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    Winterhausen / Ostheim / Himmelstadt

    Corona-Tagebuch: Unternehmerinnen aus Mainfranken berichten

    Gerade die kleinen Geschäftsleute in Mainfranken trifft die Corona-Krise hart. Drei Unternehmerinnen erzählen jetzt über ihren Alltag in schwieriger Zeit - in einem Tagebuch.
    Aufschreiben, wie die Krise den Alltag verändert: Das machen drei Unternehmerinnen aus Mainfranken ab sofort in einem Corona-Tagebuch - zu finden im regionalen Wirtschaftsblog ImPlus der Main-Post.
    Aufschreiben, wie die Krise den Alltag verändert: Das machen drei Unternehmerinnen aus Mainfranken ab sofort in einem Corona-Tagebuch - zu finden im regionalen Wirtschaftsblog ImPlus der Main-Post. Foto: Uwe Anspach, dpa

    Glaubt man einer Umfrage, dann steht in Deutschland jeder zweite Mittelständler wegen der Corona-Krise vor dem Aus. Fakt ist: Gerade die kleinen Geschäftsleute haben kaum noch Kraft, den Stillstand zu überstehen.

    Um zu zeigen, welche Folgen das nach sich zieht, startet der regionale Wirtschaftsblog ImPlus der Main-Post mit einem Online-Tagebuch. Dort berichten in den kommenden Tagen drei Unternehmerinnen aus Mainfranken über ihren Alltag. Die Redaktion steht mit ihnen in ständigem Kontakt und betreut die Tagebuch-Einträge, die es zum Teil auch als Video geben wird.

    Tränen, schlechter Schlaf, Sorgen um die Belegschaft, Langeweile, Ablenkungsbeschäftigungen - all die Sorgen und Nöte, aber auch so mancher Hoffnungsschimmer kommen bei Gastwirtin Ursula Roder aus Winterhausen (Lkr. Würzburg), bei Friseursalon-Inhaberin Cristina Bodas  aus Himmelstadt (Lkr. Main-Spessart) und bei Werbeagentur-Chefin Tonya Schulz aus Ostheim vor der Rhön zum Ausdruck. Und dies teils sehr detailliert. So stellt das neue Corona-Tagebuch im Blog ImPlus ein Kaleidoskop der Befindlichkeiten dar, die zurzeit wohl viele Geschäftsleute in der Region teilen.

    Hat in der Wirtschaft kaum etwas zu tun und gibt stattdessen Essen über die Straße aus: Ursula Roder, Chefin des Hotel-Gasthofs 'Schiff' in Winterhausen (Lkr. Würzburg).
    Hat in der Wirtschaft kaum etwas zu tun und gibt stattdessen Essen über die Straße aus: Ursula Roder, Chefin des Hotel-Gasthofs "Schiff" in Winterhausen (Lkr. Würzburg). Foto: Bastian Roder

    Ursula Roder, Chefin des Hotel-Gasthofs "Schiff" in Winterhausen: 

    Ursula Roder führt mit ihrem Mann Sven Roder seit 1989 das Gasthaus "Schiff" in Winterhausen im Kreis Würzburg. Die 54-Jährige beschäftigt fünf Festangestellte und fünf Aushilfen. Seit einem Monat aber ist der Gasthof wegen der Corona-Pandemie geschlossen, auch im angegliederten Hotel mit 20 Betten geht fast nichts mehr. 

    Wenige Tage nach der landesweit verfügten Schließung von Gasthäusern haben die Wirtsleute in Winterhausen Soforthilfe vom Staat beantragt. Die 54-jährige Chefin erzählt:

    "Die Corona-Krise traf uns wie alle anderen überraschend und erschreckend. Wir versuchen, das Beste daraus zu machen. In der ersten Zeit glaubten wir noch, dass es nicht so schlimm wird und wir hofften jeden Tag, dass es wieder weitergeht.

    Wir fingen an, Arbeiten zu machen, für die man sonst keine Zeit hat, wie Lager aufräumen und putzen. Um positive Aspekte zu setzen, stellten wir Stühle und Tische auf die Gasthof-Terrasse und bepflanzten die Blumenkästen.

    Nach zwei Wochen entschieden wir uns, Essen zum Abholen zu machen. Es gab Sauerbraten mit Rotkohl und Klößen. Das Essen sollte vor allem für alle Winterhäuser sein, und wir freuten uns über eine große Vorbestellung. Wir sind den Winterhäusern dankbar für die tolle Unterstützung.

    Jeden Morgen gehe ich ins Hotel und checke unsere Mails, lese alles, was über die Corona-Krise berichtet wird und schaue, ob ich etwas umsetzen kann. Wir haben auch die Soforthilfe beantragt, die uns - so hoffen wir - etwas helfen wird. Reichen wird sie sicher nicht.

    Ab und zu haben wir auch Hotelgäste: zwei in zwei Wochen. Denen bringe ich dann Frühstück aufs Zimmer. Immerhin besser als gar keine Gäste. Auch kam mir die Überlegung, ob ich mir einen Aushilfsjob suche. Diese Idee habe ich aber wieder verworfen.

    Diesen Sonntag machen wir wieder Essen zum Abholen: Schweinelendchen mit Pilzen und Spätzle. Ich stelle fest, dass uns die Winterhäuser nicht im Stich lassen."

