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    Schweinfurt / München

    Metalltechnik Kritzner: Expansion dank stiller Beteiligung

    Weiß, was er an der BayBG hat: Der Schweinfurter Unternehmer Thomas Kritzner (Zweiter von rechts) hat mit ihr die Expansion seines Metalltechnik-Betriebes in Schweinfurt ermöglicht. Das hören die BayBG-Vertreter Alois Bösl (links) und Franz Ostermaier (rechts) gerne. Hinten Ausbildungsleiter Reinhold Zaske. Foto: Anand Anders

    Will ein Unternehmen wachsen, braucht es dafür oft Kapital. Kredite sind ein Weg, um an Geld zu kommen. Doch es geht auch anders, wie das Beispiel von Kritzner Metalltechnik in Schweinfurt zeigt. Das Unternehmen mit seinen 130 Mitarbeitern hat seit vier Jahren eine Teilhaberin an Bord, die im wahrsten Sinn des Wortes still ist: die Bayerische Beteiligungsgesellschaft (BayBG) in München. Still, weil dieses unter anderem von Banken und Handwerkskammern im Freistaat getragene Unternehmen in den vergangenen 45 Jahren Millionen in andere Unternehmen gesteckt hat – meistens in Form von stillen Beteiligungen.

    Wie viel Geld Kritzner von der BayBG bekommen hat...

    Insgesamt 310 Millionen Euro in 500 Firmen sind es nach BayBG-Angaben derzeit. 850 000 Euro sind es im Fall Kritzner. 2015 kam der Kontakt zwischen beiden Seiten zustande. Bis 2027 muss der Schweinfurter Betrieb das Geld in zwei Tranchen zurückzahlen. Umsonst ist die BayBG-Stütze natürlich nicht: Hinzu kommt eine Gewinnbeteiligung, mit der sich die Münchener – wie in ähnlichen Fällen – ihre Unterstützung bezahlen lassen.

    ...und wie viel ihn das kostet

    Das mache am Ende acht bis zehn Prozent der Beteiligungssumme aus, erklärt Geschäftsführer Thomas Kritzner. So gesehen sei die stille Beteiligung teurer als ein klassischer Kredit von der Bank. Den Vorteil sieht der gelernte Bankkaufmann freilich woanders: Die stille Beteiligung habe die Eigenkapital-Quote seines Unternehmens von 25 auf 50 Prozent erhöht. "Das bringt Ruhe rein."

    Das ist dem heute 58-Jährigen schon deshalb wichtig, weil sein Unternehmen fünf turbulente Jahre hinter sich hat. 2014 kaufte Kritzner die Lohnfertigung aus der von seinem Jugendfreund Dieter Pfister geführten Unternehmensgruppe Maincor heraus, die einige Monate davor insolvent geworden war. Aus dieser Lohnfertigung machte Kritzner sein heutiges Unternehmen.

    Wie der Kontakt zustande kam

    Was mit 65 Beschäftigten und 7,5 Millionen Eur0 Jahresumsatz startete, wuchs schnell: Heute hat Kritzner doppelt so viele Mitarbeiter und macht 13,5 Millionen Umsatz. Doch das Wachstum bedeutete auch, dass der Unternehmer eifrig in neue Maschinen investieren musste – bis heute sechs Millionen Euro. Ein Kraftakt, der ihm schon 2015 klar gemacht habe: Frisches Kapital muss her.

    "Das hätte ich ohne die BayBG nicht machen können."
    Thomas Kritzner über die Expansion seines Unternehmens

    Also besann er sich der BayBG, die er noch aus seiner Zeit bei der Bank kannte. Die BayBG ist seither so etwas wie die gute Fee für Kritzner: Gibt Geld, lässt ihn aber in seinen Entscheidungen in Ruhe. Das liegt in der Natur einer stillen Beteiligung, bringt den Schweinfurter Unternehmer aber auch zu der Erkenntnis: Die Expansion seines Betriebes "hätte ich ohne BayBG nicht machen können".

    Freilich ist die gute Fee nicht von der Caritas, Sicherheit muss schon sein. So hat Kritzner jeden Monat alle wichtigen Zahlen seines Unternehmens zur Kontrolle nach München zu schicken. Dort muss er zudem große Investitionen melden, die ungeplant anstehen.

    Wie sich die BayBG absichert

    Auf diese Weise wolle die BayBG auf dem Laufenden bleiben, erklären Prokurist Alois Bösl und Investmentmanager Franz Ostermaier. Beide sind von München aus für Unterfranken zuständig, wo die BayBG an 35 Unternehmen beteiligt ist und bereits so namhafte Adressen wie die mittlerweile börsennotierte va-Q-tec AG in Würzburg unterstützt hat.

    Bösl und Ostermaier waren es auch, die 2015 mit einem Team den BayBG-Einstieg bei Kritzner prüften. Vier Wochen habe dieser Prozess inklusive eines Besuchs im Betrieb gedauert, so Ostermaier. In diesem Zusammenhang hatte Kritzner unter anderem den aktuellen Jahresabschluss und einen Businessplan vorzulegen.

    Warum die BayBG keinen Druck hat

    Die Beteiligung an Unternehmen wie Kritzner steht für die BayBG auch unter einem anderen Aspekt: "Wir haben nicht den Renditedruck wie andere Kapitalgeber", sagt Prokurist Bösl. Dass sich eine Beteiligung als Rohrkrepierer erweist, weil das entsprechende Unternehmen baden geht, komme zwar vor, sei aber selten. Die Ausfallquote liegen zwischen drei und vier Prozent, so Bösl.

    Für den Thomas Kritzner hat die BayBG-Teilhabe einen weiteren Vorteil: Da sie seine Eigenkapitalquote erhöht hat, sei auch die Bonität seines Unternehmen gestiegen. Das mache sich bei Banken immer gut. Wer weiß: Vielleicht braucht er ja doch mal einen klassischen Kredit.

    BayBG und stille Beteiligungen
    Die BayBG ist eine GmbH in München, die unter anderem von der Bank Schilling (Hammelburg), der Flessa-Bank (Schweinfurt), der Bayern LB, dem Dachverband Bayerischer Handwerkstag, der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft und der LfA Förderbank Bayern getragen wird. Über diese LfA als Anstalt des öffentlichen Rechts steckt der Freistaat in der 1974 gegründeten BayBG. Sie hat zum Zweck, Unternehmen in Bayern (und teilweise darüber hinaus) beim Start, Wachstum oder nach Krisen sowie bei der Nachfolgefrage finanziell zu helfen. Sie tut das häufig in Form von stillen Beteiligungen.
    Stille Beteiligungen oder stille Einlagen: Hier treten Investoren nach außen nicht in Erscheinung, obwohl sie über mehrere Jahre hinweg Geld in ein anderes Unternehmen stecken und an deren Gewinn beteiligt sind. Gesellschaftsanteile bekommt der stille Teilhaber nicht. Deshalb wird der unterstützte Unternehmer in seiner Entscheidungsfreiheit vom stillen Teilhaber nicht beeinträchtigt. Die stille Einlage wird in der Bilanz wie Eigenkapital behandelt. Bei diesen Beteiligungen spricht man auch von Mezzanine-Finanzierung.
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