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    Nürnberg

    Mehr Arbeitslose als vor einem Jahr

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    Das Logo der Bundesagentur für Arbeit. Foto: Felix Kästle/dpa

    Die Zeit der Beschäftigungsrekorde ist vorbei. Die schwache Konjunktur lässt die Arbeitslosigkeit zum Jahresende so stark steigen wie seit langem nicht mehr. Doch zu einem viel größeren Problem werden 2020 die fehlenden Arbeitskräfte.

    „Unsere Wachstumsbremse ist das Erwerbspersonenpotenzial”, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, in Nürnberg. Dieses steige so gut wie gar nicht mehr.

    2019 war nach Angaben von Scheele das Jahr, in dem die Arbeitslosigkeit im Durchschnitt so gering wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr war. Doch: „Im Jahresverlauf trübte sich die Lage ein”, sagte Scheele. Das machte sich vor allem zum Jahresende bemerkbar. Im Dezember erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 47.000 auf 2,227 Millionen , die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 4,9 Prozent.

    Ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen ist zu dieser Jahreszeit wegen der Winterpause üblich. Erstmals seit sechs Jahren lagen diese aber auch im Vergleich zum Vorjahresmonat höher, und zwar um 18.000. Zuletzt war das während der EU-Finanzkrise vorgekommen. „2019 war ein anderes Jahr als 2018. Wir haben erstmals gesehen, dass die Bäume nicht mehr in den Himmel wachsen”, sagte Scheele mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung. Der Arbeitsmarkt habe sich jedoch von der Konjunktur abgekoppelt - und sei stabil geblieben. „Wir gucken relativ optimistisch in die Zukunft.”

    Ähnlich sieht es die staatliche KfW-Bank. Sie prognostiziert für 2020 nur einen leichten Anstieg der Arbeitslosenzahl um 50.000. Auch die Zahl der Erwerbstätigen werde weiter steigen, allerdings nicht mehr so stark, sagte Ökonom Martin Müller - jedoch unter Vorbehalt. „Die Risiken für Rückschläge sind beträchtlich.” Dazu zählen aus seiner Sicht der Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie der Brexit.

    Den Arbeitsmarktexperten bereitet vor allem der Fachkräftemangel Sorgen. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den Ruhestand, es kommen weniger Junge nach. Ältere Menschen arbeiten heute bereits länger und mehr Frauen sind berufstätig. Im Oktober 2019 war die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten auf fast 34 Millionen gestiegen, mit einem Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat aber nicht mehr so stark wie in den Jahren zuvor.

    Eine wichtige Rolle spielte dabei die Zuwanderung. „Der Beschäftigungszuwachs geht zu deutlich mehr als die Hälfte auf ausländische Staatsbürger zurück”, sagte Bundesagentur-Vorstand Daniel Terzenbach. Bundesagentur-Chef Scheele setzt deshalb auf das Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Dieses tritt im März in Kraft und soll qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten den Weg nach Deutschland erleichtern.

    „Wir brauchen aber auch alle andere Stellschrauben, an denen wir gemeinsam drehen”, betonte Scheele. Neben der Zuwanderung sei es wichtig, Arbeitnehmer fortzubilden, Arbeitslose zu qualifizieren, Jugendliche gut zu beraten und den Übergang von Schule zu Beruf zu verbessern. „Einen Königsweg gibt es nicht.” So eine Stellschraube ist das Teilhabechancengesetz, das seit Anfang 2019 Arbeitgeber bezuschusst, die Langzeitarbeitslose einstellen. Im Dezember lag die Zahl der Geförderten bei 48.000.

    Die schwache Konjunktur wirkt sich auch auf die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern aus. Im Dezember waren 687.000 offene Stellen bei der Bundesagentur gemeldet, 95.000 weniger als vor einem Jahr. „Die Unternehmen fahren auf Sicht, was die Einstellungen betrifft”, sagte Scheele. Der Stellenindex, der auf aktuellen und tatsächlichen Stellengesuchen von Unternehmen beruht, sank im Laufe des Jahres 2019 kontinuierlich. Im längerfristigen Vergleich liegt die Nachfrage aber nach wie vor auf hohem Niveau.

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