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    Bonn

    Telekom-Chef fordert weniger Regulierung beim Netzausbau

    Telekom Höttges       -  Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender des deutschen Telekommunikationsriesen Deutsche Telekom AG, nimmt an der Präsentation der offiziellen Corona-Warn-App teil.
    Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender des deutschen Telekommunikationsriesen Deutsche Telekom AG, nimmt an der Präsentation der offiziellen Corona-Warn-App teil. Foto: Hannibal Hanschke/Reuters Pool/dpa

    Um beim Netzausbau schneller voranzukommen, hat Telekom-Chef Tim Höttges einen Abbau von Bürokratie und Regulierung beim Netzausbau gefordert.

    „Wir sind ein völlig überbürokratisiertes Land”, sagte Höttges während der digitalen Hauptversammlung des Konzerns am Freitag in Bonn.

    Bei der anstehenden Neuauflage des Telekommunikationsgesetzes müssten klare Anreize für den Netzausbau geschaffen werden, außerdem müssten Genehmigungsverfahren deutlich vereinfacht werden. Besonders bei den dringend benötigten Funkmaststandorten an Bahngleisen hapere es oft an langwierigen Verfahren. Bei einem Mobilfunkgipfel hatte die Bundesregierung in dieser Woche angekündigt, Genehmigungsverfahren für Mobilfunkstandorte von durchschnittlich 18 auf rund drei Monate senken zu wollen.

    Neben der Schließung von Funklöchern und der Verlegung von Glasfaserkabeln fokussiert sich die Telekom beim Ausbau stark auf den superschnellen 5G-Standard. Bis Juli will das Unternehmen 40 Millionen Menschen mit 5G versorgen. 12.000 Antennen seien bereits aufgestellt, betonte Höttges.

    Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass bislang die wenigsten gängigen Smartphones bereits 5G-fähig sind. Die Telekom kündigte auf der Hauptversammlung an, beim Ausbau weiterhin auf mehrere Ausrüster zu setzen - unter anderem auch auf den umstrittenen chinesischen Ausrüster Huawei. Zuvor hatte die Telekom angekündigt, bis zu einer Entscheidung der Bundesregierung von dem Einsatz von Huawei-Technik absehen zu wollen.

    Da Großveranstaltungen aufgrund der Corona-Pandemie weiterhin verboten sind, konnten die Aktionäre der Telekom in diesem Jahr die Manager nicht persönlich befragen, sondern vorab online Fragen einreichen. Einige hatten dabei die vorgeschlagene Dividende von 60 Cent als zu niedrig kritisiert, angesichts des Rekordergebnisses der Telekom im Jahr 2019 und der etwas höheren Dividende im Vorjahr.

    Auch die Regeln für die Vorstandsvergütung, die bereits seit Jahren nicht mehr vom Aufsichtsrat verändert wurden, waren Gegenstand von Kritik. Man werde die Vorstandsvergütung nach neuen gesetzlichen Vorgaben nun aber wieder auf den Prüfstand stellen und der Hauptversammlung im kommenden Jahr die Ergebnisse vorlegen, kündigte Aufsichtsrats-Chef Ulrich Lehner an.

    Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind für die Telekom zwar spürbar, halten sich jedoch in Grenzen, weshalb das Management seine Vor-Krise-Prognose bestätigte. „Wir sind unterproportional betroffen, aber natürlich gibt es Effekte im Markt”, sagte Finanzvorstand Christian Illek.

    So habe es etwa massive Einbußen beim Roaming gegeben, da Menschen kaum noch gereist seien. Dafür waren Festnetz, Internet und mobile Telefonie verstärkt gefragt. Zudem wurde der Deutschen Telekom gemeinsam mit dem Softwarekonzern SAP die Ehre zuteil, für die Bundesregierung die kürzlich an den Start gegangene Corona-Warn-App zu entwickeln.

    Als die Bundesregierung dafür anfragte, habe er sich sehr gefreut, diesen wichtigen, gesellschaftlichen Beitrag leisten zu dürfen, erzählte Höttges. Eine kostenlose Entwicklung sei kein Thema gewesen. „Die Telekom will sich an der Krise keinesfalls bereichern”, sagte der Konzernchef.

    Man könne es sich aber auch nicht leisten, Geld damit zu verlieren. Höttges reagierte damit auf die Kritik an den Kosten in Millionenhöhe, die vor allem von den Linken im Bundestag vorgetragen worden war. Insbesondere die beiden Telefon-Hotlines waren als zu teuer und überdimensioniert kritisiert worden.

    Rund 100 Mitarbeiter der Telekom hätten aus anderen Teams abgezogen und neu strukturiert werden müssen, um die App kurzfristig gemeinsam mit SAP entwickeln zu können. Dies sei in 50 Tagen gelungen. „Das ist extrem schnell”, sagte Höttges mit Blick auf den Vorwurf von Verzögerungen.

    Der Bund habe sich erst Ende April für die dezentrale Open-Source-Lösung entschieden und mehrfach betont, das aufgewendete Geld sei gut investiert. Als Kosten für die App-Entwicklung waren von der Bundesregierung bereits rund 20 Millionen Euro genannt worden. Außerdem wurden nach dem Start weitere laufende Kosten bekannt. Für Wartung, Pflege und Betrieb der App und anderer Komponenten veranschlagt der Bund in diesem und im kommenden Jahr rund 45 Millionen Euro.

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