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    Reichenberg

    Appl-Chef sieht keine Perspektive für Standort Reichenberg

    Es kam unerwartet. Käme es zu einer Schließung des Standortes Reichenberg, wären 75 Mitarbeiter der Appl-Gruppe betroffen. Was die Firmenleitung sagt.
    Appl-Druck, ehemals Echter Druck, will das Werk in Klingholz bei Reichenberg schließen. 75 Mitarbeiter wären davon betroffen. Foto: Thomas Obermeier

    Es scheint das endgültige "Aus" für eine Traditionsdruckerei im Raum Würzburg zu sein: In einer Betriebsversammlung am Donnerstagnachmittag erfuhren die Mitarbeiter der Druckerei Appl im Reichenberger Gewerbegebiet am Klingholz von der baldigen Schließung ihrer Arbeitsstätte. Erst 2006 hatte die frühere Würzburger Echter Druck dort neben der Bundesstraße 19 einen zweiten  Standort neben dem bisherigen im Würzburger Stadtteil Heuchelhof gebaut. Die Echter Druck GmbH gehört seit 1999 zur Appl-Gruppe mit Sitz im schwäbischen Wemding.

    Im Frühjahr 2019 war der Standort am Heuchelhof geschlossen worden, nun trifft es die Mitarbeiter in Reichenberg. Man habe ihnen "sichere Arbeitsplätze" in Wemding oder Freising angeboten, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Appl-Geschäftsführung.

    Was ein Gewerkschafter zu Appl sagt

    Bernd Bauer, zuständiger Gewerkschaftssekretär bei ver.di in Würzburg, war im Vorfeld nicht informiert. "Ich habe am Donnerstag nach der Infoveranstaltung einen Anruf vom dortigen Betriebsrat bekommen. Die waren verunsichert, weil man ihnen da gesagt hatte, sie seien nicht zuständig, das würde über den Gesamtbetriebsrat des Konzerns laufen. Ich habe ihnen gesagt, dass das nicht stimmt und sie aufgeklärt."

    Auch Kevin Fitzmann vom Betriebsrat in Reichenberg wurde von der Ankündigung überrascht. "Das kam wie aus heiterem Himmel", sagt er. "Auch wir als Betriebsrat waren nicht informiert. Die Stimmung unter den Kollegen ist natürlich am Boden", fährt er fort. Aber so schnell aufgeben will man nicht. "Wir befinden ins jetzt in der Aufstellungsphase", kündigt er an. "Wir wollen mehr Infos von der Geschäftsführung, was geplant ist und haben Kontakt mit unseren Anwälten und der Gewerkschaft aufgenommen, um das weitere Vorgehen zu planen."

    Was Firmenchef Appl sagt

    "Ich habe den Mitarbeitern in Reichenberg  in einer Infoveranstaltung am Donnerstag um 14 Uhr persönlich mitgeteilt, dass es zu einer Schließung des Standortes kommen könne", so Markus Appl, Chef der Firmengruppe Appl, am Freitag am Telefon. "Käme es zu einer Schließung, wären 75 Mitarbeiter betroffen", sagte er weiter. "Ich muss das so sagen, denn wir müssen dem Betriebsrat die Möglichkeit geben, eine Alternative aufzuzeigen." Appl fügte hinzu: "Sollte es dann zu einer Schließung kommen, würde es wohl im letzten Quartal dieses Jahres keine Produktion mehr geben."

    Als Grund nennt der Firmenchef die "Verlustsituation" am Standort. "Und da gibt es aus unserer Sicht keine Perspektive, das zu ändern", sagte er. "Käme es zu einer Schließung", ergänzte seine Personalchefin Sandra Eckart, "würde es mit dem Gesamtbetriebsrat selbstverständlich Verhandlungen über einen Interessenausgleich geben, aber da stehen wir ja noch ganz am Anfang". Dafür sei aus Sicht der Firmenleitung der Gesamtbetriebsrat zuständig, weil neben Reichenberg auch die Niederlassung Ahrensburg betroffen sei. "Aber zwei Betriebsräte aus Reichenberg sitzen ja auch im Gesamtbetriebsrat", erklärte Appl.

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