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    Frankfurt / Main

    EZB: Keine Gewinnausschüttung 2020 wegen Corona-Krise

    EZB       -  Banken sollten bis Anfang 2021 keine Dividenden ausschütten, rät die EZB.
    Banken sollten bis Anfang 2021 keine Dividenden ausschütten, rät die EZB. Foto: Boris Roessler/dpa

    Kredite statt Dividenden: Banken im Euroraum sollen nach dem Willen der Aufseher wegen der Corona-Krise in diesem Jahr keine Gewinne ausschütten.

    Auch auf Aktienrückkäufe sollen die Institute möglichst bis zum 1. Januar 2021 verzichten, mahnten die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) am Dienstag. Ziel des Dividendenstopps ist, die Fähigkeit der Geldhäuser zu stärken, mögliche Verluste infolge der Pandemie zu verkraften und ausreichend Mittel für die Kreditvergabe an Privatleute und Firmen zu haben.

    „Der Aufbau starker Kapital- und Liquiditätspuffer seit der letzten Finanzkrise hat es den Banken in dieser Krise ermöglicht, weiterhin Kredite an private Haushalte und Unternehmen zu vergeben und damit zur Stabilisierung der Realwirtschaft beizutragen”, begründete der Chef der EZB-Bankenaufsicht, Andrea Enria, die Verlängerung des Dividendenstopps um drei Monate. „Umso wichtiger ist es, die Banken zu ermutigen, ihre Kapital- und Liquiditätspuffer jetzt zu nutzen, um sich weiterhin auf diese übergeordnete Aufgabe zu konzentrieren: die Kreditvergabe.”

    Bislang hatte die EZB an Banken appelliert, mindestens bis zum 1. Oktober dieses Jahres keine Dividenden an ihre Aktionäre auszuzahlen. Viele Banken strichen in der Folge geplante Gewinnausschüttungen für das Geschäftsjahr 2019 oder verringerten diese zumindest.

    Enria betonte in einer Videokonferenz: „Wir erwarten, dass Banken unserer Empfehlung folgen.” Sollten Institute dies nicht tun, werde die EZB nicht zögern, einzelnen Häuser auch bindende Vorgaben zu machen. Im Dezember werde die EZB-Bankenaufsicht anhand der dann vorliegenden konjunkturellen Daten den temporären Dividendenstopp erneut überprüfen - mit ausreichend Vorlauf zu dem Zeitraum, in dem die Gewinnausschüttungen an die Aktionäre für das Geschäftsjahr 2020 anstünden. „Wir hoffen sehr, dass wir möglichst bald zur Normalität zurückkehren können”, sagte Enria.

    Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin hatte Finanzinstitute angesichts der konjunkturellen Verwerfungen infolge der Corona-Krise wiederholt dazu aufgefordert, mit ihren Kapitalressourcen „sehr sorgfältig” umzugehen. Bereits im März mahnte die Bonner Behörde: Banken sollten von Aktienrückkäufen Abstand nehmen sowie Ausschüttungen von Dividenden, Gewinnen und Boni sorgfältig abwägen.

    Einer Analyse der EZB-Bankenaufsicht zufolge sind die Banken im Euroraum ausreichend gegen Rückschläge in der Corona-Krise gerüstet. Sollte sich das wirtschaftliche Umfeld noch deutlich verschlechtern, würden die Kapitalpuffer allerdings „erheblich” zusammenschmelzen, warnte Enria. In einem solchen Fall müssten die Behörden bereit sein, weitere Maßnahmen zu ergreifen, „um einen gleichzeitigen Schuldenabbau durch Banken zu verhindern, der die Rezession vertiefen könnte”. Denkbar wären zum Beispiel staatliche Garantien zur Absicherung von Krediten.

    Die Aufseher analysierten anhand von zwei Szenarien, wie die Kapitalpuffer von 86 Instituten reagieren würden, die direkt von der EZB beaufsichtigt werden. In der ersten Berechnung, die die EZB für wahrscheinlicher hält, geht die Notenbank von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung im Währungsraum um 8,7 Prozent dieses Jahr aus. Im zweiten Fall wird ein tieferer Absturz um 12,6 Prozent unterstellt. In beiden Szenarien erwartet die EZB, dass die Wirtschaft 2021 wieder auf Wachstumskurs gehen wird - wenn auch unterschiedlich schnell.

    Je nach Schwere der konjunkturellen Krise würde die Kernkapitalquote (CET1) der Banken von einem Ausgangswert von 14,5 Prozent um 1,9 beziehungsweise 5,7 Prozentpunkte sinken. Im letzteren Fall müssten mehrere Institute Maßnahmen ergreifen, um die Mindestkapitalanforderungen der Aufseher zu erfüllen.

    Die EZB beaufsichtigt seit November 2014 die größten Banken und Bankengruppen im Euroraum direkt, derzeit sind dies 115 Institute im gemeinsamen Währungsraum, die für fast 82 Prozent des Marktes im Währungsraum der 19 Länder stehen.

    © dpa-infocom, dpa:200728-99-950897/2

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