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    Würzburg

    Bank für Millionäre kommt nach Unterfranken

    Die Privatbank Bethmann (im Bild der Stammsitz in Frankfurt) wagt zum Jahresende den Sprung nach Würzburg. Dort will sie vermögende Privatkunden gewinnen. Foto: Bethmann Bank AG

    Unterfranken hat trotz seiner überwiegend ländlichen Struktur viele "hidden champions", Unternehmen, die weltweit erfolgreich sind. Einige sind Marktführer in ihrer Branche und verdienen gutes Geld. Ihre Besitzer und weitere Millionäre der Region sind ins Visier der Bethmann Bank AG (Frankfurt) geraten. Das Geldhaus, das sich auf die Vermögensverwaltung von betuchten Privatkunden spezialisiert hat, wagt den Sprung nach Würzburg, wie unsere Redaktion exklusiv erfuhr.

    Das berührt nicht nur die großen Mitspieler auf dem unterfränkischen Bankenmarkt wie Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Hypovereinsbank. Besonders die Privatbanken Schilling, Flessabank und Castell-Bank werden die neue Konkurrenz zu spüren bekommen. Und das in Zeiten, in denen alle Geldhäuser über sinkende Erlöse angesichts niedriger Zinsmargen sowie steigende Kosten durch Bürokratie, Regulatorik und Digitalisierung klagen. Auf der Branche lastet ein Konzentrationsdruck, der zu Fusionen und Übernahmen führt. Selbst eine Vereinigung der Schwergewichte Deutsche Bank und Commerzbank war kürzlich nicht mehr undenkbar.

    Privatbank hofft auf reiche fränkische Kundschaft

    Noch setzt Bethmann nur einen Fuß in die Tür. Zu den 520 Mitarbeitern der Privatbank soll zum Jahresbeginn 2020 eine einstellige Zahl in der Würzburger Innenstadt dazukommen, wie Pressesprecher Jens Heinen auf Anfrage bestätigt. Das klingt überschaubar, bietet aber ersten Sprengstoff, denn sieben Vermögensverwalter kommen nach Informationen der Redaktion von der Würzburger Castell-Bank; sie sind übergelaufen. Ob sie auch Kunden mitnehmen, wird sich weisen. Zuletzt befand sich die Castell-Bank bereits wegen eines mittlerweile gerichtlich wie bilanziell aufgearbeiteten Betrugsfalls in Turbulenzen.  

    "Wir wollen wachsen und zukaufen."
    Jens Heinen, Pressesprecher der Bethmann Bank

    Warum wählt Bethmann Würzburg? Schon die andere fränkische Niederlassung in Nürnberg, eine von zwölf in Deutschland, habe sich "sehr gut entwickelt", sagt Heinen. Offensichtlich bietet Nordbayern Potenzial, das sich aber leichter heben lässt, wenn man die Kunden vor Ort betreut. Man ziele auf den klassischen Mittelstand, unternehmerisch geprägte Kunden, die Geld anlegen oder die Firmenübergabe an die nächste Generation planen, erklärt Nicolas von Loeper, Vorstand Privatkunden, die Strategie.

    Kein Geldhaus für jedermann

    Das Geldhaus ist keine Bank für jedermann. Auch wenn es keine offizielle Einstiegsgrenze gibt, so bringen die meisten Kunden doch mindestens siebenstellige Summen ein. Den Millionären steht dann eine Beratung offen, die nicht etwa bankeigene Produkte vermarktet, sondern die für jeden Kunden die individuelle Anlage finden will – gleichgültig, von welchem Anbieter sie stammt. Bethmann lebt von der Vermittlung. Immerhin verwaltet die Privatbank rund 37 Milliarden Euro für ihre etwa 13 000 Kunden, darunter Stiftungen und Pensionsfonds. Das reicht für Platz 3 hinter Deutscher Bank und Commerzbank. Das Bankhaus, das eine 300-jährige Geschichte hat, gehört nach Fusionen und Besitzerwechseln nun der Bank ABN AMRO (Amsterdam), die seit der Finanzkrise mehrheitlich im Besitz des niederländischen Staates ist.

    Nicolas von Loeper, Vorstand Privatkunden der Bethmann Bank. Foto: Bethmann Bank AG

    Mit dieser Mutter im Rücken und Partnern in Nachbarländern glaubt von Loeper, dass Bethmann "vermögenden Kunden in Mainfranken wichtige Mehrwerte bei einer umfassenden Vermögensberatung" bieten könne. Denn nur mit entsprechender Größe könnten Privatbanken heute noch in ihrem umkämpften Markt bestehen, weil sie dann die nötige Infrastruktur vorweisen, die Vorgaben der staatlichen Regulatorik bewältigen und fortlaufend in neue Technik investieren könnten. "Die kritische Größe liegt bei 20 Milliarden Euro in der Vermögensverwaltung", sagt Heinen. Das Ziel: "Wir wollen wachsen und zukaufen."

    Bethmann plant keine Übernahme in Würzburg

    Allerdings sei in Würzburg keine Bankübernahme geplant, betont von Loeper. Dort sind die möglichen Übernahmekandidaten zu klein oder nicht zu haben. Dann sei es günstiger, sich gezielt mit einzelnen Kundenberatern zu verstärken, als gleich eine ganze Bank zu kaufen, sagte der niederländische Bethmann-Chef Hans Hanegraaf im Februar der FAZ. Genau diese Strategie setzt sein Haus jetzt in Würzburg um.

    Die Bethmann Bank AG
    1748 gründet die Kaufmanns- und Bankiersfamilie Bethmann das Bankhaus Gebrüder Bethmann in Frankfurt am Main, das sich zu einem wichtigen Finanzier für Papst und Fürstenhäuser entwickelt. Auch für Goethes Italienreise und den Bau des Pariser Eiffelturms geben die Deutschen Geld. Geldgeschäft mit den Reichen bleibt die Kernmarke.
    1976 steigt die Bayerische Vereinsbank in das Familienunternehmen ein und kauft es schließlich ganz.
    2004 fusionieren drei Bankhäuser in Deutschland zu Delbrück Bethmann Maffei. Sie gehören nun der ABN AMRO in den Niederlanden. Seit 2011 firmiert die deutsche Tochter als Bethmann Bank AG.
    2011 erwirbt Bethmann das Private-Banking-Geschäft der LGT Group, 2014 das der Credit Suisse in Deutschland.
    Als Nummer 3 in der privaten Vermögensverwaltung in Deutschland, hinter Deutscher Bank und Commerzbank, betreut Bethmann rund 13 000 Kunden, die einen Wohnsitz in Deutschland haben müssen. Sie verfügen über Einlagen von etwa 37 Milliarden Euro. Die Privatbank hat 520 Mitarbeiter.
    Die neue Niederlassung in Würzburg wird die 13. in Deutschland. Bislang ist Bethmann nur in deutlich größeren Städten vertreten.
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