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    Partenstein

    Handyhüllen aus biegsamem Stein aus Partenstein

    Tino Klug und seine Frau Jennifer Weiß aus Partenstein stellen unter der Marke Steinmine Dinge wie Handyhüllen und Magnettafeln aus Stein her. Foto: Björn Kohlhepp

    Auf dem Esstisch von Tino Klug und seiner Frau Jennifer Weiß in Partenstein (Lkr. Main-Spessart) liegen Platzsets aus Schiefer. Man ist geneigt, nur sehr vorsichtig sein Glas darauf abzustellen. Es soll ja nichts kaputt gehen.

    Aber die beiden beruhigen, nehmen eine Platte in die Hand – und biegen sie. Aus demselben Stein mit der verblüffenden Eigenschaft stellt Klug, eigentlich Fliesenlegermeister, seit einem guten Jahr Handyhüllen, kabellose Handyladegeräte oder Magnettafeln her. Die Sachen mit der unregelmäßigen Oberfläche aus Naturschiefer gehen weg wie warme Semmeln.

    Eine Handyhülle und ein kabelloses Ladegeräte aus Schiefer. Foto: Björn Kohlhepp

    Der 31-jährige Klug erzählt, dass er am Anfang von Kollegen in der Fliesenleger- und Natursteinbranche belächelt worden sei. "Das konnte sich keiner vorstellen." Von einem Schiefer mit solchen Eigenschaften hätten diese noch nie gehört. Auch Kunden wunderten sich immer wieder. "Es muss zu den Leuten erst durchdringen, dass er nicht schwer ist und nicht kaputt geht." Wer die Produkte mit der Steinoberfläche einmal erlebt habe, sei begeistert. Entsprechend stolz ist Klug auf seine Entwicklungen.

    Wie der Schiefer biegsam wird

    Die verblüffende Eigenschaft erhalte der etwa 350 Millionen Jahre alte Schiefer, den er aus Indien bezieht, durch eine "raffinierte Abbautechnik", erklärt Klug. Im Grunde handelt es sich bei dem, was er verarbeitet, um ein Art Furnier aus Stein, das sich auf einer Trägermasse befindet.

    Und das wird folgendermaßen hergestellt: Auf eine Schieferplatte trage der Hersteller Harz auf und ziehe es nach dem Erhärten ab. Dabei bleibe die oberste Schieferschicht hängen. Anschließend werde noch ein Vlies aus Baumwolle und Glasfasern aufgebracht. In Indien würden die 1,5 bis zwei Millimeter starken Platten für Wand- und Bodenbeläge verwendet.

    Wie Tino Klug auf die Idee kam

    Auf das Schieferprodukt wurde Klug in einer schlaflosen Nacht im Dezember 2017 aufmerksam. Er hatte sich schon länger überlegt, dass er für die Kunden seines Fliesenlegerbetriebs gerne ein individuelles Weihnachtsgeschenk hätte, das zu seiner Branche passe. Da habe es nichts gegeben. "Ich war etwas frustiert."

    In besagter Nacht nach den Weihnachtstagen setzte er sich an seinen Computer. Er hatte einen Fliesentisch, wie es ihn früher gab, im Kopf, nur etwas moderner. Irgendwie sei er dabei auf die Internetseite des nordindischen Steinherstellers gestoßen.

    Ein Tisch mit Schieferplatte und ein Kopfhörer mit Schiefer. Foto: Björn Kohlhepp

    Der Partensteiner nahm Kontakt mit dem Hersteller auf, ließ sich eine Probe kommen und tüftelte damit herum. Er stellte fest, dass sich das Natursteinprodukt biegen lässt und nicht bricht. Was ließe sich damit anfangen?

    Er überlegte sich, dass eine Magnettafel fürs Büro doch eine Idee wäre. Dazu brauchte er einen passenden Kleber, um das Schiefergestein auf eine Metalltafel kleben zu können. Einige Monate brauchte er, bis es passte. Familie und Bekannte seien begeistert gewesen.

