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    Würzburg

    Kaufhof-Mitarbeiter streiken mitten im Weihnachtsgeschäft

    Kaufhof und Karlstadt wollen fusionieren. Die Mitarbeiter befürchten Nachteile. Welche das sind, wurde bei einem Streik vor dem Würzburger Kaufhof deutlich.
    Gelöste Stimmung, ernstes Thema: Galeria-Kaufhof-Mitarbeiter aus Würzburg, Schweinfurt, Nürnberg und Erlangen streikten am Donnerstag in der Würzburger Innenstadt. Foto: Thomas Obermeier

    "Weihnachten steht vor der Tür – wir auch!" Mit solchen Sprechchören und einem lauten Trillerpfeifen-Konzert haben rund 140 Mitarbeiter von vier fränkischen Galeria-Kaufhof-Filialen am Donnerstag bei einer Kundgebung in der Würzburger Fußgängerzone auf ihre Forderungen aufmerksam gemacht. Anlass sind die laufenden Tarifverhandlungen der Gewerkschaft ver.di mit dem neuen Galeria-Karstadt-Kaufhof-Konzern.

    Am ganztägigen Streik nahmen am Donnerstag bundesweit Mitarbeiter an 68 Galeria-Kaufhof-Standorten teil. "Ihr wisst, was ihr wert seid. Euer Unternehmen weiß es offenbar nicht mehr", sagte ver.di-Streikleiter Peter König zu den 140 Frauen und Männern aus Würzburg, Schweinfurt, Erlangen und Nürnberg, die sich um elf Uhr vor dem Haupteingang von Galeria Kaufhof in der Schönbornstraße versammelt hatten und eine halbe Stunde später nach Hause gingen. "Ich kann gar nicht so schlecht arbeiten, wie ich bezahlt werde", stand auf dem Schild eines Streikenden aus Erlangen.

    Streik lief bundesweit

    Mit dem bundesweiten Streik, an dem sich auch Filialen von Karstadt Sports und Karstadt Feinkost beteiligt haben, wollten die Mitarbeiter während der Verhandlungen über einen neuen Sanierungstarifvertrag am Donnerstag und Freitag in Köln Druck auf ihren Arbeitgeber ausüben. "Euer Unternehmen wird wahrscheinlich bereits in den kommenden Wochen endgültig mit Karstadt verschmolzen", erläuterte König. "Das könnte dazu führen, dass euch künftig jeden Monat bis zu 350 Euro auf dem Konto fehlen."

    "Wir brauchen eine Beschäftigungsgarantie, eine Mindestbesetzung und müssen zurück zu einem allgemein verbindlichen Tarifvertrag."
    Peter König, Gewerkschaft ver.di

    Die Karstadt-Mitarbeiter haben bereits seit 2012 einen Haus-Tarifvertrag und verdienen deutlich weniger als Kaufhof-Angestellte, denen laut ver.di nach der Verschmelzung ähnlich niedrige Löhne drohen könnten. "Wir wehren uns bei den Verhandlungen deutlich dagegen, dass der Arbeitgeber sich mit seinen Vorstellungen durchsetzen kann", versicherte König.

    Galeria Karstadt Kaufhof hatte in der Vergangenheit bereits eine Lösung vorgeschlagen, die für die Kaufhof-Mitarbeiter nicht ganz so große Einbußen bedeuten und den Karstadt-Beschäftigten sogar mehr Geld bringen würde. Auch ver.di hatte die Bereitschaft zu Zugeständnissen erkennen lassen.

    Der Gehweg war voll, als der Streik vor dem Kaufhof in Würzburg lief. Foto: Thomas Obermeier

    Doch sind die Positionen der beiden Seiten offenbar noch weit voneinander entfernt. Das gilt nicht nur für die künftige Lohnhöhe, sondern auch für die Frage, wie lange ein neuer Sanierungstarifvertrag gelten soll.

    Gibt es noch weitere Streiks in der Weihnachtszeit?

    Eigentümer von Galeria Karstadt Kaufhof ist die Signa-Gruppe des österreichischen Immobilien-Investors René Benko, der in diesem Jahr bereits das Chrysler-Building in New York, 180 Filialen des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook und den Münchner Sport Scheck samt Onlinehandel gekauft hat. "Benko ist Milliardär. Er muss endlich seinen Geldbeutel aufmachen und euch angemessen bezahlen", forderte Peter König.

    Kaufhof-Kassen waren am Donnerstag trotzdem besetzt

    Er könne sich nicht erinnern, dass im Einzelhandel jemals so kurz vor Weihnachten gestreikt wurde. "Es kann sogar sein, dass wir in der nächsten Woche noch mehr Gas geben müssen. Wir brauchen eine Beschäftigungsgarantie, eine Mindestbesetzung in allen Häusern und müssen zurück zu einem allgemein verbindlichen Tarifvertrag", so der ver.di-Sekretär.

    In der Galeria Kaufhof in Würzburg war zumindest am Vormittag vom Streik nichts zu spüren – alle Kassen waren besetzt, die Kunden wurden bedient, es gab keine Wartezeiten.

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