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    WÜRZBURG

    Zehn Jahre Lehman-Pleite: Mainfrankens Wirtschaft erholt

    Die Investmentbank Lehman Brothers hat Wurzeln in Unterfranken und war mit ihrer Deutschlandzentrale in Frankfurt vertre... Foto: Frank Rumpenhorst, dpa

    Was viele Standbeine hat, fällt nicht so leicht um. So lässt sich die Tatsache beschreiben, dass die Finanzkrise in den Jahren ab 2008 die Wirtschaft in Mainfranken nicht in den Abgrund riss.

    In der Tat sind die Bereiche Industrie, Handel und Dienstleistung in der Region breit aufgestellt, eine alles dominierende, krisenanfällige Säule gebe es nicht. Das sei eine „gesunde Mischung“, meint Bereichsleiter Sascha Genders von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt.

    Experte: Wieder auf Niveau von 2008

    Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite in den USA als Auslöser der weltweiten Finanzkrise hat Genders ermittelt, dass sich die mainfränkische Wirtschaft damals schnell erholte. Nach einer deutlichen Delle in 2009 habe sich das regionale Bruttoinlandsprodukt schon 2010 wieder auf das Niveau von 2008 – also kurz vor Ausbruch der Krise – eingependelt. 2017 lag diese volkswirtschaftlich wichtige Kennzahl schließlich um ein Viertel über dem Wert von 2008. Die Zahl der Arbeitslosen ging in Mainfranken in dieser Zeit um 23 Prozent zurück, das Exportvolumen der regionalen Industrie stieg um fast 5 Prozent.

     

     

    Unternehmen gaben permanent Gas

    Das lässt den Schluss zu, dass die 75 000 der IHK angeschlossenen Unternehmen seit der Finanzkrise fast permanent Gas gegeben haben. Was laut Genders auch an den jährlichen Konjunkturumfragen der Kammer abzulesen sei: Demnach stieg der Konjunkturklimaindex nach einem deutlichen Minus unmittelbar nach Ausbruch der Finanzkrise bis heute in der Tendenz deutlich an. Der Index drückt aus, wie die Betriebe ihre Geschäftslage einschätzen.

    Noch besser ohne Krise? Geht nicht

    Seit Monaten melden IHK und Handwerkskammer, dass es den Unternehmen in Mainfranken exzellent gehe. Von Rekordzahlen bei den Geschäften ist die Rede. Dass es ohne die Finanzkrise noch besser laufen würde, „glaube ich nicht“, so Genders. Denn irgendwann sei in den Betrieben ja das Ende der Fahnenstange erreicht, was die Auslastung angeht.

    Freilich herrscht zehn Jahre nach der Lehman-Pleite nicht überall Sonnenschein über der mainfränkischen Wirtschaft. Vor allem der immer größer werdende Fachkräftemangel scheint ein kaum lösbares Problem zu sein und zieht in der Region einen volkswirtschaftlichen Milliarden-Schaden nach sich.

    Lehman und Unterfranken

    Die Finanzkrise ab 2008 hat einen besonderen Bezug zu Unterfranken: Die jüdischen Urväter der Investmentbank Lehman Brothers stammten aus Rimpar bei Würzburg. Henry, Emanuel und Mayer Lehman waren Mitte des 19. Jahrhunderts von dort in die USA ausgewandert, wo sie in Alabama einen Gemischtwarenladen eröffneten. Später stiegen sie in den Baumwollhandel ein. Aus dem Geschäft wurde im 20. Jahrhundert in New York die Investmentbank Lehman Brothers – eine der bedeutendsten ihrer Art weltweit. Der ehemalige Main-Post-Redakteur Roland Flade hat über die außergewöhnliche Geschichte der Familie ein Buch geschrieben: „The Lehmans: From Rimpar to the New World“ (Verlag Königshausen & Neumann, 1999/2001). (aug)

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