenacher Haus” auf dem Ellenbogen, einer der höchsten Erhebungen Thüringens, treffen sich mehrere Wanderwege. Einer führt bis nach Eisenach, einer über den Höhenzug der Rhön, ein weiterer verbindet die Bahnhöfe Fulda und Meiningen.

    Sascha Sücker, Hoteldirektor im „Eisenacher Haus”, schwärmt von einem „Mekka der Wanderwege”. Doch die meisten Gäste in seinem Biergarten wandern nicht. Sie gehen nur ein paar Schritte zum Gipfel und besteigen die Aussichtsplattform Noahs Segel. Überhaupt könnte mehr los sein im Hotel „Eisenacher Haus”. „Übers Jahr gesehen liegt die Auslastung bei nicht mal 30 Prozent”, erzählt Sücker.

    Große Ambitionen

    Wenn es nach Thorn Plöger geht, wird sich das bald ändern. Der Geschäftsführer der Tourismusvermarktung Rhön GmbH will die Rhön zu Deutschlands bekanntestem Mittelgebirge machen, durch Messeauftritte, Werbung - und Überzeugungsarbeit vor Ort. „Die Vermieter müssen sich auf Kurzurlauber einstellen und online buchbar sein.”

    Sascha Sücker muss diese Hürde nicht mehr nehmen. Der gebürtige Berliner arbeitete als Suchmaschinen-Manager, als er zum ersten Mal von der Rhön hörte, einem ausgedehnten Mittelgebirge am „Grünen Band”, der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Und von der Geschichte des „Eisenacher Hauses”. Erbaut vom Rhönklub Eisenach wurde die Wanderherberge nach dem Zweiten Weltkrieg erst Ferienheim der DDR-Gewerkschaft, dann Horchposten der Staatssicherheit - und nach der Wende Tagungs- und Wanderhotel. Sückers Frau und sein Schwager pachteten das Hotel von einem Investor aus Österreich.

    „Hier hat man seine Ruhe”, sagt Sücker. Für die Region ist das Segen und Fluch zugleich. So gibt es am Fernwanderweg Hochrhöner zu wenige Unterkünfte. Ein Problem, das Fahrdienste der Hoteliers lösen.

    Eine Art Zelt aus Holz

    Zukünftig sollen aber auch Rucksackwanderer in Schutzhütten übernachten dürfen, so eine Idee der Rhön GmbH. „Wir bauen eine Butze, eine Art Zelt aus Holz mit Biotoilette, davor das Schild: Hier dürfen Sie im Holz schlafen”, erklärt Plöger.

    Dieter Klein ist skeptisch: „Das wird nicht reichen. Wer eine Region bekannt machen will, muss sie ständig bewerben und einen langen Atem beweisen”, sagt der Geschäftsführer von Kleins Wanderreisen. Der Reiseveranstalter vermittelt jährlich rund 250 Gäste ohne Gepäck auf den Hochrhöner. Viel Luft nach oben sieht Klein nicht.

    Klein ist den Hochrhöner selbst gelaufen. „Die vielen Ausblicke über die offenen Höhen haben mir gut gefallen”, sagt er. „Dass man durch drei Bundesländer wandert, wissen nicht alle.” Aber: „Der Gast wünscht sich alle acht Kilometer eine Einkehrmöglichkeit, da hapert es in der Rhön noch.”

    Besucherzentrum Arche Rhön

    Gute Aussicht bieten zwar auch Noahs Segel und sein Pendant, das rund fünf Kilometer entfernte Besucherzentrum Arche Rhön - verbunden durch einen 18 Kilometer langen Entdeckerpfad Hohe Rhön mit kindgerechten Infostationen. Doch nur wenige Familien entdecken den Weg wirklich. Anders das Bild auf der Wasserkuppe, Hessens höchster Erhebung: ein Schilderwald, Freizeitparks zum Klettern und Rodeln.

    Bisher besuche vor allem die bürgerliche Mitte die Rhön, sagt Plöger. Jetzt werde das sozialökologische Milieu beworben. Menschen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist. Im Biergarten des „Eisenacher Hauses” wird der Kaffee derweil in Plastikbechern gereicht. Es gibt noch viel zu tun in der Rhön.

    Erlebniswelt Arche Rhön
    Unterhaltung für Familien mit Kindern: Die Erlebniswelt Arche Rhön vermittelt spielerisch Wissen über regionales Handwerk und geologische Phänomene. Foto: Mathias Schmidt/Rhön GmbH
    „Eisenacher Haus”
    Erbaut vom Rhönklub Eisenach wurde das „Eisenacher Haus” nach dem Zweiten Weltkrieg erst Ferienheim der DDR-Gewerkschaft, dann Horchposten der Staatssicherheit - und nach der Wende Tagungs- und Wanderhotel. Foto: Marcus Schütz/Berghotel Eisenacher Haus
    Noahs Segel
    Von Noahs Segel bietet sich ein guter Ausblick über die Landschaft der Rhön. Foto: Manfred Hempe/Rhön GmbH
    Fliegerdenkmal
    Fliegerdenkmal im Abendlicht: Die Wasserkuppe ist mit 950 m üNN der höchste Berg der Rhön und als „Wiege des Segelflugs” bekannt. Foto: Holger Leue/Rhön GmbH
    Auf dem Pferdskopf
    Familie auf dem Pferdskopf - die Rhön möchte mehr Urlauber anlocken. Foto: Wolfgang Fallier/Rhön GmbH
    Aktivurlaub
    Wanderer in der Rhön: Wer Lust auf Aktivurlaub hat, ist in dem Mittelgebirge richtig. Foto: Jens Hauspurg/Thüringer Tourismusverband
    Paragliding
    Von der Wasserkuppe hinunter ins Tal: Die Rhön lockt nicht nur Wanderer, sondern auch Paraglider in die Region. Foto: Deike Uhtenwoldt
    Wanderweg
    Zahlreiche Wander- und Lehrpfade machen die Rhön zum Wanderparadies. Foto: Deike Uhtenwoldt
    Thorn Plöger
    Thorn Plöger ist Geschäftsführer der Tourismusvermarktung Rhön GmbH. Foto: Rhön GmbH

    Von Deike Uhtenwoldt, dpa

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