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    Würzburg

    Breitband in Unterfranken: Bei schnellem Internet hapert es

    Solche Glasfaserkabel gelten als das Nonplusultra für schnelle Datenübertragung. In Unterfranken gibt es da aber offenbar noch viel Nachholbedarf. Foto: Guido Kirchner, dpa

    Was Breitband angeht, steht Unterfranken im bayernweiten Vergleich grundsätzlich gut da. Das ist die Kernaussage eines Gutachtens, das die unternehmernahe Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) am Donnerstag in Würzburg vorstellte. Dennoch gebe es an manchen Stellen Nachholbedarf, hieß es.

    Zwischen Ende 2017 und Ende 2018 hat in Unterfranken der Breitbandausbau auf dem Land um 28,5 und in den Städten um 1,8 Prozent zugenommen. Das seien Spitzenwerte im Freistaat, sagte vbw-Bezirksvorsitzender Wolfgang Fieber. Die Studie bezieht sich bei diesen Zahlen auf die Versorgung mit 50 und mehr Megabit pro Sekunde (Mbit/s).

    Stellten in Würzburg die Studie der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) zur Breitbandversorgung vor: vbw-Bezirksgeschäftsführer Michael Bischof (von links), Geschäftsführer Jochen Starke (Unterfränkische Überlandzentrale Lülsfeld), Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl (Werneck) und vbw-Bezirksvorsitzender Wolfgang Fieber. Foto: Jürgen Haug-Peichl

    Dass es im Alltag in den Kommunen aber oft noch hakt, machte Edeltraud Baumgartl deutlich. Die Bürgermeisterin von Werneck (Lkr. Schweinfurt) beklagte, dass sich die Telekom vorbehalte, nach Vertragsabschluss mit der Gemeinde vier Jahre lang mit dem Glasfaser-Ausbau zu warten. Hintergrund sei, dass die Telekom wegen der großen Nachfrage mit dem Ausbau einfach nicht mehr nachkomme, so Baumgartl.

    Vier Jahre zu warten, sei aber zu lang. Deshalb hat die Bürgermeisterin nach eigenen Worten in der Unterfränkischen Überlandzentrale ÜZ) in Lülsfeld (Lkr. Schweinfurt) einen Partner gefunden, der beim Glasfaserausbau schneller vorankomme.

    Was Glasfaser bringt...

    Glasfaser gilt wegen seiner schnellen Datenübertragung als der beste Weg, Breitband in die Fläche zu bringen. Laut Telekom sind per Glasfaserkabel bis zu 1000 MBit/s im Download und bis zu 500 MBit/s im Upload möglich.

    Die eher als Stromversorger bekannte ÜZ verlegt nach den Worten ihres Geschäftsführers Jochen Starke seit 2006 Glasfaser. Dieses Segment mache mittlerweile etwa fünf Prozent des Gesamtgeschäfts aus - Tendenz steigend. Für die Genossenschaft solle die Versorgung der Haushalte mit Glasfaser "einmal Standbein werden".

    ...und was das mit FTTH zu tun hat

    Als "Treibstoff der Wirtschaft" bezeichnete vbw-Bezirksvorsitzender Fieber die Breitbandversorgung. Was Glasfaser angeht, ist da in Unterfranken noch Luft nach oben: Laut der von der vbw in Auftrag gegebenen Studie sind gerade mal sechs Prozent der Haushalte (Bayern: zwölf Prozent) mit FTTH versorgt. Unter diesem Kürzel sind Glasfaser-Verbindungen bis ins Haus zu verstehen. Die kürzere Variante sind Glasfaser-Kabel bis an die Grundstücksgrenze - der Rest sind dann meistens alte und übertragungsschwächere Kupferleitungen.

    Wie schwierig die schöne neue Breitbandwelt sein kann, machte Wernecks Bürgermeisterin Baumgartl an einem anderen Beispiel klar: In ihrer Marktgemeinde mit 13 Ortsteilen gebe es 20 Aussiedlerhöfe. Da auch Landwirte sehr digital arbeiten, sei die Anbindung dieser abgelegenen Höfe ebenfalls wichtig. Und eine Herausforderung: 250 000 von den 1,2 Millionen Euro Gesamtkosten müsse Werneck aus eigenen Mitteln tragen, um Breitband zu jenen 20 Höfen zu bringen. Der Rest der Kosten laufe immerhin über staatliche Förderung.

    Am Geld liegt's offenbar nicht

    "Es gibt viel Geld", meinte ÜZ-Chef Starke mit Blick auf die Hilfe der öffentlichen Hand. Aber es sei im Alltag schwierig, im Dschungel der Vorschriften den Überblick zu behalten, ergänzte Wernecks Bürgermeisterin Baumgartl. Deshalb habe ihre Gemeindeverwaltung eigens einen "Breitbandpaten".

    Abgesehen vom Glasfaser, sieht vbw-Bezirksvorsitzender Fieber Unterfranken bei Minimalversorgung mit Breitband auf einem guten Weg. 95 Prozent der Haushalte hätten immerhin 30 Mbit/s zur Verfügung. Das reiche für die gängigsten Anwendungen im digitalen Alltag.

    Werde allerdings schnelleres Internet gebraucht, wie etwa in Unternehmen, dann "hinkt Unterfranken dem bayerischen Durchschnitt hinterher". Nur 59 Prozent der Haushalte in der Region hätten bis zu 100 Mbit/s zur Verfügung, in Bayern seien es 67 Prozent, so Fieber. Der Direktor der UniCredit Bank, Niederlassung Bayern Nord-West, wurde vor wenigen Tagen bei einer Vorstandssitzung als ehrenamtlicher vbw-Bezirksvorsitzender für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt.

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