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    Würzburg

    Unterfränkische Unternehmen sind in Krisenstimmung

    Immerhin die unterfränkischen Handwerksbetriebe kommen angesichts der schwächelten Wirtschaft gut davon. Foto: Jens Büttner, dpa (Symbolbild)

    Über der regionalen Wirtschaft ziehen dunkle Wolken auf. Schon seit Monaten trübt sich die Konjunktur deutschlandweit ein. Besonders Automobilzulieferer und Maschinenbauer, zwei große Standbeine der mainfränkischen Industrie, geraten zunehmend ins Wanken.

    Auch in der Region ist immer häufiger von Kurzarbeit und möglichem Stellenabbau die Rede, unter anderem bei Bosch Rexroth, Wenzel und ZF. Nachdem es wirtschaftlich jahrelang bergauf ging, ständen nun unruhigere Zeiten bevor, bestätigt die turnusmäßige Konjunkturanalyse, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt für den Herbst herausgegeben hat. "Die mainfränkische Wirtschaft tritt kräftig auf die Bremse", fasst Elena Fürst, IHK-Referentin für Konjunktur und Statistik, die Ergebnisse der Umfrage zusammen. Für die Analyse befragte die IHK 757 mainfränkische Unternehmen, 274 haben geantwortet.

    Die Stimmung der Unternehmen misst die IHK mit dem "Konjunkturklimaindikator". Dieser ist seit dem Beginn des Vorjahres vom Spitzenwert von 134,4 Punkten kontinuierlich gesunken. Aktuell hat er mit 110 Punkten den tiefsten Stand seit 2010 erreicht. Noch scheint die Krise jedoch ganz am Anfang zu stehen.

    Mit der aktuellen Lage sind viele Betriebe durchaus zufrieden. So gaben 42 Prozent der befragten Unternehmen an, ihre Geschäftslage sei gut, weitere 49 Prozent sind immerhin zufrieden. Besonders die Geschäfte im Baugewerbe sowie bei den Dienstleistern und Händlern laufen nach wie vor gut. 

    Düstere Stimmung in der heimischen Industrie

    Das Sorgenkind ist die heimische Industrie. Die Betriebe beurteilen ihre aktuelle Lage aufgrund der zurückgehenden Aufträge wesentlich schlechter als im Vorjahr. Und das scheint erst der Beginn einer Talfahrt zu sein. Denn während 17 Prozent der befragten Unternehmen davon ausgehen, dass sich die Geschäfte in der nächsten Zeit verbessern werden, sind mit 34 Prozent doppelt so viele gegenteiliger Meinung. Schuld sind vor allem internationale Entwicklungen: Handelskonflikte und Zölle, der ungeklärte Brexit, aber auch die Energie- und Mobilitätswende hinterlassen gemäß der Analyse deutliche Spuren.

    Aber nicht nur der Industrie stehen stürmische Zeiten bevor. Branchenübergreifend blicken 28 Prozent der heimischen Unternehmen den kommenden zwölf Monaten skeptisch entgegen. "Die Unternehmen rechnen in allen Absatzmärkten mit einer rückläufigen Nachfrage, das Chinageschäft wird hierbei besonders skeptisch eingestuft", so Elena Fürst. Eine wichtige Stütze sei deshalb weiterhin die Binnennachfrage.

    Handwerk trotzt der schwachen Konjunktur

    Sonnigere Aussichten hat nur das regionale Handwerk. Nicht nur die aktuelle Geschäftslage bewerten über 90 Prozent der unterfränkischen Unternehmen als gut oder befriedigend. Auch für das kommende Quartal rechnen etwa 89 Prozent der Handwerksbetriebe mit einer stabilen oder verbesserten Lage, geht aus der Konjunkturanalyse der Handwerkskammer für Unterfranken zum dritten Quartal hervor.

    "Das unterfränkische Handwerk wirkt stabilisierend innerhalb der unterfränkischen Gesamtwirtschaft", sagt Ludwig Paul, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Unterfranken. Besonders gut stehe das Bau- und das Ausbaugewerbe da, die zusammen in etwa die Hälfte der rund 18 500 Handwerksbetriebe in Unterfranken abbilden. Die Auftragsbücher der Branche sind voll und auch im kommenden Quartal rechnen die Betriebe mit einer anhaltend hohen Auslastung. Die hohe Baunachfrage gilt als Zugpferd des regionalen Handwerks und wirkt sich positiv auf die Geschäftslage der anderen Branchen aus. Dazu kommen niedrige Zinsen und eine weiterhin hohe Konsumbereitschaft.

    Kaum Stellenabbau geplant

    Und die Arbeitnehmer? Trotz der düsteren Aussichten in den übrigen Wirtschaftszweigen stehen gemäß der IHK-Konjunkturanalyse bisher nur in wenigen Fällen Arbeitsplätze auf dem Spiel. „Bislang sieht die breite Masse der mainfränkischen Unternehmen keinen Anlass, Stellen zu streichen, da die vorhandenen Personalkapazitäten dem aktuellen Bedarf entsprechen", sagt Fürst. Die Betriebe setzen vor allem auf flexible Arbeitszeitmodelle, um auf die schwächere Nachfrage zu reagieren, so die Konjunkturexpertin der IHK.

    Kurzarbeit zögen hingegen nur sieben Prozent der befragten Unternehmen in Betracht. Da der Fachkräftemangel aus Sicht der Unternehmen nach wie vor als größtes Konjunkturrisiko gilt, stellen einige Arbeitgeber sogar über ihren eigentlichen Bedarf hinaus ein.

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