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    Schweinfurt

    ZF-Konzern unter Druck: Unruhe am Standort Schweinfurt

    ZF-Konzernchef Wolf-Henning Scheider kann die 50 000 deutschen Arbeitsplätze nicht garantieren. Das sorgt am Standort Schweinfurt für Unruhe. Wohin steuert der Konzern?
    5000 Mitarbeiter von ZF demonstrierten Mitte der Woche vor der Konzernzentrale in Friedrichshafen gegen drohende Stellenstreichungen. Auch am ZF-Standort Schweinfurt herrscht Unruhe. Foto: Kerstin Mommsen

    Bei den Mitarbeitern der ZF Friedrichshafen AG nimmt die Verunsicherung zu. Der Konzern hat Sparmaßnahmen angekündigt und der Vorstandsvorsitzende Wolf-Henning Scheider meinte in einem Interview, dass es schwierig werden könnte, alle 50 000 Arbeitsplätze in Deutschland zu halten. Dafür machte er steigende Entwicklungskosten, teure Investitionen und mögliche Zölle verantwortlich, die sich auf den Export auswirken könnten.

    ZF-Betriebsrat äußert sich kritisch

    Nach Angaben des Schweinfurter Betriebsratsvorsitzenden Oliver Moll wurden dem Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrats nähere Angaben verweigert. Das sei der Versuch, "uns hinzuhalten".

    ZF-Vorstandschef Wolf-Henning Scheider befürchtet, dass im Konzern Stellen wegfallen müssen. Das hat auch am Standort Schweinfurt für Unruhe gesorgt. Foto: Felix Kästle, dpa

    Daraufhin sei eine konzertierte Aktion an allen ZF-Standorten beschlossen worden. Am Sitz des Unternehmens in Friedrichshafen gingen 5000 Mitarbeiter auf die Straße. Dabei wurde unter anderem kritisiert, dass sich niemand aus dem Management den Demonstranten stellen wollte.

    Info-Treffen der Belegschaft in Schweinfurt

    In Schweinfurt fanden am Mittwoch in allen drei Schichten und Werken Informationsveranstaltungen statt. Sie seien sehr gut besucht gewesen. Moll führt das auf die Flut von Gerüchten zurück, die in den vergangenen Tagen durch die Werkshallen und Büros schwappten. Die Info-Veranstaltungen sollten auch dazu dienen, diesen Gerüchten entgegenzuwirken, sagt Moll. Das sei ihm und seinem Stellvertreter Klaus Kern gelungen. Von einem Interessensausgleich oder gar Sozialplan sei man weit entfernt.

    Derzeit müssen die Mitarbeiter ihre Arbeitszeitkonten zurückfahren. Außerdem wurden 40-Stunden-Verträge gekündigt. Es geht in der Regel zurück auf 35 Stunden pro Woche, was natürlich zu niedrigeren Löhnen und Gehälter führt.

    Im ZF-Konzern macht sich offenbar Angst breit

    Bei der Demonstration in Friedrichshafen betonte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Achim Dietrich, dass ein nachhaltiger Erfolg wichtiger sei als der kurzfristige Profit. Im Unternehmen mache sich ein Klima der Angst breit.

    Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen hatte Finanzchef Konstantin Sauer die Halbierung des Gewinns gemeldet und von Umsatzzahlen deutlich unter den Erwartungen gesprochen. Ein ZF-Sprecher hat inzwischen betont, dass es ein konzernweites Restrukturierungsprogramm nicht gebe. Das Unternehmen wolle die festangestellten Mitarbeiter halten.

    Was die Elektromobilität bewirkt

    Der Schweinfurter Betriebsratschef Moll räumt ein, dass die Situation schwierig sei. Gerade darum brauche man klare Aussagen des Managements - beispielsweise über die künftige Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland und über Produkte, die weiter in Deutschland gefertigt werden sollen. Auf lokaler Ebene sei der Dialog zwischen Betriebsrat und Management gut.

    Die Verlagerung von einfacheren und nicht mehr konkurrenzfähigen Produkten, wie Stoßdämpfer, nach Osteuropa wird hier durch den Aufbau der Elektromobilität kompensiert. Das heuer in Schweinfurt in Betrieb genommene Zentrum der E-Mobility platzt inzwischen schon wieder aus allen Nähten. Der Bedarf an weiteren Entwicklungsingenieuren ist nach wie vor groß.

    ZF ist einer der größten Automobilzulieferer weltweit und mit fast 10 000 Beschäftigten in Schweinfurt einer der größten Arbeitgeber in Mainfranken. Der Konzern fokussiert sich in jüngster Zeit stark auf Elektro- und Hybridantriebe.

    Mitarbeit: aug

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