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    BERLIN

    Das E-Auto kommt langsam in Fahrt

    Der Plan wird in Kürze zehn Jahre alt und darf getrost als gescheitert gelten. Am 19. August 2009 legte die Bundesregierung den „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität“ vor. Das Ziel: Bis 2020 mindestens eine Million Elektrofahrzeuge auf der Straße zu haben. Die Realität sieht allerdings ganz anders aus. Denn Anfang des Jahres gab es nach neuesten verfügbaren Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes erst rund 83 000 Elektro-Autos in Deutschland. Dazu kommen 341 000 Hybrid-Pkw sowie 67 000 Plug-in-Hybridfahrzeuge.

    Mittlerweile dürften eine halbe Million E-Autos unterwegs sein. Dass bis 2020 noch einmal so viele dazukommen, ist aber unrealistisch. Schwarz-Rot war damals mit seiner Zielsetzung viel zu weit vorgeprescht und trägt angesichts seiner aufgeladenen Zukunftsversion eine gehörige Portion Mitschuld daran, dass Elektromobilität in Deutschland heute vor allem unter dem Aspekt des Scheiterns diskutiert wird. So auch beim sogenannten Autogipfel, bei dem Kanzlerin Angela Merkel gerade mit Politikern, Branchenvertretern und Gewerkschaftern über die Zukunft des für Deutschland so wichtigen Industriezweigs geredet hat.

    Noch zählen Autos zu den großen Dreckschleudern

    Neben Themen wie Absatzflaute und Diesel-Affäre stand die Elektromobilität auf der Tagesordnung. Für die Rettung des Klimas muss der CO2-Ausstoß drastisch gesenkt werden – und da gehören elektrische Pkw mit ins Portfolio. Autos zählen zu den großen Dreckschleudern, der Pkw-Verkehr macht laut einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes im Bundestag rund 14 Prozent der CO2-Emissionen aus. Elektroantriebe sind deutlich sauberer – vorausgesetzt natürlich, Strom und Batterien wurden sauber produziert.

    Ziemlicher Quatsch ist die Behauptung, die deutsche Autoindustrie sei bei der Elektromobilität abgehängt. Die Hersteller fahren bei Innovationen und Marktanteilen ganz vorne mit, wenn auch noch überwiegend im Premium-Bereich. Also mit Autos, die sich Otto Normalverbraucher nicht zwingend leisten kann.

    Die Bundesregierung hat hier allerdings schon reagiert und beispielsweise die Kaufprämie von 4000 Euro für rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge und 3000 Euro für Plug-in-Hybride bis Ende 2020 verlängert. Der Zuschuss macht aus einem BMW i3 oder einem Audi e-tron immer noch keinen billigen fahrbaren Untersatz. Bei Fahrzeugen wie dem e.Go Life mit Preisen ab 16 000 Euro sieht die Sache schon anders aus.

    In den letzten zwölf Monaten stiegen die Zulassungszahlen

    Reagiert wurde zudem beim wichtigen Dienstwagen-Markt. Wer seinen Firmenwagen auch privat nutzt, muss seit Januar unter bestimmten Voraussetzungen nur 0,5 Prozent statt 1 Prozent des geldwerten Vorteils versteuern.

    Es geht also voran, und die deutschen Autofahrer sind mit von der E-Partie. Nachdem sich jahrelang bei den Elektroautos wenig tat, explodierten die Zulassungszahlen im Vergleich von Januar 2018 zu Januar 2019 förmlich – nämlich um 54 Prozent bei Elektro- und um 44 Prozent bei Hybridfahrzeugen. Noch fehlt es allerdings vor allem in den großen Städten an Ladesäulen, noch dauert das Aufladen mancherorts viel zu lange. Doch daran wird gearbeitet.

    Wem das alles nicht schnell genug geht, sollte sich eines vor Augen halten: E-Autos sind nicht einfach nur eine Weiterentwicklung herkömmlicher Modelle. Sie setzen komplett neue Entwicklungen, neue Denkweisen und neue Infrastrukturen voraus. Der Aufwand ist enorm. Vergleichbar ist er höchstens mit der Erfindung des ersten Autos. Bis das so richtig in die Gänge kam, brauchte es auch Geduld.

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