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    WÜRZBURG

    Diskussion um gerechte Entlohnung

    Geld als Gesprächsstoff: Uni-Professor Thomas Zwick Foto: Jürgen Haug-Peichl

    Zahlreiche Arbeitnehmer schreiben auf Twitter unter dem Stichwort #unleichland, wie viel Geld sie für welche Arbeit erhalten. Auslöser für die Wortmeldungen in dem sozialen Netzwerk ist ein Video des WDR-Projekts „Docupy“. Darin unterhalten sich Schauspieler Lars Eidinger („Tatort“) und Komparsin Nele Glier darüber, wer am Filmset wie viel verdient. Die Komparsin sagt, sie erhalte zwischen 85 und 120 Euro pro Drehtag. Ihren prominenten Kollegen schätzt sie zwischen 2000 bis 5000 Euro. Eidinger mag dies nicht bestätigen: „Wenn ich jetzt sage, was ich verdiene, verhandeln alle mit diesem Wissen.“

    Anlass für das Video mit rund einer halben Million Aufrufe ist das seit einer Woche gültige Entgelttransparenzgesetz. Damit dürfen Mitarbeiter größerer Unternehmen erfahren, was ihre Kollegen im Durchschnitt verdienen. Der Gedanke dahinter: Ungleiche Bezahlung bei vergleichbarer Leistung soll aufgedeckt und abgeschafft werden.

    Seit Veröffentlichung des Videos melden sich Arbeitnehmer auf Twitter zu Wort und schreiben, was sie verdienen. So schreibt Nutzer „MMahrenholz“, nach eigener Aussage Polizeioberkommissar, er erhalte circa 4000 Euro netto inklusive Kindergeld und Zuschlägen. „Das ist fair“, fügt er an. Twitter-Nutzerin „bengta_b“ schreibt, sie sei Erzieherin mit zehnjähriger Berufserfahrung. Brutto verdiene sie 2600 Euro und auf ihrem Konto landeten 1600 Euro. Über ihren Lohn sagt sie: „Ich empfinde ihn als nicht gerecht.“

    Womöglich werde in Zukunft öfter über Lohngerechtigkeit gesprochen werden, meint Thomas Zwick, Inhaber des Lehrstuhls für Personal und Organisation an Universität Würzburg. Durch das neue Gesetz hätten bestimmte Interessensgruppen einen Hebel in der Hand, um belastbare Zahlen von Unternehmen zu erhalten.

    Ob jedoch einzelne Arbeitnehmer davon profitieren können, bezweifelt Zwick. „Das Gesetz ist so eine Art Zwitter.“ Es setze an einer Stelle an, an der es Informationsbedarf gebe. Doch erhielten Arbeitnehmer lediglich gefilterte Daten, nämlich den Median von mindestens sechs Kollegen des anderen Geschlechts aus einer Vergleichsgruppe – die das Unternehmen bestimmt. „Wenn ich was zu verbergen hätte, könnte ich als geschickter Personaler das so hinkriegen, dass das nicht rauskommt.“

    „Die Idee, dass alle den gleichen Lohn bekommen, ist ein Problem“, sagt der Professor. Zwar belegten Studien eine gewisse „Lust an der Diskriminierung“, die Frauen benachteilige. Die sei jedoch „massiv kleiner“ als häufig angenommen. „Es gibt viele gute Gründe für unterschiedliche Bezahlung“, sagt Zwick. Sie käme vor allem durch unterschiedliche Biografien der Arbeitnehmer zustande und wie stark der Arbeitsmarkt zum Zeitpunkt der Einstellung umkämpft sei.

    „Ich halte das Entgelttransparenzgesetz für ein stumpfes Schwert“, so der Arbeitsexperte. Zwar sei die Debatte um das Thema zeitgemäß, doch den Anlass sieht er kritisch: „Das Video mit Eidinger ist ein extrem schlechtes Beispiel, weil es um Einzelpersonen geht, die einen Namen haben oder nicht.“ Da hinkt also der Vergleich – und so ist es nach Meinung des Professors meist, wenn man versuche, Gehälter zu vergleichen.

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