    Klug: Kleine Idee wurde immer größer

    "Die kleine Idee wurde immer größer", erzählt Klug. Er probierte sich an Handyhüllen, ließ sich dabei von einem Hersteller einen Rahmen schicken. Anfangs sägte er sie noch per Hand, später beschaffte er sich eine computergesteuerte Fräsmaschine. Ein Kumpel, der Technischer Zeichner ist, fertigte ihm die Zeichnungen dafür an.

    Auch die Idee mit dem Fließentisch ließ ihn nicht los. Sein Schwiegervater schweißte ihm einen Tischrahmen zusammen, er passte eine Schieferplatte ein. Die Oberfläche des Schiefers versiegelt Klug, damit sie beständig ist und sich reinigen lässt.

    Tino Klug mit einer Schieferplatte, wie er sie für seine Produkte verarbeitet. Foto: Björn Kohlhepp

    Kein halbes Jahr nach seiner Entdeckung im Internet gründete er seine neue Firma, die er, angelehnt an die ehemalige Schwerspatmine in Partenstein, Steinmine nannte. Das Logo der Firma zeigt den Eingang der stillgelegten Mine mit einem Wägelchen auf Schienen.

    Tino Klug beschaffte sich eine Spiegelreflexkamera, fotografierte seine Produkte vor der Mine, bastelte selbst eine Website und startete ein Online-Geschäft. Das Geschäft begann langsam. Ab August 2018 dann bot er seine Produkte auch bei Amazon an. Klug: "Es ging von 0 auf 100, dass die Bestellungen reinkamen." Bis Dezember hatte er 800 Bestellungen für Magnettafeln über Amazon.

    Reklamationen - aber nicht wegen des Steins

    Am Anfang kamen einige beim Transport beschädigte Tafeln wieder zurück. Aber: "Nicht der Stein, sondern der Stahl war verbogen." Mittlerweile verwendet er einen doppelten Kantenschutz.

    Inzwischen verkaufe er im Monat 200 bis 300 Magnettafeln in verschiedenen Größen und mit zehn verschiedenen Schieferarten. Durch die Musterung des Schiefers sei jede ein Unikat. Inzwischen gibt er Bestellungen per WhatsApp an den indischen Hersteller durch.

    Die Herstellung der Schieferprodukte wird immer größer

    Als Fliesenleger habe er gut zu tun. "Ich versuche mir immer mal wieder halbe Tage für die Produktion zu nehmen." Und Abende. Seine Frau hilft bei der Steinmine mit, momentan hat er zudem eine Verpackerin und einen Teilzeitangestellten in der Herstellung. Im wahrsten Sinne des Wortes ist es noch ein Garagenbetrieb.

    Aber derzeit verhandelt Klug darüber, eine Lager- und Produktionshalle mit 400 bis 500 Quadratmetern zu pachten. Er möchte eine Vakuumpresse, eine große Bandsäge und Reinigungsmaschine kaufen. Und voraussichtlich wird er weitere Mitarbeiter brauchen.

    Was Klug noch alles mit dem Schiefer macht

    Die Ideen für neue Produkte gehen dem 31-Jährigen nicht aus.  Zu den Handyhüllen kamen kabellose Handyladegeräte dazu. Einen Prototypen für einen Bluetooth-Kopfhörer mit Schiefer hat er auch schon fertig. Als ein Kunde eine Tafel mit den Worten zurückschickte: "Da halten meine Gewürzdosen nicht", kam er auf die Idee, Schiefertafeln als Gewürzhalter herzustellen – mit Dosen, die er selbst mit stärkeren Magneten versieht. Die Gitarre seines Schwiegervaters hat er auch schon mit Schiefer verkleidet.

    "Ich bin mit Leib und Seele Fliesenleger", sagt Klug. Aber womöglich ziehe er sich im Fliesenlegerbetrieb in Zukunft ins Büro zurück, um mehr Zeit für seine neue Firma zu haben. Und ein Ziel haben Klug und seine Frau: "Wir wollen mal nach Indien fliegen und uns anschauen, wo der Schiefer herkommt." Der Hersteller habe mehrere Steinbrüche dort.

    Tino Klug hat eine Gitarre mit Schiefer verkleidet Foto: Tino Klug
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