    Leidet unter der Corona-Krise, sieht aber Licht am Ende des Tunnels: Cristina Bodas ist seit wenigen Monaten Inhaberin eines Friseursalons in Himmelstadt.
    Leidet unter der Corona-Krise, sieht aber Licht am Ende des Tunnels: Cristina Bodas ist seit wenigen Monaten Inhaberin eines Friseursalons in Himmelstadt. Foto: Cristina Bodas

    Cristina Bodas, Inhaberin eines Friseursalon in Himmelstadt:

    Erst seit Anfang Dezember hat Cristina Bodas einen Friseursalon in Himmelstadt (Lkr. Main-Spessart). Die 38 Jahre alte Rumänin ist seit fünf Jahren in Deutschland und wollte sich mit dem kleinen Geschäft den Traum von der Unabhängigkeit erfüllen. 25 000 Euro investierte sie aus eigener Tasche, um den Salon zum Laufen zu bringen. Weil sie an den drei Frisiertischen alleine arbeitet, hat Bodas zumindest keine Gehälter zu bezahlen. Doch von den beantragten Corona-Soforthilfen habe sie bislang noch nichts bekommen, erzählt sie. Ihre Gedanken sind überwiegend trüb:

    "Ich muss im Moment von den Ersparnissen leben. Dass mein Salon zu ist, macht mir zu schaffen. Ich bin psychisch ein bisschen runter. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ich schlafe nicht gut. Manchmal muss ich weinen.

    Ich bin eigentlich den ganzen Tag in meiner Wohnung. Dort ist es jetzt wenigstens perfekt sauber. In meinem Salon kann ich nichts machen. Dass ich am 4. Mai wieder öffnen darf, freut mich sehr.

    Mein Sohn macht eine Ausbildung zum Anlagemechaniker. Er wohnt bei mir, ich muss auch für ihn sorgen. Das macht die Situation für mich nicht einfacher."

    Als die Mitarbeiterinnen noch im Büro saßen, gab es für Tonya Schulz mehr zu lachen. Sie in Ostheim (Lkr. Rhön-Grabfeld) die Werbeagentur TextDesign.
    Als die Mitarbeiterinnen noch im Büro saßen, gab es für Tonya Schulz mehr zu lachen. Sie in Ostheim (Lkr. Rhön-Grabfeld) die Werbeagentur TextDesign. Foto: Archivbild: Jürgen Haug-Peichl

    Tonya Schulz, Inhaberin einer Werbeagentur in Ostheim vor der Rhön:

    Die 55-jährige Tonya Schulz leitet seit 23 Jahren die Werbe- und PR-Agentur TextDesign in Ostheim (Lkr. Rhön-Grabfeld). Sie und ihre vier Mitarbeiterinnen sind seit drei Wochen im Home-Office - was zumindest bei Schulz wenig Umstände macht, weil sich ihre Agentur in ihrem Wohnhaus befindet. Sie zahle also keine Miete, sagt sie. Betriebswirtschaftlich eine Erleichterung in diesen Tagen.

    Die Kunden der Agentur sind unter anderem touristisch ausgerichtete Unternehmen wie Hotels oder Campingplätze, die mitunter ihre Veranstaltungen über TextDesign betreuen lassen. Der Umsatz der Agentur ist laut Tonya Schulz wegen Corona um die Hälfte eingebrochen. Kurzarbeit habe sie zwar beantragt, aber noch nicht in Anspruch genommen. Schulz hält im Tagebuch fest:

    "Wir arbeiten wie bisher. Ich fange täglich um 8 Uhr an und höre zwischen 18 und 19 Uhr auf. Das mit der Entschleunigung wegen Corona geht an mir vorbei.

    Ich bin den ganzen Tag am Telefonieren mit meinen Kunden. Das ist eigentlich das Schöne an diesen Tagen: Man nimmt sich wieder Zeit, direkt miteinander zu reden.

    Eigentlich lag ein grandioses Jahr vor uns. Die Auftragslage sah toll aus. Und jetzt Corona. Nun bleibt zum Beispiel Zeit, die Kundenstruktur von TextDesign zu analysieren. Für solche Hintergrundarbeiten bleibt sonst kaum Raum.

    Privat: Ich mache so viel Sport wie noch nie. Trotz der immer noch vielen Arbeit. In der Agentur musste ich leider meine Reinigungskraft auf 450-Euro-Basis entlassen. Wenn Corona vorbei ist, werde ich sie aber bestimmt wieder einstellen.

    Die Krise hat vieles in Richtung Online verlagert. Deswegen beschäftigen sich zwei meiner Mitarbeiterinnen zurzeit allein mit Online-Marketing. Wir überstehen die Krise, da bin ich mir sicher."


    Das Online-Tagebuch zur Corona-Krise mit den drei Geschäftsfrauen finden Sie unter www.mainpost.de/im-plus in unserem regionalen Wirtschaftsblog. Dort werden Roder, Bodas und Schulz auch in den kommenden Tagen über ihr Schicksal berichten - egal, welche Wendung es nimmt. 

    Das Corona-Tagebuch ist im Wirtschaftsblog ImPlus zu finden.
    Das Corona-Tagebuch ist im Wirtschaftsblog ImPlus zu finden. Foto: MP-Grafik
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