• aktualisiert:

    Wiesbaden

    Bierabsatz in Deutschland schwächelt

    Bierabsatz
    Langfristig hält in Deutschland der Trend zu einem geringeren Bierkonsum an. Foto: Friso Gentsch

    Katerstimmung in der deutschen Bierbranche: In den ersten sechs Monaten haben die Brauereien und Lager so wenig Bier in einem Halbjahr verkauft wie noch nie seit der Wiedervereinigung.

    Der Absatz sank in der Jahresfrist um 2,7 Prozent auf rund 4,6 Milliarden Liter, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Anders ausgedrückt: Der deutschen Brauindustrie fehlt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bereits der Verkauf von 13,4 Millionen Kästen Bier.

    Ein Teil des Absatzrückgangs war vorhersehbar, denn das Vorjahr hatte mit einem Jahrhundertsommer und der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer sehr gute Rahmenbedingungen für einen erhöhten Bierkonsum. Dass gleichwohl 2018 mengenmäßig nur das zweitschwächste Bierjahr herauskam, zeigte bereits die ernüchternde Richtung für die folgenden Jahre und wurde in der Branche als Alarmsignal gewertet.

    Im ersten Halbjahr 2019 schwächelte der Absatz wie erwartet in nahezu allen Bereichen: Das überragend wichtige Inlandsgeschäft (minus 2,7 Prozent) fiel ebenso zurück wie der Export in die EU-Staaten (minus 6,1 Prozent) und die steuerfreie Abgabe des so genannten Haustrunks an die Beschäftigten der Brauereien (minus 3,0 Prozent).

    Lediglich der mit 387 Millionen Litern vergleichsweise kleine Export nach Übersee legte um 1,7 Prozent zu. Die verschiedenen Biermischungen machten knapp 5 Prozent der Gesamtmenge aus und gaben mit einem Minus von 1,5 Prozent nicht ganz so stark nach.

    „Bis April war die Welt für die deutschen Brauer noch in Ordnung, bevor die Absätze in den Keller gingen”, sagt Veltins-Chef Michael Huber. Im kühlen Mai und im fußballfreien Juni mussten die Brauer jeweils Absatzrückgänge von um die 10 Prozent hinnehmen.

    Trotz wieder besserer Zahlen im Juli stellt sich der Veltins-Manager auf schwierige Zeiten ein: „Es wird ein beinhartes zweites Halbjahr werden, in dessen Verlauf es der deutschen Brauindustrie kaum gelingen dürfte, die verlorene Menge aufzuholen.”

    Langfristig hält in Deutschland der Trend zu einem geringeren

    Bierkonsum an. Daran ändert auch die zuletzt auf 1659 gestiegene Zahl der amtlich registrierten Braustätten wenig, denn die Neueröffnungen sind in der Regel kleine handwerkliche Betriebe mit geringen Mengen.

    Bekannte Gründe für den sinkenden Pro-Kopf-Verbrauch (2018: 94,2 Liter) sind das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung und ein aus Gesundheitsaspekten allgemein reduzierter Alkoholkonsum. Davon wird aber beispielsweise Wein nicht erfasst, von dem nach Angaben des Deutschen Wein-Instituts seit Jahren konstant rund 2 Milliarden Liter jährlich konsumiert werden.

    Nach Recherchen des Branchendienstes „Inside” haben sich die führenden Biermarken sehr unterschiedlich entwickelt. Nur wenige, zuvor gebeutelte Marken wie Warsteiner oder Hasseröder gewannen leicht Marktanteile hinzu, während Marktführer Krombacher wie die Verfolger Bitburger und Veltins Mengenverluste zwischen 2 und 3 Prozent hinnehmen mussten. Die meisten Unternehmen haben aber Preissteigerungen durchgesetzt. Am stärksten verlor der Billiganbieter und Marktzweite Oettinger, dessen Absatz laut Inside um 9,5 Prozent absackte.

    Der Deutsche Brauer-Bund weist auf die alkoholfreien Sorten hin, die sich zu einem bedeutenden Wachstumsmarkt entwickelt hätten, aber nicht von der Steuerstatistik erfasst werden. Anfang Mai lag der Absatz um 6,5 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, wie der Verband berichtet. Der Marktanteil beträgt etwa 7 Prozent. „Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor, doch ist damit zu rechnen, dass die positive Entwicklung in diesem Segment anhält und in Zukunft jedes zehnte in Deutschland gebraute Bier alkoholfrei sein wird”, sagt dazu Brauer-Bund-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele.

    Erfahren Sie jeden Donnerstag, was Sie über Mainfrankens Wirtschaft wissen sollten:
    jetzt ImPlus-Newsletter kostenfrei abonnieren!

    Von Christian Ebner, dpa

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!