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    MARKTHEIDENFELD

    Scheer in Schieflage

    Geldmangel: Die Marktheidenfelder Unternehmensgruppe Scheer geht in die vorläufige Insolvenz. Foto: ArchivScheer

    Das Marktheidenfelder Traditionsunternehmen Scheer ist in finanzielle Schieflage geraten. Am Montag beantragte der geschäftsführende Gesellschafter, Michael Lüchtrath, beim Amtsgericht in Würzburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

    Von der Zahlungsunfähigkeit bedroht sind das Stammhaus, die Ludwig Scheer GmbH & Co. KG, sowie die Scheer Spiele GmbH & Co. KG, beide Marktheidenfeld, teilt das Unternehmen mit. Die Schwesterfirmen stellen Werbe- und Produktträger sowie Verpackungen aus Pappe her und produzieren Spiele im Kundenauftrag. Scheer ist häufig als Hersteller des „Spiels des Jahres“ in Erscheinung getreten.

    Aktuell sind 407 Mitarbeiter in beiden Unternehmen beschäftigt, die schon im Dezember Einbußen bei Gehältern und Weihnachtsgeld hinnehmen mussten. Der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Rechtsanwalt Dr. Markus Schädler, Würzburg, will „um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen“ und beantragt Insolvenzgeld für die Monate Januar bis März. Schädler sieht angesichts guter Produkte und des Know-hows optimistisch nach vorn.

    Gründe für die zunächst vorläufige Insolvenz liegen in Verlusten bei der Spieleproduktion, die bis Sommer 2010 in Ingolstadt beheimatet war. Sie kämpft mit dem Preisdruck im Markt und langfristigen Verträgen, die eine zu hohe Kapitalbindung verursachten. Das Sanierungskonzept beinhaltete daher die Verlagerung der Spiele-Produktion und der 170 Arbeitsplätze von Ingolstadt an den Stammsitz Marktheidenfeld.

    Dennoch hat der Betrieb weiteren Kreditbedarf, den die Hausbank nun nicht mehr erfüllen will. Negativ beeinflusst worden sei die Unternehmenslage zudem durch finanzielle Unregelmäßigkeiten in der kaufmännischen Leitung, was 2010 zum Ende des Beschäftigungsverhältnisses eines Prokuristen geführt habe. Der entstandene Schaden bewege sich im hohen sechsstelligen Bereich.

    Dass neben der Scheer Spiele GmbH & Co. KG auch die Ludwig Scheer GmbH & Co. KG von der Insolvenz betroffen sei, liege daran, dass Scheer Spiele größter Kunde von Ludwig Scheer ist, erklärt Geschäftsführer Lüchtrath.

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    Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Brachs

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