• aktualisiert:

    Würzburg / Coburg

    Brose will in Franken Arbeitsplätze streichen

    Unter anderem im Würzburger Werk will der fränkische Automobilzulieferer Brose Stellen streichen. Foto: Brose

    Brose plant, bis Ende des Jahres 2022 die Arbeitsplätze in Deutschland um rund 2000 zu reduzieren. Das kündigte das Unternehmen am Donnerstag in einer Pressemitteilung an. Im Wesentlichen sind die Standorte Bamberg, Hallstadt, Coburg und Würzburg betroffen.

    Fertigung wird verlagert

    Brose beschäftigt derzeit rund 26 000 Mitarbeiter. Das Unternehmen mit Sitz in Coburg wird die Fertigung von Schließsystemen von Wuppertal, wo derzeit rund 200 Mitarbeiter beschäftigt sind, verlagern. In den Werken Coburg, Würzburg, Hallstadt und Berlin sollen insgesamt circa 600 Arbeitsplätze entfallen.

    Der Automobilzulieferer will auch Arbeitsplätze an einen neuen Standort in Serbien verlagern. Nach Angaben der Geschäftsleitung sollen dort 2024 bereits rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt werden. "Ein Teil davon speist sich aus Verlagerungen von deutschen Standorten, ein anderer Teil aus zusätzlichem Geschäft", so ein Manager. 

    Für mehr Wettbewerbsfähigkeit sind Einsparungen von mehreren Hundert Millionen Euro geplant, "um den finanziellen Spielraum für Investitionen in die Erneuerung und das Wachstum zu schaffen und so auch künftig attraktive Arbeitsplätze anbieten zu können".

    "Einseitige Klimadebatte schafft Unsicherheit" 

    Als Gründe nennt das Unternehmen den Wandel der Automobilindustrie, einen rückläufigen Markt insbesondere in China, globalen Preisdruck, aber auch interne Ursachen. "Die einseitige Klimadebatte zulasten der Kfz-Industrie schafft zusätzlich Unsicherheit." Dies und steigende Personal- und Arbeitskosten gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit der in Deutschland produzierenden Unternehmen.

    Kurt Sauernheimer, Vorsitzender der Geschäftsführung, sieht die Verantwortung für die Entwicklung auch im eigenen Haus: "Wir werden entschlossen handeln. Wir wollen die Qualität verbessern, zukunftsweisende Produktinnovationen entwickeln und Kosten im mittleren dreistelligen Millionenbereich senken, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Denn nur so können wir Aufträge erhalten, Wachstum erzielen und unsere Mitarbeiter weiter beschäftigen."

    Zehn Prozent weniger Azubis

    Die Geschäftsführung will betriebsbedingte Kündigungen weitgehend vermeiden. Das Thema Ausbildung bleibe ein wichtiger Bestandteil der Personalarbeit des Familienunternehmens. Die Anzahl der Auszubildenden werde jedoch ab dem kommenden Jahr um zehn Prozent reduziert.

    Bereits anlässlich des 100-jährigen Standortjubiläums in Coburg appellierte der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung, Michael Stoschek, an seine Mitarbeiter: „Wir wollen wieder an die Eigenschaften eines Familienunternehmens anknüpfen, die uns in der Vergangenheit ausgezeichnet haben und die der Grund unseres außerordentlichen Erfolgs gewesen sind. Dazu haben wir das größte Erneuerungsprogramm in der Unternehmensgeschichte angestoßen.“

    Wettbewerbsfähigkeit stärken

    Ulrich Schrickel, Geschäftsführer Tür, leitet das Programm Future Brose. „Die aktuelle Lage ist nicht einfach, wir blicken jedoch optimistisch in die Zukunft. Mit dem Programm stärken wir unsere Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig und werden mit intelligenten, vernetzten Produkten neue Komforterlebnisse für unsere Kunden schaffen“, sagt Schrickel.

    Die Brose Gruppe wird ihre Systemkompetenz mit Kooperationen im Bereich Software erweitern, um aus der Kombination von Komponenten, Sensoren und Software intelligente Produkte zu schaffen und so auch in Zukunft attraktiver Partner für seine Kunden zu sein.

    Bürokratische Abläufe erleichtern

    Zur Stärkung des Unternehmertums sollen laut Sauernheimer bürokratische Abläufe vereinfacht und hierarchische Ebenen abgebaut werden. Demgegenüber stehen die Qualifizierung und Umschulung von Mitarbeitern im Hinblick auf die Digitalisierung in Entwicklung, Verwaltung und Produktion. Dafür sucht der Automobilzulieferer verstärkt Software- und IT-Spezialisten.


    Maschinenbau in der Krise
    Im Maschinenbau geht die Angst um. Allein drei der fünf weltgrößten Zulieferer für die Automobil-Industrie kommen aus Deutschland.
    Die Branchenflaute sowie die Diskussion um die Folgen des Klimawandels bringt sie auch an den fränkischen Standorten ins Schleudern. Von Schaeffler über SKF bis ZF, von Leoni über Bosch bis Continental gibt es besorgte Gesichter. ZF, Schaeffler und SKF als die größten Arbeitgeber im Raum Schweinfurt haben in den vergangenen Wochen Einschnitte eingeräumt und zum Beispiel an Brückentagen Werke geschlossen.
    Der ZF-Konzern mit allein gut 9000 Beschäftigten in Schweinfurt hatte schon im März einen Umsatzrückgang angedeutet und schließt einen Stellenabbau nicht aus.  Auch Jopp in Bad Neustadt kündigte im Juli an, 35 der 720 Jobs zu streichen. Schaeffler hatte schon im März einen Abbau von 700 Stellen in Deutschland und 200 im europäischen Ausland bekanntgegeben sowie vier Standorte auf den Prüfstand gestellt.
    ZF hofft, in Deutschland um Entlassungen herum zu kommen – es würden ausgleichende Maßnahmen wie etwa Gleitzeit reichen,  sagt man dort.
    Erfahren Sie jeden Donnerstag, was Sie über Mainfrankens Wirtschaft wissen sollten:
    jetzt ImPlus-Newsletter kostenfrei abonnieren!

    Kommentare (17)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!