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    Würzburg

    Ausbildung: Zahl neuer Verträge leicht gestiegen

    Licht und Schatten hat der Ausbildungsmarkt in Mainfranken. Während die Zahl neuer Verträge erstmals seit Jahren wieder leicht gestiegen ist, bleiben viele Stellen nach wie vor unbesetzt (Symbolbild). Foto: Daniel Bockwoldt, dpa

    Silberstreif am Horizont der mainfränkischen Wirtschaft: Junge Menschen scheinen wieder Gefallen an einer Berufsausbildung zu haben. Denn die Zahl neu abgeschlossener Lehrverträge im Bereich der Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt hat 2018 zum ersten Mal seit Jahren wieder die 4000er-Marke überschritten. Gegenüber dem Vorjahr seien es acht Prozent mehr Neuverträge gewesen, verkündete die IHK am Donnerstag in ihrem "Bildungsreport".

    Derlei Zahlen haben eine besondere Tragweite: In Zeiten brummender Geschäfte suchen die Unternehmen landauf, landab nach Fachkräften - und in diesem Zuge auch nach Auszubildenden. Der Mangel gilt mittlerweile gar als Konjunkturbremse. Seit 2011 war die Zahl neuer Lehrverträge laut IHK in der Tendenz rückläufig gewesen.

    Immer noch viele Lehrstellen unbesetzt

    Trotz des aktuellen Aufwinds ist die Lage aber immer noch nicht rosig. Es seien in der Region nach wie vor 800 bis 1000 Ausbildungsplätze frei, sagte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard.

    Max-Martin Deinhard von der IHK Würzburg-Schweinfurt. Foto: Daniel Peter

    Ähnliches meldet die Handwerkskammer in Würzburg, die für Unterfranken zuständig ist. Dort ging die Zahl neuer Ausbildungsverträge in 2018 gegenüber 2017 um 5,6 Prozent auf 2686 zurück. Der Hang zum Studium sei bei Schulabgängern nach wie vor ausgeprägt, obwohl Kampagnen der beiden Kammern seit geraumer Zeit entgegensteuern wollen.

    IHK: Bewusstsein für eine Berufsausbildung hat zugenommen

    Zumindest in der IHK sieht man erste Erfolge jener Kampagnen wie "Elternstolz". Das Bewusstsein für die duale Berufsausbildung habe wieder zugenommen. Auch hätten viele Unternehmen ihr Werben um Lehrlinge intensiviert, sagte Deinhard am Donnerstag.

    Bei den neuen Lehrverträgen haben 2018 im IHK-Gebiet vor allem die Berufe in den Bereichen Banken, Verkehr/Transport sowie Metall- und Elektrotechnik mit einem Plus von bis zu 28 Prozent angezogen. Alles in allem gab es im vergangenen Jahr in Mainfranken 9985 bei der IHK registrierte Auszubildende. Auch diese Zahl ist seit Jahren zum ersten Mal wieder gestiegen.

    Wenn es um den Stellenwert einer Berufsausbildung geht, rühren beide Kammern eifrig die Werbetrommel. So bieten sie unter anderem Infoveranstaltungen für Schüler an oder schicken ihre Ausbildungsberater in Betriebe und Schulen. Das werde heuer ausgebaut, um gerade kleine Unternehmen "bei der Ansprache auch höher qualifizierter Bewerber zu unterstützen", teilte die Handwerkskammer für Unterfranken auf Anfrage mit.

    IHK nimmt Bosch Rexroth mit ins Boot

    Die IHK hat im Dezember 2017 eine Zusammenarbeit mit der Bosch Rexroth AG begonnen. Das Unternehmen in Lohr ist intensiv im Bereich Digitalisierung unterwegs und richtet zusammen mit der Kammer den Zertifikatslehrgang "Industriefachkraft 4.0" mit den Schwerpunkten Hydraulik, CNC (elektronische Steuerung von Werkzeugmaschinen) und Steuerungstechnik aus. 

    Generell sei der Bedarf nach Fortbildungen unverändert groß, betonte IHK-Bereichsleiter Udo Albert. So haben im vergangenen Jahr 5600 Menschen an Weiterbildungen der Kammer teilgenommen. Um dem gestiegenen Nachfrage Rechnung zu tragen, hat die IHK ihr Bildungszentrum in Würzburg erweitert. Ein ähnliches Zentrum hat auch die Handwerkskammer.

    Wird die Not auf dem Ausbildungsmarkt jetzt gelindert?

    Inwieweit der aktuelle Aufwind bei den neuen Lehrverträgen zu Linderung der Not auf dem mainfränkischen Ausbildungsmarkt beiträgt, bleibt offen. Fakt ist, dass im Bereich der IHK die Zahl der Abschlussprüfungen am Ende einer Lehre zwischen 2014 und 2018 um acht Prozent zurückgegangen ist - und das permanent über die Jahre hinweg.

    Zuversichtlich ist IHK-Vizechef Deinhard zumindest, was die schwächelnde Konjunktur angeht: Sie werde sich nicht negativ auf den regionalen Lehrstellenmarkt auswirken. Denn die Unternehmer setzten weiterhin auf die Ausbildung von Nachwuchskräften.

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